Bayern vs. Dortmund

06. April 2019 17:30; Akt: 06.04.2019 22:14 Print

Nervenkitzel vor dem «geilsten Spiel» der Saison

Das 100. Duell zwischen Bayern München und Borussia Dortmund könnte die Meisterschaft entscheiden. Auch sonst ist viel Pfeffer drin.

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Unvergessen: Bayerns Torhüter Oliver Kahn knabbert Heiko Herrlich an beim 2:2 in Dortmund im April 1999. Noch ein Ausraster im gleichen Spiel: Kahn fängt einen weiten Ball ab, wobei er mit gestrecktem Bein voll durchzieht. Stéphane Chapuisat kann sich gerade noch zur Seite retten. Oliver Kahn kann auch anders: Hier gratuliert er Stéphane Chapuisat, der im März 1998 im Viertelfinal der Champions League das entscheidende Tor für Dortmund erzielt. Die Borussia scheitert im Halbfinal am späteren Champions-League-Sieger Real Madrid. Der 2015 verstorbene, legendäre Udo Lattek war einer der Trainer, die auf beiden Seiten unter Vertrag standen. Ottmar Hitzfeld war sowohl bei Dortmund (1991-1997) als auch bei Bayern München (1998-2004 und 2007-2008) sehr erfolgreich. Thomas Helmer (im Bayern-Trikot, links Karlheinz Riedle) war einer von 15 Spielern, die für beide Teams aufliefen. Stefan Reuter war drei Jahre bei Bayern München, wechselte für ein Jahr zu Juventus Turin und war dann zwölf Jahre bei Dortmund. Die Rivalität hält schon seit Jahrzehnten: Giovane Elber und BVB-Goalie Jens Lehmann schienen sich besonders gut zu mögen (Februar 2002). Auch in den letzen Jahren gab es immer wieder 'Überläufer'. Robert Lewandowski spielte von 2010 bis 2014 in Dortmund und schiesst seither Tore für die Bayern. Mario Götze lief von 2009 bis 2013 für den BVB auf, wechselte dann nach München, wo er nicht glücklich wurde, und kehrte 2016 nach Dortmund zurück. Das Duell zwischen Bayern München und Borussia Dortmund ist auch ein Duell zwischen Niko Kovac ... ... und Lucien Favre. Keiner der beiden ist bisher als Trainer Meister in Deutschland geworden. Das wird sich aller Voraussicht in dieser Saison ändern.

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Niko Kovac fordert Handwerk statt Kunst, Lucien Favre ein «perfektes Spiel». Uli Hoeness orakelt über ein «Zünglein an der Waage»: Das bevorstehende Gipfeltreffen zwischen Bayern München und Borussia Dortmund sorgt für Nervenkitzel im Titelkampf der Bundesliga.

Nach sechs Meisterschaften mit erdrückender Dominanz droht Bayern München gegen Leader Borussia Dortmund der K.o. - oder gelingt eine glorreiche Rückkehr an die Tabellenspitze? Wegweisend ist der Showdown der besten deutschen Mannschaften auch für Niko Kovac und Lucien Favre persönlich: Einer wird sich am Saisonende erstmals zum Meistertrainer in Deutschland küren.

«Das ist das geilste Spiel der Saison, darauf wartet ganz Deutschland. Wahrscheinlich ganz Europa», sagte der Münchner Nationalspieler Leon Goretzka. Viele Millionen an den TV-Bildschirmen in 205 Ländern sind ebenso wie 75'000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz Arena elektrisiert, wenn es am Samstag ab 18.30 Uhr um weitere Punkte für den siebten Münchner Titel am Stück oder den ersten der Borussia seit 2012 geht.

«Für die Zuschauer ist es sicherlich perfekt, besser kann es nicht laufen», sagte Kovac, dessen Rekordmeister-Ensemble noch kein grosses Spiel in dieser Saison gewonnen hat. Liverpool (0:0, 1:3), Ajax Amsterdam (1:1, 3:3) oder das Hinspiel in Dortmund (2:3) - ein Sieg fehlt bei den elitären Kräftemessen noch. «Wir sind am Wochenende bereit, das zu schaffen», versicherte Kovac.

