Bilanz der Chaos-Saison

12. Dezember 2011 21:05; Akt: 12.12.2011 21:05 Print

Knüller, Tumulte, Eklats - und es ist erst Halbzeit

Im Vorfeld hiess es, diese Super-League-Saison werde die spannendeste aller Zeiten. Nach 18 Runden kann man sagen: Sie ist zumindest die turbulenteste.

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Die Saison 2011/2012 geht als eine der turbulentesten in die Schweizer Fussball-Geschichte ein. Der FC Basel dominierte alles - sonst herrschte vor allem Chaos. Als der Tschetschene bei Xamax das Ruder übernimmt, jagt eine Skandalmeldung die andere. Von ausstehenden Spielerlöhnen über Schulden bis hin zu gefälschten Bankdokumenten und am Ende der Konkurs und Tschagajew hinter Gittern. Die Liga enzieht dem Klub im Januar 2012 die Lizenz. Klagen, Rekurse, Gegenklage: Das Chaos ist auch beim FC Sion perfekt. Der Streit um die Spielberechtigungen der 6 umstrittenen Spieler brachte den Wallisern einen 36-Punkte-Abzug. Die Rekurse gegen den Entscheid wurden allesamt abgeschmettert. Im März der nächste Schock: Servette-Präsident Majid-Pishyar (Bild) muss die Bilanz deponieren und verlässt das Land. Der nächste Konkurs eines Super-League-Vereins droht. Erst Mitte Mai kann Retter Hugh Quennec die Pleite abwenden. Rauch steigt auf im GC-Sektor beim Derby zwischen den Grasshoppers und dem FC Zürich, am Sonntag, 2. Oktober 2011, im Stadion Letzigrund. Ein FCZ-Fan schleuderte eine Petarde mitten in den GC-Fanblock. Das Spiel wurde in der 77. Minute wegen der darauf folgenden Krawalle im Stadion abgebrochen. Der Deutsche verabschiedet sich mitte Oktober vom FC Basel und sucht sein Glück in Zukunft beim Hamburger SV in der Bundesliga. Nach 403 Spielen in der höchsten Schweizer Liga wechselt Hakan Yakin im Januar zur AC Bellinzona in die Challenge League. Der Portugiese João Alves wird nach dem Cup-Aus gegen Biel bei Servette entlassen. Aus Kostengründen kehrte er im Frühling wieder auf die Trainerbank von Servette zurück. Den Verteidiger zieht es in der Winterpause in die Bundesliga zum VfL Wolfsburg. Er ist nicht der einzige der den FCZ verlässt. Auch Mehmedi zieht es ins Ausland. Der Stürmer versucht sein Glück in der Ukraine bei Dynamo Kiew. Am 12. März feuert der FCZ seinen Trainer Urs Fischer - ein jähes und schmerzhaftes Ende für die FCZ-Legende. Erst hiess es, er müsse Ende Saison gehen. Dann ging es doch fix: Mitte April waren Ciriaco Sforzas Tage bei den Grasshoppers gezählt. Am 23. April tritt Laurent Roussey überraschend von seinem Amt als Sion-Trainer zurück. Er wird einige Wochen später durch Vladimir Petkovic ersetzt, der Sion durch die Barrage führen soll. Ende April muss auch Christian Gross seine Koffer packen. Die Berner Young Boys feuern den Trainer wegen ungenügender sportlicher Leistungen. Das FCB-Urgestein gibt Ende März seinen Rücktritt auf Ende Saison bekannt. Nach der Saison zieht es Xherdan Shaqiri ins Ausland. Der 19-Jährige versucht sein Glück bei Bayern München. Auch Granit Xhaka wagt den Schritt in die Bundesliga: Er spielt in Zukunft für Borussia Mönchengladbach. : Der FCB ist das überragende Team der Saison 2011/2012. Bereits Ende April durften die Basler sich offiziell als Meister feiern lassen. Nach Thorsten Finks Abgang blieb der FCB dank Heiko Vogel auf der Erfolgsspur. Erst am 20. Mai musste der Coach seine erste Niederlage in der Axpo Super League hinnehmen. Der FCL sicherte sich den zweiten Tabellenrang hinter Basel. Wichtiger Teil des Erfolgs der Innerschweizer: Trainer Murat Yakin. Yakin ist es gelungen der Mannschaft ein Gesicht zu geben. Nicht umsonst erhalten Alain Wiss und Adrian Winter erstmals ein Nati-Aufgebot. Als Meisterkandidat gehandelt, kann YB dem Ruf nicht ganz gerecht werden. Am Ende reicht es für den 3. Platz und die Qualifikation für die Europa League. Aufsteiger Servette holt sich trotz finanziellen Problemen den Sprung auf Platz 4 und ist damit für die Europa League qualifiziert. Sportlich war die Saison für die Genfer also ein voller Erfolg. Im neuen Stadion starteten die Berner Oberländer stark in die Saison. Am Ende reichte es für Platz 5. Für den FCZ verlief die Saison unbefriedigend. Der Zürcher Verein erwartet mehr von sich als den 6. Schlussrang. Aufsteiger Lausanne hält sich mit dem 7. Schlussrang in der obersten Klasse. Die Mannschaft profitierte auch vom Punkteabzug bei Sion und dem Zwangsabstieg von Xamax. GC steht nach einer schlechten Saison auf dem 8. Rang. Die Zürcher können von Glück reden, dass Sion soviele Punkte abgezogen wurden. Der ehemalige Swiss-Chef André Dosé ist der neue starke Mann bei GC. Ob er die Zürcher auf die Erfolgsstrasse zurück bringt, steht in den Sternen. Abgesehen vom Chaos um die sechs umstrittenen Spieler (im Bild: Pascal Feindouno) präsentieren sich die Walliser sportlich gut. Das Team von Christian Constantin belegt zur Winterpause noch den dritten Rang der Meisterschaft. Dann kam der fatale Punkteabzug. Die Walliser müssen deshalb in der Barrage um den Klassenerhalt kämpfen. Im Januar war Schluss für Xamax: Der Verein ging Konkurs und die Liga sorgte für einen Lizenzentzug. Die Neuenburger müssen den Neuanfang in der 2. Liga interregional in Angriff nehmen.

