Verletzungsmisere bei BVB

06. Februar 2019 14:50; Akt: 06.02.2019 16:09 Print

Nur wegen Schweizer Lazarett verloren?

von Erik Hasselberg - Ohne die Schweizer Roman Bürki, Marvin Hitz und Manuel Akanji scheidet Dortmund im Pokal aus. Im Penaltyschiessen avanciert Werders Torhüter zum Matchwinner.

Lucien Favre äussert sich zur Niederlage im Pokal. (Video: SID)
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Die Enttäuschung steht Lucien Favre ins Gesicht geschrieben. Mit leerem Blick und wortkarg steht der Schweizer Trainer im Dienste des Bundesligisten Borussia Dortmund beim Interview in der Mixed Zone. Soeben ist er mit seiner Mannschaft im Achtelfinal des deutschen Fussballpokals überraschend an Werder Bremen gescheitert. Ohne die Nationalspieler Roman Bürki und Manuel Akanji verliert Dortmund eine nicht enden wollende, dramatische Partie 5:7 nach Penaltyschiessen.

Auf dem falschen Fuss erwischt

Dabei war der BVB schon mit denkbar schlechten Vorzeichen in die Partie gestartet. So musste Favre kurzfristig auf fünf Spieler verzichten: Lukasz Piszczek fehlte mit einer Fussverletzung, Jadon Sancho, Marcel Schmelzer und die beiden etatmässigen Schweizer Goalies Roman Bürki und Marvin Hitz mussten aufgrund eines Infekts absagen. Damit kam Eric Oelschlägel als Nummer 3 im Tor der Borussen zu seinem Profidebüt. Und dieses hatte sich der 23-Jährige bestimmt anders vorgestellt. Gleich den ersten Abschluss auf sein Tor musste Oelschlägel in der fünften Minute aus den Maschen fischen. Nach einer einstudierten Variante lenkte der kosovarische Nationalspieler Milot Rashica einen Freistoss des nimmermüden Max Kruse ins Tor und brachte früh in der Partie die Dortmunder Südtribüne zum Schweigen.

Dortmund, sichtlich geschockt nach dem frühen Gegentreffer, brauchte einige Minuten, um wieder den Tritt zu finden. Gegen aufopfernd verteidigende Bremer gelang den Borussen kaum Zählbares. Mit grossem Kampf und Einsatz konnte Werder Bremen Mal um Mal die Angriffe des BVB unterbinden und den Gegner vom eigenen Tor fernhalten. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte gelang Dortmund dennoch der Ausgleich. Nachdem sich Axel Witsel, die Schaltzentrale im Mittelfeld, vor dem Strafraum geschickt hatte fallen lassen, verwandelte Marco Reus den fälligen Freistoss mit Bravour. Jiri Pavlenka blieb in diesem Moment nur das Nachsehen – zu gut hatte der deutsche Nationalspieler den Ball über die Mauer in den Winkel gezirkelt. Allerdings war dies zugleich die letzte Aktion von Reus.

Ein Griff an den rechten Oberschenkel beim Gang in die Kabine liess nichts Gutes erahnen. Nach dem Seitenwechsel blieb der BVB-Captain in der Kabine, für ihn kam Super-Joker Paco Alcácer in die Partie. Nach der Partie erklärte Lucien Favre gegenüber Sky: «Er hat etwas im Oberschenkel gespürt. Wir hoffen, dass es nichts Schlimmes ist.» Ob und wie lange der Angreifer ausfallen wird, ist noch unklar.

