McClaren und Van Gaal

06. Februar 2011 19:52; Akt: 07.02.2011 16:33 Print

Missglückter Elfer und lahme Halbzeitrede

Steve McClaren und Louis von Gaal stehen nach den Pleiten ihrer Teams arg in der Kritik. Die beiden Trainer reagierten allerdings sehr unterschiedlich auf den eisigen Gegenwind.

Dieser verschossene Penalty von Diego brachte Wolfsburg-Trainer Steve McClaren zur Weissglut. (Quelle: ARD)
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In England wird Steve McClaren immer der Trainer mit dem Regenschirm bleiben. Weil er vor Jahren als Nationalcoach nach verpasster EM-Qualifikation im Wembley am Spielfeldrand unter seinem Schirm Schutz vor dem niederprasselnden Regen suchte.

In Wolfsburg werden sie sich wegen eines anderen Bildes an den Engländer erinnern: In Hannover hatte er noch eine Stunde nach dem Schlusspfiff vor Wut ein tiefrotes Gesicht. Es war nicht die Zornesröte, weil sein Team 0:1 verlor. Auch nicht, weil sein Schweizer Torhüter Diego Benaglio mit einer unglücklichen Intervention früh den einzigen Treffer verschuldete.

McClarens Wut auf Diego

McClarens Wut richtete sich gegen Diego, weil dieser kurz vor Schluss den Penalty (ver-)schoss, für dessen Ausführung Patrick Helmes vom Trainer bestimmt worden war. «Dieses Fehlverhalten wird Konsequenzen haben», fauchte McClaren. Wer sich nicht an die Anweisungen halte, werde bestraft.

Zumal Diego ein Wiederholungstäter ist. Im Dezember hatte sich der Brasilianer mit Edin Dzeko um die Ausführung eines Penaltys gestritten. Das ärgerliche Gezank um den Penaltyball wäre kaum der Rede Wert, würden die Wolfsburger nicht reihenweise ihre Strafstösse vergeben. Diegos Fehlschuss war schon der dritte in Folge.

Van Gaal für einmal selbstkritisch

Auch bei Bayern herrscht dicke Luft - weil auch ihre Niederlage quasi hausgemacht war. Der Meister verlor in Köln ein Spiel, das er lange unter Kontrolle hatte und in dem er zur Pause 2:0 geführt hatte. Doch die Bayern liessen sich vom Abstiegskandidaten die Punkte entreissen. «Die Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit komplett die Einstellung vermissen lassen», schimpfte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Eine solche Kritik richtet sich selbstredend auch an den Trainer. Der Holländer Louis van Gaal zeigte sich diesmal sogar ein wenig selbstkritisch. «Vielleicht habe ich die Halbzeitbesprechung in einem zu souveränen Ton gemacht.»

Es sei schon in Mönchengladbach, in Leverkusen, auf Schalke «und weiss ich wo noch» passiert, dass die Bayern «ein Spiel innerhalb von 15 Minuten herschenken» (Rummenigge). Deshalb denken sie in München bei 15 Punkten Rückstand nicht mehr an den Titel («Die Dortmunder interessieren mich nicht mehr»), sondern kämpfen um den direkten Zugang zur Champions League (2. Platz). Denn Mannschaften wie Mainz und Hannover liegen noch immer vor dem Star-Ensemble.

(sda)