Einigkeit und Solidarität

23. März 2020 16:24; Akt: 23.03.2020 16:25 Print

Krisen-Management der Uefa als Vorbild für die EU

von E. Tedesco - Die Uefa hat die EM um ein Jahr auf Sommer 2021 verschoben. Präsident Aleksander Ceferin rechnet deshalb mit Millionen-Verlusten für seinen Verband.

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«Klar ist, dass die Uefa durch die Austragung der EM im kommenden Jahr hunderte Millionen Euro verlieren wird», sagte Aleksander Ceferin in einem Interview in der «Welt am Sonntag». Der Uefa-Präsident weiter: «Die EM ist unser Aushängeschild und ist in jeder Vier-Jahres-Periode die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Daher ist klar: Wir haben das grösste Opfer gebracht – was nicht heissen soll, dass wir uns deswegen schlecht fühlen.» Das Opfer: Die Uefa hat letzte Woche in einer Konferenz mit den Vertretern der 55 Mitgliedsverbände, der nationalen Ligen und der Europäischen Clubvereinigung (ECA) beschlossen, die Europameisterschaft vom Sommer 2020 auf den Sommer 2021 zu verschieben.

Bei den entscheidenden Gesprächen seien ganz unterschiedliche Interessenvertreter aufeinander getroffen, die im Kampf um die lukrativsten Einnahmen aus den TV-Geldern in harter Konkurrenz stünden. Dennoch habe man Solidarität gezeigt. Man habe alle Entscheidungen einstimmig getroffen und das sei «beeindruckend» gewesen, berichtete der 52-jährige Slowene über die Verhandlungen. «Ich glaube sogar, an unserem Management der Krise kann sich die Europäische Union ein Beispiel nehmen.»

Man stehe zusammen und helfe einander in Zeiten wie jetzt wo die Welt stillsteht. Das sei anders als in der europäischen Politik. Ceferin gegenüber der «Welt am Sonntag»: «Wir haben in Europa eine Währungsunion und offene Grenzen. Aber jetzt, in der Krise, gibt es hauptsächlich ein individuelles Vorgehen der einzelnen Länder mit vielen verschiedenen Regelungen statt ein abgestimmtes Vorgehen. Das ist schade.»

Rücklagen erlauben die Verschiebung zu bewältigen

Ceferin muss nun dafür sorgen, dass die Millionen-Verluste kompensiert und der Verband finanziell stabil bleibt. Rücklagen der Uefa erlauben, die Verschiebung zu bewältigen. Mit dem finanziellen Polster von 575 Millionen Euro an Rücklagen sollte das möglich sein. «Um ehrlich zu sein, habe ich mich bei meinem Amtsantritt im Jahr 2016 gefragt, warum wir so viel Geld als Rücklage benötigen», sagt Ceferin, «nun sehe ich, wie wichtig es ist, dieses Geld zu haben.»

Der Uefa- Präsident nützte zudem die Gelegenheit, um Berichte aus der letzten Woche zu dementieren («Das sind Fake-News»), wonach die Uefa für die Verschiebung der EM von den nationalen Ligen 300 Millionen Euro gefordert haben soll. Die Verschiebung gibt den nationalen Ligen Zeit und die Möglichkeit, vielleicht noch ihre abgebrochenen Meisterschaften zu beenden. «Man hat uns versprochen, sich solidarisch mit uns zu zeigen, wenn es nötig ist. Das war alles - und das reicht für den Moment».

Am Dienstag tagt die Uefa erneut und will einen überarbeiteten Rahmenkalender beschliessen. Dabei sollen verschiedene Modelle und Szenarien diskutiert werden, wie die Champions League und die Europa League beendet werden.

Fussball

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • I. N. Sider am 23.03.2020 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blanker Hohn

    Das klingt wirklich wie Hohn, die so einfache, banale Fussball-Welt mit der Komplexität eines Staates (oder Staatengebildes wie die EU) zu vergleichen! Wenn die Kassen derart gefüllt sind, wie bei der UEFA, in einer Subkultur von seilschaften und Korruption, kann man leicht reden und handeln. Ganz anders in den verschiedenartigen Demokratien der Länder, welche zahllose Faktoren des langfristigen Wohlergehens unzähliger Bevölkerungsschichten und Interessenslage zu berücksichtigen haben und gut lösen müssen sowie vor allem auch Schwache, Bedürftige, Kranke, etc. in Solidarität mittragen wollen!

  • hägar am 23.03.2020 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das ich nicht lache

    Uefa als Vorbild? in Wass? Seilschaften,Korruption,Vetternwirtschaft,Steuernbezahlen,Gewinnausschütung,Leistungsbezogene Löhne. Ausbeutung... da sind die UEFA,FIFA, OLYMPIA fürend. Menschenrechte,Diskriminierung etc sind nicht so ihre Kernaufgaben

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  • Katzerich am 23.03.2020 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Windfahnen Krisen-Management

    Hier geht's nur um Fussball. Was die UEFA normalerweise bietet ist lauwarm, zB Rassismuss und politische Manifestationen (zB Gruss-Türken). Sorry, null Vorbild.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Caroline M. am 24.03.2020 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hunderte Millionen verlieren?

    Was faselt den der zusammen? Erstens werden sie die Millionen nicht verlieren, sondern einfach nur nicht Abzocken können. Zweitens kommt das Geld dann wohl im nächsten Jahr! Und Drittens, die Uefa und auch die Fifa hocken auf Millionen, wenn nicht Milliarden. Braucht die mal auf. Oder noch besser: alle Funktionäre halbieren ihre Bezüge freiwillig auf 50%. Damit leben sie dann immer noch in Saus uns Braus und die Vereine sind gerettet!

    • viola sturzenegger am 24.03.2020 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Caroline M.

      was jetzt?hanswurst oder wursthans?

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  • Juri M am 24.03.2020 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ach die arme Uefa; die Fifa wird wohl

    auch bald jammern! Kürzt doch einfach mal die Gehälter der Verbandsobersten in allen Ländern und Stufen um die Hälfte und schon habt ihr keine Probleme mehr! Beides sind reine Abzockervereine, horten Milliarden und sacken Geld ohne wirkliche Gegenleistung ein!

  • Realist am 24.03.2020 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz sicher nicht!

    Die UEFA ist ganz bestimmt kein Vorbild für die EU. Schliesslich hatte man vor 1 - 2 Wochen eine Entschädigung erwartet für die verschobenen Spiele, Solidarität sieht anders aus...

  • Pat Geering am 24.03.2020 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EU = Schönwetterunion

    nichts desto trotz hat er recht in der Aussage, dass die EU in Krisenzeiten versagt. Die EU ist und bleibt ein Schönwettergebilde, das schon bei der kleinsten Krise versagt. Ein Gebilde, in dem jeder einzelne Staat immer nur seinen eigenen Vorteil sucht und die von der EU so hochgelobten Werte sich jedesmal in Luft auflösen. Beispiele? Währungskrise, Flüchtlingskrise, CoVid Epedemie ... diese Liste lässt sich beliebig weiterführen.

  • Markus Schmidt am 24.03.2020 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    EU hat diesbezüglich keine Kompetenzen

    Das solltet ihr doch wissen. Evtl. ändert sich das nach der Krise. Mal schauen