Der BVB scheitert im Achtelfinal des DFB-Pokals

«Hoffentlich gratuliert er uns am Ende»

Ohne Reus, dafür mit Alcácer mussten die Westfalen die zweite Hälfte in Angriff nehmen. Dortmund monopolisierte den Ball, kam jedoch kaum zu nennenswerten Chancen. Vielmehr waren es die Bremer, denen es gelang, mit Kontern Nadelstiche zu setzen und mit ihren Abschlüssen den Dortmunder U-23-Torhüter zu prüfen. Bremens Trainer Florian Kohfeldt sah, wie seine Mannschaft mit ihren Abschlüssen Oelschlägel nicht überwinden konnte. Mit dem dritten Goalie des BVB verbindet Kohfeldt eine ganz besondere Beziehung – so kennen sich beide aus ihrer Zeit in der zweiten Mannschaft Bremens. Vor dem Spiel hatte Bremens Trainer gegenüber der ARD noch gesagt, dass er sich grundsätzlich über das Wiedersehen mit seinem ehemaligen Schützling freue, doch hoffe er, dass ihm dieser am Ende zum Sieg gratulieren werde.

Dass es letztendlich so kam, hatten nicht viele vor der Partie für möglich gehalten. Kurz vor der drohenden Verlängerung kam noch einmal Hektik auf: Zuerst konnte Oelschlägel mit einer akrobatischen Einlage einen abgefälschten Schuss von Kruse gerade so über die Latte lenken, bevor auf der Gegenseite der Dortmunder Thomas Delany dieselbe mit einem Schuss in der 91. Minute touchierte.

Eine Verlängerung für die Geschichtsbücher

Auf eine flaue zweite Hälfte folgte eine Verlängerung, die an Höhepunkten nicht mehr zu überbieten war. Zunächst gelang der Borussia kurz vor Ablauf der ersten Hälfte der 2:1-Führungstreffer durch Christian Pulisic. Der US-Amerikaner, der im Sommer zu Chelsea in die Premier League wechseln wird, verwertete mit einem präzisen Flachschuss eine durchgesteckte Vorlage von Alcácer.

Nach dem Seitenwechsel war mit Claudio Pizarro ein Altmeister für den Ausgleich besorgt. Der kurz zuvor eingewechselte, 40-jährige Mittelstürmer mit Vergangenheit bei Bayern München wurde in jenem Moment zum zweitältesten Torschützen der DFB-Pokal-Historie.

«Seine Leistung war ganz okay»

Lucien Favre über Eric Oelschlägel


Dann die vermeintliche Entscheidung in der 113. Minute: Einem nicht geahndeten Handspiel des Dortmunders Bruun-Larsen folgte der erneute Führungstreffer für den BVB durch den Marokkaner Achraf Hakimi. Sechs Minuten später und somit nur unmittelbar vor Ablauf der Verlängerung gelang Werder Bremen jedoch der verdiente Ausgleich. Beim 3:3 traf den Jungtorhüter der Borussia eine gewisse Mitschuld, als er nach einer durch den omnipräsenten Max Kruse getretenen Ecke Martin Harniks Kopfball nicht mehr um den Pfosten lenken konnte.

Im anschliessenden Penaltyschiessen wurde zwar ein Torhüter zum grossen Matchwinner, allerdings war es mit Jiri Pavlenka der Goalie Werder Bremens, der die Abschlüsse von Alcácer und Maximilian Philipp entschärfen konnte. Bremen fügte damit der Borussia die erste Heimniederlage im Pokal seit zehn Jahren zu. Damals hatte ein gewisser 30-jähriger Claudio Pizzaro auf Vorarbeit von Mesut Özil Werder Bremen zum 2:1-Sieg geschossen.

Während Kohfeldt seinen Torhüter nach der Partie feierte und den unterlegenen Oelschlägel herzte, haderte Lucien Favre mit dem Schicksal seines Teams. Angesprochen auf die Leistung seines Torhüters, hielt er sich mit Lob zurück: «Es war okay. Er war überrascht zu spielen und dann gleich vor 81'ooo Zuschauern. Aber dafür war seine Leistung ganz okay.» Wenn die Borussia den Tritt in der Liga wiederfinden möchte – nach dem überraschenden 1:1 und Punkteverlust am Wochenende gegen Eintracht Frankfurt, braucht sie einen Torhüter, dessen Leistungen mehr als ganz okay sind. Sie braucht einen Roman Bürki in Topform.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Minnie Mouse am 06.02.2019 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation an Bremen

    Also Bremen hat sich den Sieg wirklich verdient! Unglaublich, mit welcher Kaltschnäuzigkeit sie die Rückstände in der Verlängerung wettmachten und im anschliessenden Penaltyschiessen einfach lieferten! Beschämend, dass man bzw. die Schweizer Presse die Niederlage Dortmunds nun auf die verletzten Schweizer schieben will!

