Spieler verlässt Platz

17. Februar 2020 07:45; Akt: 17.02.2020 12:01 Print

Rassismus-Skandal erschüttert Portugal

Porto-Torjäger Moussa Marega wird so lange beleidigt, bis er den Platz verlässt. Dabei lassen ihn sogar seine Mitspieler und der Schiedsrichter im Stich.

Moussa Marega hat genug: Der Porto-Stürmer verlässt wegen rassistischer Beleidigungen den Platz. Video: Sport TV
Zum Thema
Fehler gesehen?

Er ist ausser sich. Mehrere Mitspieler versuchen Moussa Marega zu beruhigen, doch der Stürmer, der wenige Minuten zuvor das 2:1 für Porto erzielt hatte, ist zu sehr aufgebracht. Nach langen Diskussionen verlässt er den Platz – zu lange war er rassistisch beleidigt worden. Auf dem Weg in die Kabine mit Blick Richtung Tribüne streckt er beide Daumen nach unten. Sogar ein Sitz in seine Richtung sei zuvor geflogen, berichteten portugiesische Medien.

Laut Porto-Trainer Sérgio Conceição sei Marega seit dem Warmmachen von der Vitoria-Bank aus beleidigt worden. «Wir sind eine Familie, unabhängig von Nationalität, Hautfarbe, Grösse, Haarfarbe. Wir sind eine Familie. Wir sind Menschen. Wir verdienen Respekt.» Als Einheit präsentiert sich die Familie aber erst nach Schlusspfiff. Während des Eklats scheint Marega nämlich ziemlich alleine zu sein. Statt mit den Übeltätern auf der Tribüne schimpfen seine Mitspieler nämlich mit dem 28-Jährigen. Viel Verständnis für seinen Frust und seinen Entscheid, den Platz zu verlassen, bekommt er offenbar nicht. Für Marega wird in der 72. Minute Wilson Manafá eingewechselt – und das Spiel wird normal zu Ende gespielt, als wäre nichts passiert. Obwohl, nicht ganz: Marega bekommt aufgrund der Diskussionen vom Schiedsrichter noch die Gelbe Karte gezeigt. Erst Sonntagnacht brandet in Portugal eine Welle der Unterstützung, zahlreiche Fussballer melden sich via Instagram und verurteilen die Beleidigungen.

«Nazis raus» in Münster

Wie man schneller reagieren könnte, zeigten sie an diesem Wochenende in Münster. In der Schlussphase des Drittliga-Spiels gegen die Würzburger Kickers am Freitagabend hatte ein Mann auf der Tribüne den Gäste-Profi Leroy Kwadwo beleidigt und Affenlaute in Richtung des 23-Jährigen gemacht. Nach Vereinsangaben zeigten daraufhin andere Fans auf den Zuschauer, damit dieser von Ordnungskräften ausfindig gemacht werden konnte. Zudem riefen zahlreiche Fans «Nazis raus».

Am Tag nach den Ereignissen meldete sich Kwadwo in einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort und lobte das Verhalten der Fans in einem Beitrag bei Instagram: «Eure Reaktion ist vorbildlich - Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet.» Am Ende seines Eintrags schrieb er zudem: «Danke für Eure Menschlichkeit.»

Mittlerweile hat sich auch Marega via Instagram gemeldet. Mit einem Rundumschlag. «Fickt euch», schreibt er in Richtung der Rassisten. Und für den Schiedsrichter hat er einen ironischen Dank übrig: «Dafür, dass du mir die Gelbe Karte gezeigt hast, weil ich meine Hautfarbe verteidigt habe. Ich hoffe, dich nie wieder auf einem Fussballplatz zu sehen. Du bist eine Schande!»

Fussball

(fas/dpa)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonymous am 17.02.2020 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kontext

    Nur als info zum Beitrag bevor jemand sagt das er ein Tor gefeiert hat indem er auf seine Haut zeigte, Marega wurde das ganze spiel von dem "White Angels" mit Affen-geräusche und andere Rassistische Aktionen angepöbelt, sein Jubel nach sein Tor war eben eine Antwort von dem Rassismus das er das ganze spiel spüren musste, irgendwann war sein fass allerdings dann mal voll und es kam zu dieser Reaktion, was komplett verständlich ist.

    einklappen einklappen
  • Gabor am 17.02.2020 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut gemacht

    hat er gut gemacht! es ist doch wirklich traurig das heutzutage der Sport von solchen Dingen so geprägt wird. ausfindig machen und lebenslänglich Stadion verbot!

    einklappen einklappen
  • Richtungmond am 17.02.2020 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2020

    Traurig, dass viele Leute immer noch so rassisten sind. Hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun sondern einfach Dummheit.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • YBholiker am 17.02.2020 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin froh

    gibts bei uns keine solchen Typen / Probleme. "On est tous ensemble!" wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen. Mehr gibts dazu nicht zu sagen. Hopp YB!

  • Giancarlo am 17.02.2020 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    Identifizieren und Stadionverbot

    Was wirklich traurig ist: solche Idioten sind in der absoluten Minderheit. Es müsste doch möglich sein, diese Rassisten zu identifizieren und mit Stadionverbot auf Lebzeiten zu verbannen. Es kann doch nicht sein, dass ein ganzes Spiel wegen ein paar Fanatikern ruiniert wird.

  • Cftp am 17.02.2020 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rassismus?

    Und was ist mit den Weissen.... die hören sich auch viele beleidigungen wâhrend des spiels an aber machen nicht so ein theater wie der Marega sondern ignorieren es ganz einfach

  • EMMM am 17.02.2020 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Häää?

    Und ich dachte immer, die Profi Spieler dürfen sich nicht Provozieren lassen. Irre ich mich, oder haben wir gerade herausgefunden, das Profi Spieler auch nur Menschen sind?

  • Smyleface am 17.02.2020 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade und traurig

    verstehe sowas nicht, am besten denjenigen für immer Stadionverbot geben... braucht es nicht so Leute! es sind sicher auch solche darunter die geziehlt aud eine Person vorgehen..