Grosser WM-Vergleich

19. Juni 2019 17:02; Akt: 19.06.2019 19:16 Print

Die neue Rekordfrau und eine 16-Jahre-Serie

Fussballerinnen sind fairer und schiessen mehr Tore – sagen die Zahlen. Eine Auswahl an Bestmarken und Statistiken zu Weltmeisterschaften.

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WM-Tore

Seit Dienstagabend ist Marta alleinige WM-Rekordtorschützin. Vorher teilte sie die Bestmarke mit dem Deutschen Miroslav Klose. Für fünf Tage. Denn mit ihrem Penaltytor im zweiten Gruppenspiel gegen Australien holte die Brasilianerin Klose ein – nahezu unbemerkt. Es war Marta selber, die im ZDF-Interview sagte: «Mein Gott, wie konntet ihr das vergessen? Ich habe jetzt auch 16 Tore geschossen, genau wie euer Klose. Das hättet ihr auch mal fragen können.» Ohnehin ist die Bestenliste in Sachen WM-Toren ein deutsch-brasilianisches Battle. Eingeschlichen hat sich allerdings noch die US-Amerikanerin Abby Wambach.

Tore pro Spiel

Trotz des 13:0: Nur Schützenfeste gibt es auch bei der Frauen-WM nicht. Die Masse an Toren wird von Kritikern auch gerne als Argument benutzt, um das (Defensiv-)Niveau anzuzweifeln. Doch die letzten drei Weltmeisterschaften zeigen, dass die Tore pro Spiel nicht deutlich über dem Mittelwert einer Männer-WM liegt. Gerade bei der laufenden WM dürfte der Wert doch noch deutlich nach unten korrigiert werden, da bald die K.-o.-Phase beginnt und dort insbesondere wegen der grösseren Ausgeglichenheit der Teams traditionell weniger Tore erzielt werden. Die Gesamtanzahl an Toren ist seit 2015 übrigens massiv angestiegen, das aus einem einfachen Grund: Von 1999 bis 2011 durften nur 16 Teams teilnehmen, was zu einer totalen Anzahl an 32 WM-Partien führte. 2015 wurde auf 24 Teams aufgestockt, weshalb nun 52 Matches ausgetragen werden.

Die grösste Diskrepanz bei den letzten drei Weltmeisterschaften findet sich in Südafrika. Allerdings war die Ausgabe 2010 diejenige mit dem zweitniedrigsten Toreschnitt der WM-Geschichte. Wo noch weniger Tore zu bejubeln waren? 1990 in Italien. Immerhin da wird ein Klischee bedient.

Karten pro Spiel

Noch so ein Klischee: Frauenfussball ist fairer als derjenige der Männer. Ein nüchterner Blick auf die Statistik sagt: Stimmt! Im Schnitt müssen die Schiedsrichterinnen über eine Verwarnung pro Partie weniger zeigen als ihre männlichen Berufskollegen. Die meisten Gelben Karten pro Partie gab es übrigens im Jahr 1995, mit einem Wert von 2,69.

Fast doppelt so oft Gelb zeigten die Schiedsrichter bei der Männer-WM 2006. Über fünf Gelbe Karten (5,09) wurden damals in Deutschland verteilt. 19 Mal Gelb-Rot ist übrigens auch bei weitem der höchste Wert einer Fussball-Weltmeisterschaft.

Apropos Platzverweise. Bei einer Frauen-WM wurden nie mehr als fünf Spielerinnen des Feldes verwiesen. 1999 wurden vier Rote Karten verteilt, dazu gab es einmal Gelb-Rot. 2011 wurde der Rot-Rekord egalisiert, allerdings gab es nie Gelb-Rot. Bei der laufenden WM sind es bisher zwei Platzverweise in 30 Spielen.

Erstaunlich ist, wie wenig Fussballer 2018 in Russland vom Schiedsrichter vorzeitig unter die Dusche geschickt wurden. Vier Platzverweise in 64 Spielen sind klarer Tiefstwert der Neuzeit. Übel getreten wurde 1998 in Frankreich, als die Rekordzahl von 18-mal direkt Rot ausgesprochen wurde.

Meiste Teilnahmen

Zwei der drei männlichen Dauerbrenner stammen aus Mexiko. Antonio Carbajal war von 1950 bis 1966 immer dabei, Rafael Marquez von 2002 bis 2018. Weltmeister dieses Trios wurde allerdings nur Lothar Matthäus; bei seiner dritten WM-Teilnahme 1990. Ebenfalls Weltmeister wurde Gianluigi Buffon und zwar 2006 in Deutschland. Der Italiener war auch an fünf Weltmeisterschaften dabei, kam 1998 als Ersatzgoalie jedoch nicht zum Einsatz.

24 Jahre. So lange ist es her, seit Formiga ihre erste Fussball-WM bestritt. Zu diesem Zeitpunkt waren 150 Spielerinnen der laufenden Weltmeisterschaft noch gar nicht geboren. Und auch 2019 spielt die 41-jährige Brasilianerin mit, stand in den ersten beiden Gruppenspielen sogar als zentrale Mittelfeldspielerin in der Startformation. Sie ist dazu mit 41 Jahren und 102 Tagen die älteste Spielerin, die je an einer WM-Endrunde zum Einsatz kam. Ganz so lange hat es die Japanerin Homare Sawa nicht ausgehalten, die ihre letzte Weltmeisterschaft 2015 bestritt. Dort hätte sie beinahe auf bestmöglichem Weg abtreten können: Mit ihrem Nationalteam erreichte sie den Final, unterlag dort allerdings den USA. Gleich zehn Spielerinnen standen bei fünf WM-Turnieren im Einsatz. Weshalb wir hier nur Kristine Lilly aufführen? Dazu kommen wir gleich.

Meiste Spiele

Denn die zweifache Weltmeisterin brachte das Kunststück fertig, bis 2007 die Höchstzahl an möglichen WM-Partien zu bestreiten. Die USA kam in den ersten fünf Endrunden der Geschichte immer mindestens bis in den Halbfinal, weshalb sie entweder um den dritten Platz oder den Titel spielte. So war es für die heute 47-Jährige gar nicht möglich, noch mehr WM-Matches zu spielen.

Paolo Maldini ist in dieser Auflistung übrigens der Einzige, dem ein WM-Titel verwehrt blieb. Der Italiener stand letztmals 2002 bei einer Endrunde auf dem Platz – er hätte noch eine anhängen sollen.

Fussball

(fas)

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