Herausforderung

20. August 2019 14:47; Akt: 20.08.2019 20:22 Print

Lichtsteiner ist Augsburgs Hoffnungsträger

von Thomas Schifferle - Der Nationalspieler schlägt mit 35 Jahren ein neues Kapitel auf: Mit dem FC Augsburg spielt er gegen den Abstieg aus der Bundesliga.

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Stephan Lichtsteiner in seiner neuen Umgebung. (Bild: Imago)

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Lazio Rom, Juventus, Arsenal – und jetzt Augsburg. Es ist nicht die grosse Adresse, die Stephan Lichtsteiner zum Ende seiner Tage als Fussballer ausgewählt hat. Das weiss auch er, aber es ist für ihn auch der Moment, um philosophisch zu werden. Darum sagt er: «Das Leben ist so gemacht, dass spezielle Herausforderungen auf einen warten.»

Augsburg also, die Stadt von Bertolt Brecht und Bernd Schuster, dem Dichter und dem Fussballer, eine Stadt im Schatten von München. Der FCA passt hierher, er ist grundsolide, ohne Aufregung geführt. Wenn er sich in der Bundesliga halten kann, ist das schon ein grosser Erfolg.

Die Strategie mit Lichtsteiner

Im Moment sieht es nicht so gut aus. Die alte Saison beendete die Mannschaft mit einem 1:8 in Wolfsburg und auf Platz 15, und nach einem tiefgreifenden Umbruch im Sommer hat sie die neue mit einem 1:2 beim Viertligisten Verl im Cup und dem 1:5 in Dortmund in der Meisterschaft begonnen. Lichtsteiner ist darum kein zufälliger Transfer, sondern ein strategischer. Er soll all seine Qualitäten einbringen, damit es für den FCA sportlich wieder aufwärts geht: seine Leidenschaft, seine Erfahrung, seinen Ehrgeiz.

Augsburg hat viele Baustellen, ganz besonders rechts hinten, das ist Lichtsteiners bevorzugter Arbeitsplatz. Hier hat er seine bemerkenswerte Karriere gemacht, von GC über Lille, die Serie A und die Premier League bis in die Bundesliga, seine vierte grosse Liga, «eine Top-Liga», wie er sagt.

An diesem verregneten Dienstagmorgen hat er ein erstes Mal unter dem Walliser Trainer Martin Schmidt trainiert, und als er dann hinsteht, um Fragen zu beantworten, sagt er ganz viel «top». Nachdem er bei «Top-Top-Clubs» gewesen sei, habe er sich überlegen müssen, was er noch wolle: «Die zweite Geige spielen oder wieder regelmässiger spielen?»

Bei den Arsenals dieser Welt wäre seine Einsatzzeit beschränkt gewesen, so wie schon letzte Saison, als er in 23 von 58 Spielen auf dem Platz stand. In Augsburg aber wird er von einer Zeitung wie der «Augsburger Allgemeinen» als «Top-Transfer» begrüsst. Da ist er ein Hoffnungsträger für eine junge, verunsicherte Gruppe, in der es an Erfahrung fehlt. Er will mit den Spielern sprechen, ihnen mit Erklärungen helfen und ein Vorbild sein. «So etwas habe ich noch nie gemacht», sagt er grundsätzlich. «So etwas» heisst für ihn: nicht um Titel zu spielen gerade wie bei Juventus, wo er in sieben Jahren sieben Mal Meister wurde und viermal Cupsieger, sondern eben gegen den Abstieg.

Die Rückkehr ins Nationalteam?

Lichtsteiner hat sich über den Sommer privat fit gehalten, er ist ohnehin nie einer gewesen, der sich gehen lässt. Zum Geburtstag darf es schon ein Stück von der Torte sein, die ihm seine Frau gemacht hat. «Einmal ihm Jahr kann ich mir das leisten», hat er einmal gesagt, «ansonsten muss ich auf meine Linie achten.» Vor Augen ist darum noch immer das Zitat vor dem Länderspiel der Schweiz in Georgien im März: «Ich spiele, bis es mich verbläst.»

In Tiflis stand der 35-Jährige zum 105. Mal für die Schweiz im Einsatz. Danach brachte es Vladimir Petkovic nicht fertig, ihn zum Finalturnier der Nations League nach Portugal mitzunehmen. Vielleicht wird er seinen Stamm-Captain bald wieder benötigen – weil Kevin Mbabu in Wolfsburg vorerst nur Ersatz ist und Michael Lang, der Schweizer Aussenverteidiger Nummer 3, in Mönchengladbach gar nicht mehr gefragt ist.

