Keine Formsache

18. November 2019 06:50; Akt: 18.11.2019 09:53 Print

Für Petkovic hat jeder Gegner Respekt verdient

von E. Tedesco, Gibraltar - Das letzte EM-Qualispiel in Gibraltar scheint auf dem Papier eine klare Sache. Vladimir Petkovic fordert aber Respekt für den Fussballzwerg.

So beantwortet Nati-Trainer Vladimir Petkovic die Frage, ob beim EM-Qualifikationsspiel in Gibraltar noch etwas schief gehen kann. (Video: 20 Minuten/ete)
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Die Nummer 13 in der Weltrangliste trifft auf die Nummer 196. Für Aussenstehende, Fans, Experten und Medien ist das letzte Qualifikationsspiel am Montag in Gibraltar wohl nur noch eine Formsache. Als Vladimir Petkovic am Tag vor dem Auswärtsspiel am südlichsten Zipfel der Iberischen Halbinsel auf das Thema angesprochen wird, ist er nicht gerade begeistert.

«Wir lehren unseren Kindern, jedem und jeder Mannschaft Respekt entgegenzubringen», sagt Petkovic. «Ich wünsche mir allgemein mehr Respekt gegenüber Gegnern. Das hat mir in letzter Zeit ein bisschen gefehlt, egal ob wir gegen den Weltmeister oder die letzte Mannschaft im Ranking spielen. Auch wir müssen, dieses Verständnis haben, aber natürlich auch Selbstvertrauen, denn wir sind am Montag die bessere Mannschaft. Aber das muss man auf dem Platz auch zeigen.»

Noch ein Punkt bis zur EM-Qualifikation

Die Schweizer brauchen noch einen Punkt auf der Affeninsel, um das Ticker für 2020 zu lösen. Petkovic begründet auch, warum seine Mannschaft den Fussballzwerg, der von 27 EM- und WM-Ausscheidungsspielen kein einziges gewonnen und ein Torverhältnis von 7:128 aufweist, nicht unterschätzen soll. «Diese Mannschaft hat zuhause gegen Irland nur 0:1 verloren, und gegen Georgien, gegen das wir einige Mühe hatten, ein 0:2 aufgeholt und erst in letzter Minute das 2:3 bekommen. Das sind Signale, die wir aufnehmen.»

Aber die Mannschaft darf auch das Selbstbewusstsein an den Tag legen, das sie in den letzten Jahren verarbeitet hat. Sie hat auch in jüngster Vergangenheit Erfahrung mit vermeintlich kleinen Gegnern sammeln können. Gegen Teams, die im Fifa-Ranking auf Platz 90 oder schlechter platziert sind, hat die Schweiz in der Amtszeit von Petkovic 18 Partien ausgetragen. Davon konnte sie 17 Partien gewinnen. Das einzige Duell, das verloren ging, war ein Testspiel in Lugano gegen Katar (0:1).

Ein Jubiläumsspiel für Petkovic

Petkovic steht auf Gibraltar zum 60. Mal als Trainer der Schweizer Nationalmannschaft an der Seitenlinie seit seinem Amtsantritt im September 2014. 33 Partien hat er gewonnen und nur 16 verloren. Das Torverhältnis lautet 108:51. Damit ist er der erfolgreichste Schweizer Nationalteam-Trainer in der Geschichte des SFV. Ausserdem: Qualifiziert sich die Nati in Gibraltar, wäre es für die Schweiz die vierte Endrunden-Teilnahme in Folge und für Petkovic nach der EM 2016 in Frankreich und der WM 2018 in Russland (jeweils Aus im Achtelfinal) die dritte in Serie.

