Clásico

30. November 2010 15:08; Akt: 30.11.2010 15:51 Print

Mourinhos schwärzeste 90 Minuten

Seit José Mourinho Cheftrainerposten einnimmt, hat er nie höher als 3:0 verloren. Erstaunlich deshalb, wie locker er mit der 0:5-Klatsche gegen Barça umgeht – und dem Spott.

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José Mourinho polarisiert. Feinde hat er viele: Journalisten, Fussballästheten, Offensivfanatiker, Fussballfans aus aller Herren Länder. Anhänger finden sich vor allem in den Reihen seiner ehemaligen Clubs. Berechtigterweise. Denn wo Fussballmessias Mourinho den Fuss in die Türe hielt, verzogen sich Niederlagen plötzlich wie von Geisterhand.

Eine Klatsche wie gestern gegen Barcelona (0:5) musste der Portugiese bisher in keinem einzigen Pflichtspiel hinnehmen, seit er Cheftrainer-Posten einnimmt. Und Cheftrainer ist er immerhin seit dem Jahr 2000. Nur gerade vier weitere Partien endeten mit drei Toren Unterschied zu Ungunsten seines Vereins. 10 Jahre Profifussball gegen die besten Teams der Welt, nicht selten auch in der Champions League – und Mourinho leistet sich gerade einmal eine Handvoll Ausrutscher (siehe Bildstrecke). Der Mann nennt sich nicht zu Unrecht selbst ein Phänomen.

Italienischer Spott – lockerer Umgang

Wer so selten und wenn dann nur knapp verliert, dem ist der Spott der Neider sicher. Das musste Roger Federer erfahren, Michael Schumacher – und nun José Mourinho. Auf der Titelseite der «Gazzetta dello Sport» stehen gross die Lettern «Erniedrigung». Mourinho weigerte sich indes, die Barças Torflut als «Erniedrigung» zu bezeichnen. Die Sache sei seiner Meinung nach sehr simpel: «Barcelona spielte hervorragend, meine Jungs spielten sehr schlecht.»

Gegenüber der «marca.es» fand Mourinho dann doch noch einen subtileren Ansatz: «Ich habe immer wieder gesagt, dass Barcelona ein vollendetes Produkt ist. Davon ist Real noch weit entfernt.» Der Sieg der Katalanen sei sehr «verdient» gewesen. «Ich bin enttäuscht, weil ich viel mehr erwartet hatte», gibt er schliesslich zu. «Hier gibt es nichts mehr zu tun, das Spiel ist vorbei», sagte er vor versammelter Medienschar. Jetzt müsse er sich auf das nächste Spiel am Samstag gegen Valencia konzentrieren. «Wir sind nur zwei Punkte entfernt, nicht 20. Wir müssen einfach weitermachen.»

Guardiola im Rausch

Sinngemäss tönte es aus der Barça-Ecke anders: Trainer Pep Guardiola war voll des Lobes – für seine wie auch die gegnerische Mannschaft. Das 5:0 sei ein «Sieg des gesamten Klubs» gewesen, sagte Pep Guardiola nach dem Spiel. Anschliessend richtete er seine Lobesreden an seine Spieler, dem Argentinier Lionel Messi allen voran: «Ich bedaure, aber wir werden es geniessen», sagte er. «Es ist nicht einfach gut zu spielen, gegen einen so guten und starken Gegner, so mächtig in vieler Hinsicht. Und dann noch so klar, wie wir es taten.» Es sei jetzt «einfach, uns selber als die Grossen zu bezeichnen und die anderen als die Schwachen.» Aber Real sei eine «brutal gute Mannschaft». Am Montag habe Barça «einfach spektakulär gut gespielt.» Er sehe einen «harten Kampf» gegen Real noch vor sich, um die Meisterschaft zu gewinnen. «Die grosse Herausforderung wird nun sein, Distanz zu den Millionen von Lobreden zu finden, bevor wir das nächste Spiel gegen Pamplona antreten.»

(tog/kle)