Seriöse Bayern

24. Februar 2011 12:39; Akt: 24.02.2011 13:01 Print

Kein Wein für van Gaal - viel Lob für Kraft

Die Bayern verzichteten nach dem Last-Minute-Sieg gegen Inter auf eine feuchtfröhliche Feier. Zu reden gab neben dem fehlenden Wein auch ein seltsamer Torjubel und viele Glanzparaden.

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Thomas Kraft zeigt gegen Esteban Cambiasso eine seiner vielen Glanzparaden. (Bild: Keystone)

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Siege wie das 1:0 gegen Inter Mailand werden bei den Bayern eigentlich mit einem traditionellen Mitternachtsbankett ausgiebig gefeiert. Das Abendessen fand zwar statt, doch das Feiern wurde den Helden vom San Siro verboten. «Leider muss ich auch ein bisschen Wasser in den Wein giessen», sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Rede. «Auch wenn Louis (van Gaal, Anm. d. Red.) schon ganz gierig auf den Rotwein schaut.»

Erst das erste Drittel der «Woche der Wahrheit» haben die Bayern erfolgreich gestaltet. Doch nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Dortmund (Meisterschaft) und Schalke (DFB-Pokal) geistern bereits durch Rummenigges Kopf. «Normalerweise müsste man nach so einem Sieg sagen: Jungs, macht einen drauf, geniesst den Augenblick. Aber am Samstag kommt der Spitzenreiter», rechtfertigte sich der Vorstandsboss. «Da wollen wir unbedingt gewinnen, um mindestens Zweiter zu werden. Wenig feiern, viel Konzentration ist jetzt gefragt.» Die Bayern-Spieler hörten auf ihren Chef und liessen sich nur ganz kurz blicken. Dann verschwanden Robben, Ribéry & Co. auf ihren Zimmern.

Gomez imitiert Idol Okocha

Dort hatten sie Zeit, sich noch einmal über das Spiel Gedanken zu machen. Dachte Mario Gomez noch einmal an seinen Siegtreffer zum 1:0? Der Torgarant zeigte nach seinem achten Champions-League-Treffer einen ganz speziellen Torjubel. Wie einst Jay-Jay Okocha zog er das rechte Bein wie bei einer Dehnübung an den Hintern und wippte dabei mit dem Körper. «Ich habe den Jubel bei Jay Jay Okocha gesehen. Er war mein erstes Vorbild. Meine ganzen Tapeten waren voll mit seinen Postern», gestand der 25-jährige Gomez. «Da habe ich mir gedacht: Komm, mach das irgendwann auch mal so.»

Nach Glanzleistung: Kraft oder doch Neuer?

Und was ist wohl Thomas Kraft spätnachts noch durch den Kopf geschossen? Die neue Nummer 1 im Bayern-Tor liess Samuel Eto'o, Wesley Sneijder, Esteban Cambiasso oder Tiago Motta ein ums andere Mal verzweifeln, mit seinen Glanzparaden verhinderte er gleich mehrmals einen Rückstand. Erst seit Januar ist Kraft Stammtorhüter beim Rekordmeister. Das Talent wurde ihm nie abgesprochen, aber die Bayern-Verantwortlichen wollten nicht glauben, dass der junge Mann dem immensen Druck gewachsen ist. Im San Siro hat er nun alle Zweifler mundtot gemacht.

Dennoch geht die Torhüter-Diskussion bei den Bayern weiter. Franz Beckenbauer attestierte zwar, dass «Eto'o in Kraft seinen Meister gefunden» habe, doch der «Kaiser» würde doch lieber Schalkes Manuel Neuer im Bayern-Tor sehen. «Das ist der beste Torwart der Welt. Wenn man die Möglichkeit hat, ihn zu bekommen, dann muss man ihn verpflichten», so Beckenbauer. Auch Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeness sollen sich intern für eine Neuer-Verpflichtung ausgesprochen haben. Immerhin hält Louis van Gaal Kraft die Stange: Der Holländer betont bei jeder Gelegenheit, dass er gerne mit dem 22-Jährigen weiterarbeiten würde.

(pre)