Unruhe vor dem FCZ-Spiel

19. Oktober 2011 14:10; Akt: 19.10.2011 14:51 Print

Lazio-Fans feiern Klose mit Nazi-Symbolen

Miroslav Klose hat die Herzen der Lazio-Fans im Sturm erobert. Doch der Deutsche wird auch vom rechtsradikalen Flügel des FCZ-Gegners verherrlicht - mit einem einschlägigen Nazi-Spruch.

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Das Transparent des Anstosses: «Klose mit uns» schrieben die Lazio-Fans in Anlehnung an den berühmten Militärspruch «Gott mit uns» aus der Nazi-Zeit. (Bild: Keystone)

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Das Image-Problem der Fans der S.S. Lazio Rom, am Donnerstag Gegner des FCZ in der Europa League, ist zurück. Beim Derby gegen die AS Roma zeigten die Laziali wieder einmal ihr hässliches Gesicht. Mit einem Transparent mit der Aufschrift «Klose mit uns», das offensichtlich an die Militärparole «Gott mit uns» aus der Nazi-Zeit erinnern sollte, verherrlichten einige rechtsradikale Anhänger den deutschen Siegtorschützen Miroslav Klose. Damit keine Zweifel aufkommen konnten, woran die Lazio-Tifosi tatsächlich dachten, hatten sie die beiden «S» in dieser Wendung auch noch als Runen-S geschrieben, wie Hitlers Elitetruppe «SS» das damals tat.

Klose, den die Fans auch «Bomber» oder «Panzer» nennen, war über das Neonazi-Transparent verständlicherweise gar nicht erfreut, dennoch hielt er sich mit Kritik zurück. «Fussball darf nicht mit Politik vermischt werden. Die Politik muss ausserhalb des Stadions bleiben», liess der WM-Torschützenkönig von 2006 durch seinen Dolmetscher verlauten, der noch anfügte: «Mehr möchte er dazu nicht sagen.» Der Deutsche will es sich mit den Lazio-Fans offenbar nicht verscherzen. Ein Journalist der römischen Zeitung «Il Messaggero», der über den Fall berichtete, wurde auf dem Lazio-Trainingsgelände von den Tifosi übel beschimpft.

Faschismus und Rassismus

Immer wieder sorgen die rechtsradikalen Anhänger von Lazio Rom für Aufsehen. Wegen ihrer Gewaltbereitschaft und der rassistischen Einstellung kommt es nicht selten zu Scharmützeln mit der Polizei oder anderen Fangruppen. Bei Heimspielen wehen Flaggen mit Hakenkreuz und anderen faschistischen Symbolen in der «Curva Nord», dunkelhäutige Spieler der eigenen Mannschaft, wie beispielsweise Djibril Cissé, werden bei der Vorstellung regelmässig gnadenlos ausgepfiffen. Am Sonntag hallten im Derby Sprechchöre wie «Und jetzt alle zusammen: die Gelb-Roten sind Juden, sind Juden...» durchs Stadion.

Restriktive Massnahmen zeigen Wirkung

Bis 2006 gehörte auch der berüchtigte Stürmer Paolo Di Canio zum Kader von Lazio. Trotz wiederholter Abmahnung und internationaler Entrüstung liess er es sich nie nehmen, seinen Fans den erhobenen rechten Arm zum «römischen Gruss» entgegenzurecken. «Faschist bin ich, Rassist aber nicht», war jeweils seine Rechtfertigung.

In letzter Zeit waren die Lazio-Fans etwas ruhiger geworden und die gewalttätigen Ausschreitungen haben abgenommen. Seit in Italien der Fanpass eingeführt, die Überwachung der Fankurven verstärkt und die Polizeikontrollen massiv erhöht wurden, hat man die Situation besser in den Griff bekommen. 80 Prozent weniger verkaufte Dauerkarten waren die Quittung für die restriktiven Massnahmen.

FCZ sollte gewarnt sein

Die Probleme neben dem Stadion bleiben dieselben, auf dem Platz vermag das Team von Edoardo Reja zu überzeugen. Hauptverantwortlicher für den Lauf ist Miroslav Klose. Der Salto-Mann mit polnischen Wurzeln hat in der Hauptstadt eingeschlagen wie eine Bombe. In acht Spielen hat der Torjäger bereits sechsmal getroffen. Vor allem dank ihm liegen die «Laziali» nur einen Punkt hinter Leader Juventus Turin.

In der Europa League läuft es bisher noch nicht nach Wunsch. Mit nur einem Punkt aus zwei Spielen liegen die Römer punktgleich mit dem FCZ auf Rang 3 der Gruppe D. Die FCZ-Abwehr muss sich am Donnerstag also gleich doppelt in Acht nehmen. Vor einem Gegner, der unbedingt gewinnen muss und vor einem bestens aufgelegten Stürmer, der trotz Fan-Polemik trifft und trifft. Ausserdem bleibt zu hoffen, dass die Lazio-Fans auf rechtsradikale Parolen und Scharmützel mit den FCZ-Anhängern verzichten.

(pre)

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