Schluss mit lustig

17. Juni 2019 11:33; Akt: 17.06.2019 14:12 Print

PSG-Boss zählt seine Stars an

Jetzt ist offenbar genug: Nasser al-Khelaifi hat die Allüren seiner Fussballer satt. In einem Interview schlägt er neue Töne an.

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Sie haben es sich offenbar um einiges leichter vorgestellt, die Geldonkel von der Arabischen Halbinsel. Als sie 2011 via die Qatar Sport Investments (QSI) Paris Saint-Germain übernahmen, träumten sie vom ganz grossen Coup: dem Gewinn der Champions League. Geld spielte dabei keine Rolle, bis auf das lästige Financial Fairplay, das die Uefa durchzusetzen versuchte. Die katarische Transferoffensive in Paris gipfelte im 222-Millionen-Euro-Kauf des brasilianischen Superstars Neymar. Um ihre Ambitionen zu untermauern, holten sie im gleichen Transferfenster noch Kylian Mbappé. Zufrieden sagte PSG-Präsident Nasser al-Khelaifi über den Neymar-Transfer: «Wir sind stolz, den besten Spieler der Welt bei uns zu haben.» Das war im Sommer 2017.

Nun wird al-Khelaifi offenbar bewusst, dass er sich nicht nur mit diesem Satz verspekuliert hat. Denn Neymar war zwar sicher ein Erfolg fürs Marketing, sportlich hatte der Stürmer aber nicht die erhoffte Wirkung. Auch, weil er in beiden Saisons die entscheidende Phase in der Champions League verletzungsbedingt verpasste, worauf Paris jeweils früh ausschied. In Abwesenheit des Brasilianers konnte auch der zweitteuerste Spieler der Welt, Mbappé (180 Millionen Euro), das europäische Fiasko nicht verhindern. Deshalb sagt al-Khelaifi jetzt, im Sommer 2019: «Die Dinge hier müssen sich komplett ändern.»

Wenn jemand nicht spurt: «Ciao!»

Diese Aussage stammt aus einem Interview, das am Dienstag in «France Football» erscheinen wird. Das Fussballmagazin hat vorab schon mal eine Auswahl an knackigen Zitaten veröffentlicht. Und sie zeigt, dass sie in Katar mit ihren hochbezahlten Profis alles andere als zufrieden sind. «Die Spieler werden noch mehr zur Verantwortung gezogen als bisher. Sie werden mehr machen müssen, mehr arbeiten müssen. Sie sind nicht hier, um sich zu vergnügen.» Und wer darauf keine Lust habe, für den hat der Geschäftsmann nur ein Wort übrig: «Ciao!»

Völlig neue Töne aus einem Verein, der bisher bekannt dafür war, das zu bekommen, was er wollte. Auch wenn ein Spieler Wechselgefühle entwickeln sollte, so wurden diese mit einer satten Gehaltserhöhung einfach mal abgekauft. So beispielsweise bei Mittelfeldspieler Marco Verratti, der sich Medienberichten zufolge im Sommer 2017 mit Barça schon einig gewesen sein sollte. PSG stellte sich allerdings quer, verbesserte seinen Vertrag und bezahlte als Rache die festgeschriebene Ablösesumme für Neymar. So einfach geht das, wenn Geld keine Rolle spielt.

Fertig mit den Starallüren

Doch nun hatten sie in Paris (und Katar) eine Erleuchtung: Alles lässt sich mit Geld doch nicht kaufen. Beispielsweise das allerletzte Commitment der Fussballer mit dem Projekt PSG. So war Neymar in den letzten beiden Saisons öfters in Barças Trainingszentrum zu Besuch als bei Champions-League-Achtelfinalspielen auf dem Platz. Aufgrund von Verletzungen und Sperren verpasste er 53 Pflichtspiele, aber keine Geburtstagsparty seiner Schwester in Brasilien. Erschwerend kam in den letzten Wochen hinzu, dass Mbappé, der französische Goldjunge, öffentlich sagte, dass es möglicherweise der Zeitpunkt für eine neue Herausforderung wäre.

