Viel Geld, wenig Tore

22. März 2011 09:09; Akt: 22.03.2011 10:28 Print

Mega-Transfers für die Katz

von Reto Fehr - Torres, Carroll oder Dzeko: Sie wechselten im Januar für horrende Summen den Verein. Ausbezahlt hat sich bisher aber eigentlich keiner der Transfers.

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4 Spiele, 0 Tore Bisher freuen sich nur zwei Leute am Transfer: Der Finanzchef von Liverpool und der Marketingverantwortliche Chelseas. Selbst in Spanien fragt man sich bereits wegen seiner Torkrise. 2 Spiele, 0 Tore Ist noch nicht richtig in Liverpool angekommen. Sturmkollege Luis Suarez kostete 20 Millionen weniger, traf aber schon zweimal - und könnte auch als Torhüter eingesetzt werden. 8 Spiele, 0 Tore, 2 Assists Ein Reinfall bisher, hat erst viermal durchgespielt. Die einzigen Tore erzielte er im FA-Cup gegen das unterklassige Notts County. Einmal bewahrte er City mit seinem späten Tor vor der 0:1-Blamage. Aber zahlt man 50 Millionen, um gegen Notts County ein 1:1 zu erreichen? 5 Spiele, 2 Tore, 3 Assists Hat eingeschlagen und dürfte Liverpool noch viel Freude bereiten. 5 Spiele, 2 Tore Ein klarer Gewinn für das Team. Meldete am Weekend Dzeko ab und traf zum 1:0 für Chelsea. 7 Spiele, 3 Tore, 1 Assist Trifft etwa gleich, wie zuvor bei Sunderland. Aber Aston Villa wird die europäischen Plätze wohl verpassen. 10 Spiele, 1 Tor Ist mit Inter auf dem Höhenflug. Obs an ihm liegt? 9 Spiele, 4 Tore Traf beim Debüt doppelt und sicherte Inter das 3:2 gegen Palermo. Mitbeteiligt am Höhenflug. 9 Spiele, 1 Tor Konnte die Bayern auch nicht auf Meisterkurs bringen, erhielt vom «kicker» zuletzt die Note 4,00. War in den letzten Partien nie über dem Notenschnitt. Zu wenig. 1 Spiel, 0 Tore Ein Versprechen für die Zukunft. 4 Spiele, 1 Tor Hat mit Wolfsburg noch nie gewonnen, war zuletzt Ersatz und spielte erst einmal über 90 Minuten. Braucht noch Zeit. 8 Spiele, 0 Tore Statt Tore sammelte er bisher gelbe Karten. Hat immerhin schon zwei. 9 Spiele, 1 Tor Sechsmal aus- und dreimal eingewechselt. Die Bilanz eines Stammspielers sieht anders aus. 10 Spiele, 1 Tor Ein Tor beim Debüt, seither gehört er der Lotterabwehr mit 2,4 Gegentreffer pro Partie an. Nicht herausragend. 5 Spiele, 2 Tore Guter Start, aber fehlte zuletzt wegen Meniskusproblemen. 9 Spiele, 1 Assist Ist erst 20-jährig, kämpft noch um seinen Stammplatz beim abstiegsbedrohten Klub. Wechselt erst im Sommer 2011. Kommt der Goalgetter für die 2. Liga?

So haben die Mega-Transfers im Winter eingeschlagen.

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Es waren hektische letzte Stunden in der Wintertransferperiode. Fernando Torres ging für 78 Millionen Franken zu Chelsea und schnürt dort neu neben David Luiz (33,5 Millionen Franken von Benfica) die Schuhe, Edin Dzeko reihte sich mit 49 Millionen als nächster in die Liste von Manchester Citys Wahnsinnstransfers ein und Andy Carroll – im letzten Sommer noch ein Nobody – kostete Liverpool 54,5 Millionen Franken. Jetzt, knapp zwei Monate später und mit der Nati-Pause vor der Tür, ist es Zeit für eine erste Bilanz. Sie fällt ernüchternd aus.

So viel investiertes Geld will auch Rendite bringen. Aber bei den meisten Klubs wartet man noch auf die Rückzahlung in Form von Toren und wichtigen Siegen. Torres traf in London noch nie. Spanische Medien schreien vor der Nati-Pause auf: «Über 500 Minuten ohne Tor», ist «el niño» bereits. Bisher gibt es einzig zwei Gewinner beim teuersten Transfer auf der Insel aller Zeiten: Liverpools Schatzmeister und der Marketingchef von Chelsea, welcher Trikots ohne Ende verkaufen kann.

50 Millionen für ein 1:1 gegen Notts County?

Allerdings wird sich vor allem Liverpools Finanzchef bereits wieder ärgern. 54,5 Millionen der Einnahmen wurden gleich in Andy Carroll – Englands «Retro-Stürmer» – investiert. Dieser lief erst bei den letzten beiden Spielen im Dress der Reds auf. Zuvor war er verletzt, weil er betrunken von einem Barhocker fiel. Zielwasser hatte er damals nicht getrunken, noch wartet der 22-Jährige auf seinen ersten Treffer für Liverpool. Trotzdem sieht Trainer Kenny Dalglish «ermunternde Signale» beim Nationalstürmer. Womöglich sieht er diese auch wegen Sturmpartner Luis Suarez: Der kostete 35 Millionen, traf aber in fünf Spielen schon zweimal und gab drei Assists. Zudem weiss man seit der WM 2010, dass der Uru auch als Not-Torhüter eine gute Figur machen würde.

Doch zurück zu den wenig erfolgreichen Mega-Transfers: Edin Dzeko scheint seinen Torinstinkt irgendwo im fast ewigen Transferpoker verspielt zu haben. In acht Meisterschaftsspielen traf der Bosnier noch nie. Immerhin jubelte er im FA-Cup doppelt. Gegen das bescheidene Notts County erzielte er das späte 1:1 und rettete die Superreichen vor der Blamage. Im Wiederholungsspiel siegte ManCity 5:0, Dzeko traf einmal. Aber im ernst: Hat man wirklich 50 Millionen ausgegeben, um gegen Notts County nicht 0:1 zu verlieren? Wohl kaum.

Transfersieger Malaga auf Abstiegsplatz

Dann werfen wir zum Abschluss noch einen Blick ins südliche Spanien. Dort investierte Abstiegskandidat Malaga mit insgesamt zehn Millionen Franken ligaweit am meisten Geld in neue Spieler. Unter anderen sollen Martin Demichelis, Julio Baptista und Ignacio Camacho den Klub – beim Transferschluss Anfangs Februar das Schlusslicht der Primera División – vor dem Abstieg retten. Der Erfolg blieb bisher aus. Immerhin ist Malaga seit letztem Sonntag die rote Laterne los, liegt jedoch weiterhin auf einem Abstiegsplatz. Demichelis «stabilisiert» die Abwehr ähnlich wacklig wie zuvor bei Bayern, Julio Baptista ist verletzt und Ignacio Camacho ein Versprechen für die Zukunft. Gut hat man bereits für den Sommer mit Diego Buonanotte noch einen Stürmer engagiert (6 Millionen Franken). Vielleicht trifft der Argentinier dann allerdings in der zweithöchsten Liga.