Vladimir Petkovic

25. Februar 2020 14:16; Akt: 25.02.2020 16:43 Print

«Vor einiger Zeit habe ich gezweifelt»

von E. Tedesco - Der Schweizerische Fussballverband hat den Vertrag mit Vladimir Petkovic bis Ende 2022 verlängert. Das sagt der Nationaltrainer dazu.

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Vladimir Petkovic erscheint am Dienstag zur Pressekonferenz in Muri mit der Gewissheit, dass er bis Ende 2022 Schweizer Nationaltrainer bleiben wird. Es sei denn, seine Mannschaft schafft die WM-Qualifikation nicht. Petkovic unterzeichnet den neuen Kontrakt an der Seite von SFV-Präsident Dominic Blanc, der sagt: «Mit Petkovic hat sich die Schweiz für alle grossen Turniere qualifiziert. Er hat die Mannschaft verjüngt und ständig weiterentwickelt. Er hat eine starke Einheit geformt.» Der 56-jährige Tessiner, seit 2014 im Amt und der SFV-Coach mit dem besten Punkteschnitt, sagt, es habe keinen Grund gegeben, nicht zu verlängern. Es seien letztlich nur Details zu klären gewesen. Vor einiger Zeit habe er allerdings noch Zweifel gehabt. Nationalteam-Direktor Pierluigi Tami sagt, sie seien bereit, die Beziehung zu den Fans und den Journalisten zu verbessern. «In der Öffentlichkeitsarbeit müssen wir uns weiterentwickeln», darüber hätten sie diskutiert. Petkovic hat noch viel vor mit der Mannschaft, will sich aber auch selber weiterentwickeln. Er räumt ein, dass man nach der WM in Russland «einige falsche Schritte» gemacht habe. Nach der von Misstönen begleiteten Endrunde habe er «dank den Resultaten überlebt», ist sich der Tessiner sicher. An die WM in Katar habe er noch keine Gedanken verschwendet. Er konzentriere sich nur auf die kommende EM. Betreffend EM gilt für alle Spieler die gleiche Voraussetzung: «Sie müssen im Club spielen.» Also auch Liverpools Xherdan Shaqiri, der nach wie vor angeschlagen ist.

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Die Unterschrift auf dem Dokument mit der Vertragsverlängerung zwischen Vladimir Petkovic und dem Schweizer Fussballverband ist trocken. Das zu offizialisieren, war der Grund für eine kurzfristig angesetzte Medienkonferenz am Dienstagnachmittag im Haus des Fussballs in Muri bei Bern. Petkovic und der SFV einigen sich über ein neues Arbeitspapier bis 31. Dezember 2022. Sollte die Schweiz die WM-Qualifikation nicht als Erster oder Zweiter schaffen, endet der neue Vertrag per Ende 2021 respektive bei einem Aus im Playoff per Ende März 2022.

«Mit Vladimir Petkovic hat sich die Nationalmannschaft für alle grossen Finalturniere qualifiziert. Er hat die Mannschaft kontinuierlich verjüngt und zu einer starken Einheit geformt, welche regelmässig unsere Fans in ihren Bann zieht», sagt Zentralpräsident Dominique Blanc, der die «Feierlichkeiten», wie es Kommunikationschef Adrian Arnold nannte, eröffnet. «Petkovic steht für Qualität und Kontinuität. Wir sind überzeugt, dass wir zusammen mit ihm ein weiteres Kapitel der Erfolgsgeschichte des Schweizer Fussballs schreiben können.»

Den Lohn angepasst

Die Zukunft von Petkovic als Trainer war schon länger das grosse Thema rund um die Nationalmannschaft. Zuletzt in der Analyse von Pierluigi Tami im Januar. Damals berichtete der Direktor des Nationalteams, dass man sich grundsätzlich einig sei, gemeinsam weiterzumachen, aber noch einige Details zu klären wären.