Solche Eskapaden sollen künftig nicht mehr toleriert werden. «Ich will diese Starallüren hier nicht mehr sehen», so al-Khelaifi. Worte, die wie eine letzte Warnung daherkommen. Denn zuletzt machte sich das Gerücht breit, wonach QSI sich ernsthaft überlegen soll, bei PSG auszusteigen. Doch kampflos aufgeben wollen sie in Katar nicht. Auch wenn Geld keine Rolle spielt: Seit 2011 mehr als 1,2 Milliarden Euro für Ablösesummen auszugeben und in der Champions League nicht über den Viertelfinal hinauszukommen, das wäre dann doch keine sehr gute Werbung.

Fussball

(fas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tomson1994 am 17.06.2019 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reality check

    Den ganzen Divas würde eine Respektschelle mal sehr gut tun. Ich arbeite 10 Jahre für das, wo die in einer Woche verdienen

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  • Piero am 17.06.2019 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PSG Millionäre

    Es wäre langsam Zeit, diesen egozentrischen Jungmillionären den Tarif durchzugeben und für ihre Eskapaden ordentlich in Millionenhöhe zu büssen! Diese Sprache würden sie vielleicht verstehen...

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  • Hysni Bakarius am 17.06.2019 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm

    Was erwarten die dort? Auch wenn sie irgendwann einmal die CL gewinnen können, wird dies nicht mehr als 1x alle 10 Jahre vorkommen. Die Konkurrenz- und Finanzdichte an der Spitze ist zu gross, als dass man sich den Sieg kaufen könnte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Felipito am 20.06.2019 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Köche verderben den Brei

    Einfach nur Namen zu kaufen bringt keine Titel noch ist es Garant für eine Über-Mannschaft. Dies durfte Real auch schon feststellen, dass die sich auf dem Platz völlig nicht ergänzten. Da muss der Sportchef schon mehr berücksichtigen als die addierten Einzelsummen. Ein gutes Team potenziert die einzelnen Potentiale! Und ehrlich gesagt fand ich Neymar zu Barcelona-Zeiten schon massivst überbewertet und war froh, dass man die 220mio. annahm. Jetzt bloss nicht wieder zurücknehmen.

  • Claudio am 17.06.2019 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kohlengeil

    Geld gewinnt am Ende doch nicht alles ...

  • T_O_N_I am 17.06.2019 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sport soll sport bleiben und kein business werden

    ich würde dem diva sport allgemein den Geldhahn zudrehen!! das überzahlte Geld sollte für den nachwuchs investiert werden und so die Jugendlichen und Familien unterstützten und fördern. sport soll sport bleiben und kein business werden

  • Mach es selber am 17.06.2019 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Scheich soll doch selber spielen

    Der Scheich soll doch selber auf dem Platz stehen und Fussball spielen. Spieler kaufen ist wie Slavenhandel und dann sich aufregen, dass die Spieler nichts gewinnen. Man braucht eben auch ein Team und nicht nur Spieler, nicht ohne Grund ist Deutschland in der Vorrunde der letzten WM ausgeschieden: Sie hatten eben kein Team.

  • Matthias Klopp am 17.06.2019 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Problem ist Tuchel

    Also, ein Neymar hat so viel Geld auf der Seite, dass es ihn nicht interessiert, ob der Scheich ihm etwas androht. Ein Neymar kann für jeden Club der Welt spielen. Paris fehlt einfach ein guter Trainer, der Emotionen wecken kann. Ein Tuchel kann zwar eine Integrationsrechnung an der Tafel lösen, aber niemals jemanden die Lösung so erklären, dass man danach selber Aufgaben lösen möchte.

    • Daniel Friedrich am 17.06.2019 16:47 Report Diesen Beitrag melden

      nicht wirklich

      Das Bubi kann nicht mehr bei jedem Club der Welt spielen! Das Bubi hat den Bogen wohl überspannt!

    • Nurmal Soh am 20.06.2019 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Daniel Friedrich

      Und bei seinem Lebensstil bezweifle ich, dass da noch sehr viel auf der hohen Kante liegt.

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