Dortmunds Chance

Ein Dortmunder Sieg würde den langjährigen Branchenführer Bayern aber auf fünf Punkte distanzieren. Das könnte es im Titelrennen gewesen sein. «Aufgrund der Tabellensituation wird es ein spezielles Spiel», räumte Favre ein. «Wir müssen eine perfekte Leistung liefern, wenn wir gewinnen wollen.» Die Protagonisten beider Seiten sind aber bemüht, unabhängig vom Ausgang ein offenes Rennen für die danach noch ausstehenden sechs Spieltage zu proklamieren. «Ich glaube, dass es bis zum Ende spannend bleiben wird», sagte BVB-Captain Marco Reus.

Der verrückte bayerische Cup-Auftritt zeigte einmal mehr Münchner Mängel auf, die Kovac klar benannte. Vier Tore gegen Zweitligist Heidenheim beim 5:4-Spektakel waren der jüngste Beweis, dass die in der Defensive traditionell so stabilen Bayern oft bedenklich wackeln. «Angreifen ist Kunst, Verteidigen ist Handwerk. Das ist relativ einfach, aber man muss es unbedingt wollen», sagte der kroatische Coach vor dem Duell gegen den BVB, den man mit «Superlativen» loben könne.

Wieder mit Neuer und Alaba

Marco Reus, Jadon Sancho und wohl Mario Götze anstatt des verletzten Paco Alcacer könnten das mitunter wackelige FCB-Kollektiv vor noch grössere Probleme stellen als das Robert Glatzel oder Marc Schnatterer am Mittwoch taten. Allerdings hielten die Bayern auch schon geballte Offensivpower wie Roberto Firmino, Mohamed Salah und Sadio Mané vom FC Liverpool beim 0:0 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in Schach. Damals brillierte Javi Martinez als defensiver Mittelstratege. Er ist für das Borussia-Spiel eine Option.

Zurückkehren sollen die genesenen Manuel Neuer und David Alaba. Das Duo stand am Freitag erstmals wieder im Mannschaftstraining. Ob die Defensiv-Akteure zum Einsatz kommen, entscheidet sich kurzfristig. Beim BVB fallen neben Alcacer auch Achraf Hakimi und Raphael Guerreiro aus.

Uli Hoeness mahnt

Doch letztlich ist der grösste Bundesliga-Tag seit Jahren mehr eine Frage der Ein- als der Aufstellung. «Ich hoffe, dass sich jeder Spieler im Klaren ist, dass er über sich hinauswachsen muss, um einen sehr starken Gegner in den Schranken zu halten», mahnte Uli Hoeness. «Wenn wir gewinnen, haben wir gute Chancen, weil wir ein sehr gutes Torverhältnis haben und das Restprogramm in etwa gleich ist. Der eine Punkt, den wir dann wieder vorne wären, könnte inklusive des Torverhältnisses das Zünglein an der Waage sein.»

Der Liga-Gipfel könnte je nach Ausgang auch die Frage aufwerfen, ob Kovac trotz Vertrags bis 2021 der geeignete Mann für den im Sommer bevorstehenden grösseren Umbruch bei den Bayern ist. Beim BVB kann Favre weitere Argumente für eine Verlängerung seines bis 2020 datierten Vertrages sammeln.

Fussball

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 09.04.2019 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlaflose Nächte für

    Die Trainer vor dem Spiel und Albträume für den Verlierer nachher.

    einklappen einklappen
  • vorbi am 07.04.2019 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Bild 1 und 2 ...

    ... sagen alles aus über die "Sympathien" die Bayern bei mir geniesst. KEINE. Nebst diesen unfairen Praktiken will dieser "Herr" noch Präsident der Bayern werden. Wie soll das gehen, wenn er sich auf dem Platz schon nicht benehmen kann - ach ja, macht ja nichts, die Bayernchefs können das ja auch nicht und spielen sich überall auf wie Könige...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 09.04.2019 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlaflose Nächte für

    Die Trainer vor dem Spiel und Albträume für den Verlierer nachher.

    • marko 34 am 22.04.2019 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Typhoeus

      Schrecklich

    einklappen einklappen
  • vorbi am 07.04.2019 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Bild 1 und 2 ...

    ... sagen alles aus über die "Sympathien" die Bayern bei mir geniesst. KEINE. Nebst diesen unfairen Praktiken will dieser "Herr" noch Präsident der Bayern werden. Wie soll das gehen, wenn er sich auf dem Platz schon nicht benehmen kann - ach ja, macht ja nichts, die Bayernchefs können das ja auch nicht und spielen sich überall auf wie Könige...