Die Super League geht nach der 18. Runde in die Pause: hier die besten Bilder der Hinrunde.

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Winterpause! In den Vereinen stehen die letzten Weihnachtsfeiern an, ehe die Profis in die verdienten Ferien abdüsen, um neue Kräfte für die zweite Hälfte der Meisterschaft zu sammeln. Doch schon bisher ist so viel passiert, dass es für mehrere Saisons reichen würde.

1. Die Zahlen

Gespielt sind 90 der total 180 Partien in der höchsten Schweizer Spielklasse. In diesen Spielen erzielten die zehn Mannschaften insgesamt 244 Tore, was rund 2,71 Treffern pro Spiel entspricht. 1 121 172 Zuschauer besuchten die Vorrunden-Duelle in den neun Stadien. Unverändert zu den letzten Jahren weist der FC Basel mit durchschnittlich 29 345 Zuschauern pro Spiel auch diese Saison die meisten Matchbesucher aus. Xamax liegt mit einem Schnitt von 4149 Fans am Ende dieser Rangliste.

2. Die Rangliste

Die Tabelle wird zur Halbzeit vom FC Basel angeführt. Die Rotblauen (38 Punkte) von Trainer Heiko Vogel liegen komfortable sieben Punkte vor den Verfolgern aus Luzern und Sion (je 31 Zähler) auf Platz 1. Der Wintermeister wird Meister? Das war einmal. YB wurde 2009/10 mit sieben Punkten Vorsprung auf die Bebbi Wintermeister und im letzten Spiel der Saison noch abgefangen. Der Meister 2010 hiess FC Basel. Der FC Luzern ging vor einem Jahr als Tabellenführer in die Weihnachtspause und stürzte in der Rückrunde regelrecht ab. Nach einer starken Herbstmeisterschaft holten die Leuchten im Frühjahr nur noch 15 Punkte und mussten das Titelrennen dem FCB und dem FCZ überlassen. Mit dem besseren Ende für die Basler: Der FCB schaffte unter Thorsten Fink die Titelverteidigung und peilt 2012 den ersten Titel-Hattrick in der Vereinsgeschichte an.

