Fehlübersetzung

16. Februar 2011 12:17; Akt: 16.02.2011 12:50 Print

Neuer gilt in Südamerika als schwul

Schalke-Keeper Manuel Neuer setzt sich für einen offenen Umgang mit Homosexualität ein. Nun geht aber auf einem ganzen Kontinent die Falschmeldung um, der Deutsche sei selber schwul.

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Manuel Neuers Interview wurde in Peru falsch übersetzt, deshalb gilt er in Südamerika jetzt als schwul. (Bild: Keystone)

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Homosexualität im Fussball ist und bleibt ein Tabuthema. Es ist aber auch ein Gesprächsstoff, der durch die Medien immer wieder belebt wird. So geschehen in Deutschland, als die Zeitschrift «Bunte» Schalke-Torwart Manuel Neuer vor Kurzem zu der Thematik befragte. Der 24-Jährige setzte sich dort für einen offenen Umgang mit Homosexualität im Fussball ein. «Wer schwul ist, soll sich outen. Da fällt doch eine Last ab», so Neuer, der weiter von der persönlichen Erfahrung eines Mitschülers erzählte, der sich vor einigen Jahren geoutet hatte.

Ein peruanischer Journalist roch in diesem Interview eine dicke Beute. Dumm nur, dass er der deutschen Sprache wohl nicht ganz mächtig war und das Interview falsch interpretierte. Denn bei seinem Arbeitgeber, einem Internetportal, stand kurz darauf: «Auch der Fussball hat seinen Ricky Martin.» Der Schreiberling hatte also verstanden, Neuer selber sei homosexuell, und zog einen Vergleich zum puertoricanischen Sänger, der sich 2010 im Alter von 38 Jahren outete. Die Nachricht verbreitete sich im doch etwas machohaften Südamerika in Windeseile. Ein Internet-Portal aus Paraguay beispielsweise titelte: «Der Gay-Torhüter bittet seine Kollegen, sich zu befreien». Und selbst in der argentinischen TV-Sendung «Todo Noticias» berichtete man: «Der Torwart hat gestanden und fühlt sich erleichtert.»

Neuer «verliebt und glücklich»

Eine Reaktion des deutschen Nationaltorhüters ist bisher noch nicht bekannt. Allerdings dürften ihn die Berichte aus Südamerika nicht besonders bewegen. Der 24-jährige Neuer ist seit Sommer 2008 mit Kathrin liiert, mit der er seit sechs Monaten zusammen in Gelsenkirchen lebt. Und obwohl der Torhüter sein Privatleben ziemlich konsequent vor der Öffentlichkeit schützt, hätte man mit ein wenig Recherche auch herausfinden können, dass die Deutsche auch im letzten Sommer an der WM in Südafrika vor Ort war, um ihren Schatz anzufeuern. Und sogar in der «Bunte» verriet Neuer zuletzt: «Wir wussten - es passt. Heute bin ich verliebt und glücklich.»

(mon)