Dabei ging es wohl auch um das Finanzielle. Anzunehmen ist, dass der Lohn von Petkovic angepasst wurde. Zu Details äussert sich Tami nicht, er sagt aber: «Der Leistungsgedanke ist diesmal mehr eingeflossen. Wir haben Petkovic klar gemacht, dass der Verband Grenzen hat, und er hat das akzeptiert.» Petkovic verdiente bisher pro Jahr eine Million Franken zuzüglich einer Prämie für eine Endrundenteilnahme, die zwischen einer halben Million und 800'000 Franken betragen haben soll. Die Prämien für eine WM-Qualifikation sind ausgehandelt. «Das ist Geld, das ich gerne ausbezahlen würde», so Tami.

«Ich bin sehr glücklich und stolz, dieses tolle Team, das unser Land repräsentiert, weiterhin coachen zu dürfen. Wir haben uns sportlich und strukturell neu organisiert und professionalisiert, um uns weiter zu verbessern», ist nun auch Petkovic an der Reihe, über seine Gründe für die Verlängerung zu sprechen. «Es ist nicht selbstverständlich, dass mir meine Spieler, der Verband und die Liga ein so starkes Vertrauen schenken. Ich werde alles tun, um ihnen, der Schweiz und unseren treuen Fans dieses Vertrauen zurückzubezahlen.»

Petkovic hat die Schweiz nach der WM 2014 in Brasilien übernommen und ist mit dem besten Punktschnitt in der Geschichte des SFV zum erfolgreichsten Nationaltrainer aufgestiegen. In bisher 60 Länderspielen (34 Siege, 12 Remis, 114:52 Tore) schaffte er im Schnitt 1,9 Punkte pro Partie. Das entspricht dem höchsten Schnitt eines Schweizer Nationaltrainers seit den 1920er-Jahren. Im Fifa-Ranking war die Schweiz unter ihm nie schlechter klassiert als auf Rang 18.

Die Nationalmannschaft hat sich für alle Endrunden in der Ära Petkovic (EM 2016, WM 2018 und EM 2020) qualifiziert und erreichte in beiden bisherigen Wettbewerben jeweils den Achtelfinal. Nach wiederholtem Scheitern in diesen Achtelfinals (2016 gegen Polen und 2018 gegen Schweden) kamen Diskussionen um die Weiterbeschäftigung des Trainers auf.

Falsche Schritte gemacht

Weitere Auslöser für Kritik an Petkovic waren vor allem aber Softfaktoren wie fehlende Kommunikationsbereitschaft des 56-Jährigen nach Krisen wie der Doppeladler-Affäre in Russland, nach dem unschönen Ende der Nationalmannschaftskarriere von Valon Behrami oder auch im letzten Herbst nach dem Wirbel um Xherdan Shaqiri, dem die Motivation für die Nati gefehlt haben soll.

«Wir haben auch darüber gesprochen», sagt Petkovic, «denn wir haben auch falsche Schritte gemacht nach Russland. Seit Pierluigi Tami im Amt ist, haben wir aber einige richtige Schritte gemacht. Ich kann aber nicht sagen, dass ich mich geöffnet habe, denn ich habe mich nie verschlossen.»

Bleibt Petkovic wie unterschrieben bis nach der WM 2022 im Amt, wird er über acht Jahre lang Schweizer Nationaltrainer gewesen sein. Dann wäre das länger als die Amtsdauer von Ottmar Hitzfeld (6 Jahre bis 2014) und Köbi Kuhn (7 Jahre bis 2008) und Petkovic hätte auch da seine Vorgänger überflügelt. Hatte er nie Zweifel, noch einmal zwei Jahre anzuhängen?

Petkovic: «Vor einiger Zeit habe ich gezweifelt. Ich habe nach Russland Überlebenstraining gemacht und dank der Resultate überlebt, aber in den letzten Monaten war mir klar, dass ich weitermachen und auch wieder Nähe zu den Fans und Leuten suchen will. Man kann sagen: Ich habe mich wie ein Schmetterling eingepuppt und entfalte mich nun zu ganzer Schönheit.»

Auch weil auf den Tessiner Herausforderungen warten, die er gerne annimmt. «Die Mannschaft noch mehr zu stabilisieren, aber auch weiter hungrig zu bleiben», sagt der 56-Jährige. «Die Spieler müssen im Club das Maximum herausholen und zum richtigen Zeitpunkt in Form sein. Dann sind unsere Ziele unbegrenzt. Aber wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen – immer mit der Ambition und dem Willen, Weltmeister zu werden.»


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