Für den FC Zürich gestaltete sich die Hinrunde mehr als schwierig - im Rennen um den Titel spielen die Zürcher wohl keine Rolle mehr. Auch im Cup und der Europa League ist das Team von Trainer Urs Fischer raus. Der Vize-Meister fand in der Vorrunde nie richtig in die Spur und belegt lediglich Rang 8 in der Tabelle. Kaum ein anderer Klub hat sich die Pause so herbeigesehnt wie der FCZ.

3. Die Schande von Zürich

Statt mit sportlichen Erfolgen sorgten GC und der FCZ für den Skandal der Hinrunde: Am 2. Oktober musste das 226. Zürcher Derby in der 77. Minute wegen schweren Krawallen auf den Zuschauerrängen abgebrochen werden. FCZ-Fans schleuderten eine brennende Petarde mitten in den GC-Fanblock, die Situation eskalierte. Das Spiel wurde im Nachhinein 3:0 für GC gewertet, beide Vereine wurden zudem zu einer Busse von 50 000 Franken verdonnert.

4.Die Yakin-Trennung

Nach 403 Spielen in der höchsten Spielklasse wechselt Hakan Yakin in die Challenge League zur AC Bellinzona. Ausgestattet wird der wohl genialste Spielmacher der letzten zehn Jahre mit einem 6-Jahres-Vertrag und geschätzten drei Millionen Franken Lohn. Seine Aufgaben: Bellinzona in die Super League zurückführen und als Botschafter den Tessiner Fussball salonfähig machen. Der Abschied aus der Innerschweiz und von Bruder und Trainer Murat ist dem feinen Techniker am Sonntag sichtlich schwer gefallen.

5. Finks Abgang beim FCB

Am 13. Oktober musste der FC Basel Thorsten Fink ziehen lassen. Nach zwei Meistertiteln und einem Cupsieg verliess der ehemalige Bayern-Star den FC Basel in Richtung Hamburger SV. Sein Nachfolger Heiko Vogel trocknete die Tränen rasch und machte mit starken Resultaten seinen ehemaligen Chef bald vergessen. Von sieben Ligaspielen, seit er Fink an der Linie abgelöst hat, konnte der FCB sechs gewinnen und spielte einmal Remis. Sich selber macht der Pfälzer mit dem grandiosen Sieg in der Champions League gegen Manchester United und dem Einzug in die Achtelfinals für immer unvergesslich.

5. Die Entlassung von «Papa» Alves

«Papa» nannten die Servette-Spieler und Fans Trainer João Alves. Der Portugiese hat mit dem Traditionsklub den Aufstieg geschafft. Trotz einem soliden Platz in der Tabelle war das Aus im Schweizer Cup gegen Biel eine Niederlage zu viel für Präsident Majid Pishyar. Er feuerte Alves, obwohl dieser bei der Mannschaft gut angesehen war.

6. Chaos bei Xamax

Tschetschenische Folklore im Stadion. Ausstehende Spielerlöhne und Schulden in Millionenhöhe. Communiqués und Erklärungen. Gefälschte Bankgarantien und Betrug. Die Situation bei Xamax Neuenburg droht täglich zu kollabieren. Zuletzt finanzierte die Swiss Football League die obligatorische Video-Tafel im Stadion, damit der Meisterschaftsbetrieb aufrecht erhalten werden konnte. Die Staatsanwälte von Neuenburg und Genf ermitteln gegen Xamax-Besitzer Bulat Tschagajew wegen Geldwäscherei und Urkundenfälschung. Xamax steht vor dem Ende. Gehen nach dem 1:1 gegen den FCB am Sonntag in der Maladière endgültig die Lichter aus? Laut «Sonntagsblick» will Ehrenmitglied und Fifa-Direktor Walter Gagg zusammen mit einheimischen Investoren den Klub retten. Bleiben die Fragen: Sind die möglichen neuen Investoren wirklich bereit, den Super Ligisten mit all seinen Altlasten zu übernehmen? Und: Wo zum Teufel waren diese «Wohltäter» vor einem halben Jahr, als Ex-Präsident Sylvio Bernasconi händeringend einen Käufer für den Klub gesucht hat?!

