Schockierende Beichte

11. Oktober 2019 11:58; Akt: 11.10.2019 18:37 Print

Natispieler hatte mit 13 ein Alkoholproblem

Eine erschütternde Beichte: Timm Klose spricht über ein tiefes Loch in seiner Jugend. Er flog aus drei Schulen.

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Er will helfen, ein Tabu zu brechen. Im Rahmen der jährlichen Aktion zum Bewusstsein der psychischen Gesundheit sprach Timm Klose über Probleme seiner Jugend. Und offenbarte seine bewegende Geschichte.

Gerade mal 13 Jahre alt sei der heutige Schweizer Nationalspieler gewesen, als er zu trinken begann. Obwohl er aus einer wohlhabenden Familie stamme, hätte er nicht gewusst, was er mit seinem Leben anfangen solle: «Meine Freunde waren alle etwas älter, also trank ich mit ihnen Alkohol und rauchte.» Er sei dauernd in einer Traumwelt gewesen, nicht in der Realität. Die Folge: Er flog aus drei Schulen und in ein immer tieferes Loch. Nach einem missglückten Abstecher in die Jugend des FC Basel spielte der zurück bei Old Boys gelandete Verteidiger mit dem Gedanken, mit dem Fussballspielen aufzuhören. «Ich dachte, das wäre eine Befreiung», erzählte der 31-Jährige in einem Video, das auf dem Youtube-Kanal seines aktuellen Vereins Norwich City publiziert wurde.

Die Angst, schwach zu wirken

Doch stattdessen trank und rauchte Klose noch mehr. «In einer Nacht hatte ich beinahe eine Herzattacke. Ich erwachte auf einer Parkbank, irgendwo in der Nähe eines Sees, und hatte keine Ahnung, wo ich eigentlich war. Da dachte ich mir: Jetzt muss ich aufwachen!» Doch reden über seine Probleme wollte er mit niemandem, auch nicht mit seiner Frau. Auch nicht, als er zu seiner Anfangszeit beim 1. FC Nürnberg in der Bundesliga in den sozialen Medien scharf kritisiert wurde: «Ich fürchtete mich davor, schwach zu wirken.» In der «Tageswoche» bezeichnete ihn seine Mutter einmal als «hochsensibles Rennpferdchen». So zu sein, sei in diesem Geschäft nicht einfach.

Ein Beispiel dafür lieferte Klose gleich selber: «Wir verloren mit Norwich ein Spiel 1:2, aufgrund eines Fehlers von mir in der 90. Minute. Ich sagte mir: Reiss dich zusammen, sobald du alleine bist, kannst du in Tränen ausbrechen. Doch dann sah ich meinen Vater auf der Tribüne. Ich ging zu ihm, er umarmte mich, dann begann ich hemmungslos zu weinen.»

Die langersehnte Hilfe

Den Wendepunkt erlebte Klose aber während seiner Bundesliga-Zeit. Dort lernte er einen Mentaltrainer kennen, mit dem er noch heute viel spreche: «Es tut so gut, mit einer neutralen Person zu sprechen.» Das Wichtigste dabei sei: «Er urteilt nicht über mich und kommt auch nicht mit dieser Phrase: Es wird schon alles gut.»

Einen kleinen mentalen Rückschlag habe er vor nicht allzu langer Zeit erlebt. Es war Ende August. Sein Kreuzband riss. Zwangspause von rund sechs Monaten. Da waren sie wieder, die negativen Gedanken, die Sorgen eines 31-Jährigen: «Ich sah all die jungen, aufstrebenden Spieler und dachte: Wars das für mich?»

Doch mittlerweile ist Klose gefestigt. Oder wie er es ausdrückt: «Jetzt denke ich positiv.»


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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Fussball

(fas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max G. am 11.10.2019 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut entwickelt

    Trotz seinem Tief hat er sich gut entwickelt. Bravo zu dieser positiven Entwicklung. Es zählt das jetzt und heute.

  • Miku am 11.10.2019 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stärker als du denkst!

    Sehr beeindruckend. Diese Szene duldet auf dem Platz wie auf den Rängen NULL Schwächen. Alles gute Tim

  • Pius am 11.10.2019 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo mit Dank

    Danke für deine Geschichte Klose und das du damit rauskommst und damit Tabus brichst. Extrem wichtig! Und um Hemmschwellen aufzulösen. Es braucht mehr solche Geständnisse in Eurem männerdominierten Umfeld über solches und noch vieles mehr zu sprechen. Es ist ja total logisch das ein Abbild unserer Gesellschaft in der Nati sowie im Sport vorzu finden ist - egal ob diese hochleistungssport machen. Es findet sich alles auch in diesen kleinen Gruppen vor. Von Gay bis Drogen/Sucht, Gewalt, Armuterfahrung, Mobbing, Geldproblemen, Psychische Gesundheit etc. (Aufzählung wäre hier noch nicht fertig).

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Göckel am 11.10.2019 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wa meinsch

    Ich meine, wer meint eigentlich nicht? Diese Meinung würde mich schon noch interessieren

  • Psychiater am 11.10.2019 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zum Nachdenken

    kein Mensch ist perfekt, jeder hat seine tiefs seine hochs, die einen schafen es raus zu kommen, andere haben weniger erfolg und scheitern- stürzen ab, mache sehr tief- so tief dass sie schlimmes machen, wie gestern in DE, sie bekamen keine hilfe, wollten eventuell keine hilfe- annehmen, wer weiss es schon.....Menschen sollten mehr reden miteinander- helfen einander, und nicht immer nur verurteilen weil ein mensch böses tat, hätte der böse Mensch hilfe bekommen, reden können, wer weiss es schon im nachhinein, verurteile nie Menschen nach seinen taten.....vieleicht sind wir die schuldigen die dem Menschen keine hilfe gaben.

  • Ivano Coni am 11.10.2019 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Redaktoren, selbsternannte Moralpäpste?

    Es ist schockierend, dass heute schockiert, was früher nicht der Rede Wert war. Der Gute ist ja aus seinem Loch rausgekommen. Traut man jungen Männern nichts mehr zu?

  • Sepp am 11.10.2019 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Star ?

    Schon einige Zeit im Fussball weg vom Fenster da kommt sein Alkoholgeständnis und man ist in den Medien.

  • Olymp am 11.10.2019 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso schockierend

    Und wieso ist das schockierend??? Da gibts Leute in sportlerkreisen die haben ganz andere Süchte ...