Eine Zwischenbilanz wollte Petkovic nicht ziehen, obwohl die Ziellinie der Qualifikation schon in Sicht ist. «Das werde ich im Dezember machen. Meine Konzentration gilt jetzt dem letzten Spiel, aber ich denke, dass wir in dieser Kampagne mehr Dänemark- als Georgien-Phasen hatten.» Will heissen: In Dänemark hat die Mannschaft gut gespielt, aber verloren. Gegen Georgien war die Leistung weniger gut, dafür hat die Schweiz gewonnen. Vielleicht schafft sie es in der britischen Kolonie für einmal beides auf den Kunstrasen zu bringen.

Bilanzen im Dezember und Januar

Erst danach, genauer am 13. Dezember, wird Petkovic seine Jahresbilanz präsentieren. Schliesslich wird Anfangs Januar Pierluigi Tami mit der Aussicht auf die Zukunft und seinen Projekten an die Öffentlichkeit gehen. Bis dahin hat sich der Team-Manager selber eine «Silencio stampa» auferlegt. Ob dann auch die Zukunft von Petkovic, dessen Vertrag nach der EM-Endrunde im kommenden Sommer ausläuft, ein Traktandum ist? Petkovic sagt über seine Zukunft: «Meine Zukunft ist heute.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luca am 18.11.2019 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muss Formsache sein

    wenn Gibraltar keine Formsache ist hat die Nati nichts an der EM verloren!!!!!

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  • Marlies2018 am 18.11.2019 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aufpassen Buben

    Falls sie (Schweizer Mannschaft) nicht ihr Bestes geben, kriegen sie auf die Schnauze. Wäre nicht das erste Mal.

  • Kritischer Kunde am 18.11.2019 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt einfordern?

    Nun, Respekt sollte doch selbstverständlich sein und nicht eingefordert werden. Verstehe ich das falsch? Die Erziehung bleibt einmal mehr auf der Strecke?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Creco am 18.11.2019 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Da hat Pk absolut recht und der fehlt vielerorts auch bei den Kommentaren der Presse wie auch den sogenannten Nati-Fans. Wir haben nämlich ein sehr guten Trainer, sonnst schaut einmal die Resultate wo gebracht wurden. Wenn die Einstellung der Spieler nicht stimmt, was kann da der Trainer dafür? Ich bin gespannt heute Abend. Hopp Schwizz

  • notes713 am 18.11.2019 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt!

    Die Schweiz hat es auch fertiggebracht gegen Färöer zu verlieren. Würde mich auch nicht erstauenen, wenn sie gegen Gibraltar als Verlierer vom Platz gehen. - Ich gebe Petrovic völlig recht. Auch wenn es auf dem Papier eine klare Sache scheint, bin ich der Meinung, dass man auch die kleineren Mannschaften respektieren soll!

  • FussballMeinLeben am 18.11.2019 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Fordert Respekt?

    Respekt zu haben, nimmt jeder von zu Hause mit. Das gehört in der Erziehung und muss nicht gefordert werden. Es soll SELBSTVERSTÄNDLICH sein respektvoll aufzutreten! Doch Einzelne von ihnen haben dies wohl zu Hause nicht gelernt.

  • O.Wotter am 18.11.2019 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schönschreiben

    33 Partien hat er gewonnen, und nur 16 verloren. Das "nicht nur" wirkt störend, da gerade mal die Hälfte! Respekt gegenüber dem Gegner ist ausserdem absolutes Basisverhalten, und sollte nicht extra erwähnt werden müssen wenn ein Trainer etwas taugt. Auf dem Höhepunkt sollte man gehen, der ideale Zeitpunkt für einen Rücktritt.

  • Werner am 18.11.2019 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ortbeton aus Gibraltar

    Auch die werden wieder mit 11 Mann im Sechzehner stehen. Schlagen sollte man die auf jeden Fall. Aber wenn es nicht 10:0 ist muss man auch nicht wieder anfangen rumzustänkern. Solche Gegner sind mühsam und man muss hoffen, dass so schnell wie möglich einer rein geht damit der Gegner öffnen muss. Mir ist schlussendlich egal wie oder wie hoch sie gewinnen. Hauptsache sie lösen das Ticket.:-)