Test missglückt

09. Februar 2011 22:53; Akt: 09.02.2011 23:58 Print

Peinlich - Testspiel in Malta endet torlos

von Reto Fehr, Malta - Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft erlebt in Malta eine Blamage. In der Offensive war sie über weite Strecken inexistent, dazu vergaben Frei (2.) und Inler (57.) je einen Penalty.

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Es hätte ein schwungvoller Start ins Nati-Jahr 2011 werden sollen, es verkam zu einem «Chnorz», ja gar zu einem Ärgernis. Dabei hatte alles so gut begonnen, denn schon nach 87 Sekunden entschied Schiedsrichter Marios Stamatis auf Handelfmeter. Alex Frei lehnte das Geschenk jedoch mit einem schwach getretenen Penalty ab – Keeper Justin Haber lenkte den Ball an den Pfosten.

Die Szene passte zur jämmerlichen Darbietung. Malta – die Weltnummer 163 – erarbeitete sich im ersten Abschnitt ein deutliches Chancenplus und hätte die Führung zur Pause verdient gehabt. Die Kicker von Trainer John Buttigieg setzten dessen Forderung nach mehr Torchancen mit wirbligen Stürmern und schnellen Kontern hervorragend um. Einzig an der Effizienz fehlte es den Halbprofis von der Mittelmeerinsel.

Grichting verletzt, auch Inler verschiesst Penalty

So stand zur Pause eine gute Möglichkeit der Schweiz (Freis Penalty) drei guten Chancen Maltas gegenüber. Doch damit nicht genug: Stephane Grichting musste mit einem gebrochenen Mittelhandknochen verletzt ausgewechselt werden und auch Pirmin Schwegler wurde nach einem Zusammenstoss und kurzer Pflege aus dem Spiel genommen. Kurios dabei: Der Frankfurter hatte seine Auswechslung gar nicht bemerkt, sondern erfuhr davon, als ihn der vierte Offizielle vom Wiederbetreten des Spielfelds hinderte.

Den Titel als schwächste Halbzeit der Nati in der Hitzfeld-Ära musste der erste Abschnitt in den zweiten 45 Minuten fast gleich wieder abtreten. Denn was man nicht für möglich gehalten hätte, traf ein: Malta bestimmte vor allem in den ersten 15 Minuten die Partie. Insbesondere Andre Schembri – einer von zwei Profis bei den Maltesern in der Startelf – sowie Andrew Cohen und Michael Mifsud wirbelten die Schweizer Defensive einige Male durcheinander. Man musste es einfach anerkennen: Malta war bis dahin die bessere Mannschaft. Dabei hätten die Gastgeber den blamablen Schweizern Hilfe angeboten: Paul Fenech schubste in der 55. Minute im Strafraum Eren Derdiyok um – wieder gab es Elfmeter. Dieses Mal nahm Gökhan Inler Anlauf. Sein Versuch erinnerte in Sachen Schärfe und Präzision stark an den Penalty von Marco Streller an der WM 2006 gegen die Ukraine. Das 0:0 hatte weiterhin bestehen.

Zweite Blamage gegen Malta

Die Ereignisse auf dem Platz führten zur Volksfeststimmung und Standing Ovations auf der gut gefüllten Haupttribüne im sonst halbleeren Stadion Ta‘Qali. Die kleine Band trommelte und tropetete unaufhörlich und der Glaube an die Sensation wuchs spürbar. Ein verzückter Fan winkte auf der Tribüne mit einer Brasilien-Fahne – das war dann aber doch etwas übertrieben. Auch als den Insulanern in den letzten Minuten die Kräfte sichtbar ausgingen, konnte die Schweiz die sich jetzt bietenden Möglichkeiten nicht nutzen. So blieb es beim peinlichen 0:0 gegen den Fussballzwerg. Zum zweiten Mal nach dem 1:1 1987 mit Heinz Hermann, Marcel Koller und Co. stolpert die Nati über Malta und hat bis am 26. März und dem vorentscheidenden Spiel in Bulgarien viel Arbeit vor sich.

Ottmar Hitzfelds Wunsch für die «Offensive Lösungen zu finden und Selbstvertrauen für das Spiel gegen Bulgarien zu gewinnen», blieb unerhört. Offensiv ging erst etwas, als Malta in der Schlussviertelstunde langsam die Kräfte ausgingen und statt Selbstvertrauen wurde die Erkenntnis gewonnen, dass die Schweiz in dieser Form nichts an der Euro 2012 verloren hat. Das einzig Positive der Partie ist: Es war nur ein Testspiel.


Malta - Schweiz 0:0
Ta'Qali, La Valletta. - 3000 Zuschauer. - SR Stamatis (Zyp).
Malta: Haber; Briffa, Agius (80. Zerafa), Caruana, Mamo (64. Failla); Cohen (91. Sammut), Sciberras, Fenech (56. Pace), Bajada; Schembri (85. Woods); Mifsud.
Schweiz: Benaglio; Lichtsteiner, von Bergen, Grichting (32. Affolter), Ziegler; Derdiyok, Inler (73. Fernandes), Schwegler (41. Dzemaili), Stocker (62. Shaqiri); Frei (80. David Degen), Yakin (46. Streller).
Bemerkungen: Schweiz ohne Barnetta und Djourou (beide verletzt) sowie Bunjaku und Senderos (beide rekonvaleszent). 2. Haber lenkt Handspenalty von Frei an Pfosten. 32. Grichting (Mittelhandknochenbruch) und 41. Schwegler (Verdacht auf Gehirnerschütterung) verletzt ausgeschieden. 57. Haber pariert Foulpenalty von Inler.
Verwarnungen: 23. Von Bergen (Foul), 27. Grichting (Foul), 42. Caruana (Foul), 45. Schembri (Unsportlichkeit), 69. Lichtsteiner (Foul).