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  • yves am 06.02.2019 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Next man up

    Da sind nur Ausreden. Wenn einer ausfällt ist dies die Chance für einen anderen Spieler. Daher Gratulation an Bremen!

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  • Thurborusse am 06.02.2019 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pokal ist Pokal

    Hätte, hätte, Herrentoilette. Alles hypothetisch. Vielleicht hätte Dortmund mit den Schweizern nicht mal die Verlängerung geschafft. Also bitte, wer einen Alcazer als Joker bringen kann, hat solch ein ausgeglichenes Team, da dürfen Verletzungen anderer Spieler überhaupt kein Thema sein. Dieses geeiere um Rechtfertigungen geht mir auf den Keks. Es war ein Pokalspiel und Werder hat mit viel Einsatz und auch Glück, gewonnen. Wer als designierter Deutscher Meister, es nicht schafft eine zweimalige Führung über die Zeit zu bringen, darf sich nicht beklagen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Best Gisler am 06.02.2019 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BVB doch nicht soooo stark ?

    Eine Frechheit von Favre über den Torhüter zu sagen WAR GANZ OKAY ohne seine teilweise grossartigen Paraden hätte Bremen schon in 90 Minuten gewonnen ! Und übrigens zugegeben SANCHO hat gefehlt aber der Rest der hier aufgeführt wird war mehr als gut ersetzt ! Also aufhören mit dem gequatsche Und noch etwas SOBALD REUS verletzt ist, dann BVB noch maximal 60% wert

  • Bpp23 am 06.02.2019 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufhören mit BVB Hype

    Besser hätte auch Bürki nicht halten können ! Der BVB Torhüter war sogar Schuld dass es überhaupt Verlängerung Gab und Bremen nicht schon vorher gewann !

  • Thurborusse am 06.02.2019 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pokal ist Pokal

    Hätte, hätte, Herrentoilette. Alles hypothetisch. Vielleicht hätte Dortmund mit den Schweizern nicht mal die Verlängerung geschafft. Also bitte, wer einen Alcazer als Joker bringen kann, hat solch ein ausgeglichenes Team, da dürfen Verletzungen anderer Spieler überhaupt kein Thema sein. Dieses geeiere um Rechtfertigungen geht mir auf den Keks. Es war ein Pokalspiel und Werder hat mit viel Einsatz und auch Glück, gewonnen. Wer als designierter Deutscher Meister, es nicht schafft eine zweimalige Führung über die Zeit zu bringen, darf sich nicht beklagen.

  • Chris BVB Fan am 06.02.2019 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Lazarett hat keine Schuld!

    Das ist Taktik von Favre! Er weiss, dass der Meistertitel viel höheren Wert hat als der Cup Pokal! Die BVB Spieler sind gute Schauspieler und taten so, als ob!

    • Mr. BVB am 06.02.2019 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chris BVB Fan

      & so was nennt sich BVB Fan? Der BVB will immer gewinnen. Pokalspiele sind immer verrückt. Verliert man ist man draussen. Das weckt ungeahnte Kräfte. Ausserdem fällt die Rechnerei in der Liga weg. Von wegen ein unentschieden gibt auch wichtige Punkte. Werder war gestern einfach besser. Aber man hat schon gemerkt, das die Verteidigung arg ausgedünnt war. Pizza war aber auch Weltklasse. Das Tor war wunderschön.

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  • Wonti am 06.02.2019 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    nicht meisterlich

    Gestern war Dortmund nur mittelmass, viel Rumgeschiebe und schwache Abwehr. Wenigstens kämpften Sie. Beim Penaltyschiessen nerven verloren.