Am Samstag ist Lichtsteiners Debüt bei Augsburg zu erwarten, wie auch von Tin Jedvaj, den Augsburg als Innenverteidiger von Bayern Leverkusen ausgeliehen hat. Es ist gleich ein wichtiges Spiel. Union Berlin, der Aufsteiger, der zum Einstand daheim gegen Leipzig 0:4 verlor, kommt nach Augsburg.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani Alves am 20.08.2019 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Armselige Kommentare

    Was Lichtsteiner alles für die Schweiz und seine Teams gemacht hat ist erstaunlich. Er geht nie den Weg des geringsten Widerstands, ich find ihn vorbildlich! Auch wenn ich sein Reklamieren nicht liebe, dies zeigt, wie er immer 120% dabei ist, auch im fussballerischen Rentenalter. Ich wünsch ihm viel Erfolg!

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  • Chrigel Kündig am 20.08.2019 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Grösster CH-Spieler ever

    Lichtsteiner wird als einer der grössten und erfolgreichsten Schweizer Fussballer in die Geschichte eingehen. Wenn nicht sogar als grösster überhaupt: 3 WMs, 105 Länderspiele, Profi in 4 der grossen 5 Europäischen Ligen (fehlt nur Spanien), xmal Meister in Italien, 2x im CL-Final, etc. Und das ganze mit einer unglaublichen Konstanz und immer auch als Leader. Wer soll dagegen halten? Chappi? Sforza? Shaqiri?

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  • kurt rudolf am 20.08.2019 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Super Power von Lichtsteiner!

    Wenn mehr Schweizer den Siegeswillen und die Power von Lichtsteiner hätten, wären wir an der WM/EM jeweils eine Runde weitergekommen... (als er leider gefehlt hatte...)

Die neusten Leser-Kommentare

  • ruedi lanz am 22.08.2019 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Zu unfähiger Coach

    Mit diesem Trainer ist Augsburg Abstiegskandidat Nr. 1. Daran wird auch Lichtsteiner nichts ändern können!

  • Tobias U. am 21.08.2019 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    BL Kenner

    Wenn ein 35 jähriger ewig lamentierender Schweizer Fussballer der Hoffnungsträger von Augsburg sein soll, dann gute Nacht.

    • Romanito am 22.08.2019 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tobias U.

      Der Doppeladler verleiht dem Zweitligisten Flügel

    • Cellinho am 22.08.2019 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Romanito

      Augsburg ist 1. BuLi! Keine Ahnung und das ganz viel!

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  • Orjega am 21.08.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt schaue ich wieder Bundesliga!

    Lichtsteiner macht das genau richtig, er weiss, was für ihn gut ist und wo er etwas bewegen kann. Er sucht die auf ihn abgestimmte Herausforderung, ein Umfeld, für das er eine Verstärkung ist. Andere versauern bei vermeintlichen Top-Klubs auf der Tribüne und haben nur das Geld im Kopf.

  • Traturgo am 21.08.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Herz hören, nicht auf Imageberater

    Ach hört doch auf mit Abtreten auf dem Höhepunkt und ähnlichem Stuss. Ich mag jene, die solange etwas machen wie es ihnen Spass macht und sie die Leidenschaft dafür verspüren! Irgendwann mal zurück buchstabieren ist keine Schande sondern der natürliche Lauf der Zeit! Jene, die davor Angst haben und zu früh zurücktreten sind nach der Karriere meistens anfällig auf Krisen.

    • Gleiche Meinung am 21.08.2019 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Traturgo

      Schöner Kommentar. Vielen Dank

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  • Blasius am 21.08.2019 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transfer

    Ein guter Transfer von Augsburg, er wird sie vor dem Abstieg bewahren.

    • Reto M. am 21.08.2019 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      Das alte Lied

      Augsburg spielt seit 9 Jahren in der ersten Liga. Vielleicht erst einmal informieren bevor man wieder CH-Super-Experte wird nur weil ein Schweizer Spieler dort spielt.

    • Blasius am 21.08.2019 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto M.

      Hey nicht so hochtrabend, in den letzten Jahren war vor allem Hitz massgeblich am Ligaerhalt Augsburgs beteiligt, nehme an der Name Hitz sagt Dir etwas?!

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