7. Juristisches Wirrwarr bei Sion

Qualifikation. Nicht-Qualifikation. Klage. Rekurs. Gegenklage. Rekurs. Nächste Instanz. Rekurs. Den Überblick im Fall Sion und Christian Constantin haben die Fussballfans schon lange verloren. Und auch die Geduld. Der Sion-Boss scheint sich ein Spiel daraus zu machen und unterhält inzwischen fast eine ganze Juristen-Elf (acht Anwälte sollen es sein) für sein Gezänk mit der Uefa und der Fifa.

(ete/fbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel Siegenthaler am 12.12.2011 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    Young Boys Bern

    Vielleicht wäre e noch erwähnenswert, dass den BSC Young Boys 7 (!!) Tore aberkannt die ganz klar regulär gewesen wären.

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  • Beat Spatenstich am 13.12.2011 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Grottenkick

    Die CH-Liga ist und wird immer eine Gurkenliga bleiben. 4 von 5 Partien sind jeden Spieltag von unterirdischem Niveau, da ist es nur logisch, dass die Medien aus der Pyromücke einen Elefanten machen.

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  • luggi am 12.12.2011 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Enttäuschung

    Ich bin einfach nur enttäuscht vom FCZ!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sport-Fan am 13.12.2011 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Schade um den Sport

    Nach der Pause können gleich die Anwälte die Schuhe anziehen.... Diese Saison ist so dermassen verzogen, hat doch mit Fusball nichts mehr zu tun.

  • Beat Spatenstich am 13.12.2011 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Grottenkick

    Die CH-Liga ist und wird immer eine Gurkenliga bleiben. 4 von 5 Partien sind jeden Spieltag von unterirdischem Niveau, da ist es nur logisch, dass die Medien aus der Pyromücke einen Elefanten machen.

    • Adi Käser am 13.12.2011 12:21 Report Diesen Beitrag melden

      vergleiche

      vergleiche mal ein land mit änlich vielen einwohner und dann schausst du dessen liga an!!!!!! wir sind nich deudschland,spanien,england,italien!!!! mach ein realistischen vergleich und dann schauen wir mal weiter!!!!!

    • elfmeter am 13.12.2011 12:24 Report Diesen Beitrag melden

      richtig

      du hast ja soooo unglaublich recht! wenn ich mal ein spiel schaue bin ich wieder bedient für 1 monat. früher ertrage ich dieses miese niveau einfach nicht wieder...

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  • flaeckli am 13.12.2011 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schiedsrichter

    bei all dem (berechtigten) gejammer über aberkannter tore, wäre es wohl langsam an der zeit die arbeitsbedingungen der schiedsrichter zu überdenken. es kann ja wohl nicht sein dass der wichtigste mann auf dem fussballplatz den kleinsten lohn hat.

  • Chrigu Zbinden am 13.12.2011 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlmeldung oder tatsächlich ein Wunder?

    Wieder mehr Zuschauer?! Wie ist das möglich, wenn es angeblich von Runde zu Runde immer schlimmer wird in den Stadien... Heisst wohl, dass 90% der Stammtischproleten in den Kommentarfunktionen noch nie ein Stadion von innen gesehen haben. Aber poltert ruhig weiter und verschliesst die Augen von den wirklichen Problemen. So schläft es sich bestimmt einfacher.

  • mr. Basel fan am 12.12.2011 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fc Basel 1. :)

    viel tumult mit guten und schlechten enden.