Champions League

16. März 2011 07:41; Akt: 17.03.2011 08:40 Print

Real und Chelsea unter den letzten Acht

Real Madrid besiegt Lyon zu Hause problemlos mit 3:0. Die Spanier ziehen somit nach 6 Jahren erstmals wieder in die Runde der letzten Acht ein. Chelsea ist ebenfalls eine Runde weiter.

Bildstrecke im Grossformat »
Grenzenlose Erleichterung bei den Real-Stars. Nach 6 Jahren Abwesehnheit ziehen die Spanier erstmals wieder ins Viertelfinale der Champions League ein. Der Brasilianer Cris hatte in der Verteidigung alle Hände voll zu tun. Zu stark war die geballte Offensivstärke von Real Madrid. Eine eindrückliche Bilanz eines grossen Trainers: Der Portugiese José Mourinho hat als Trainer seit 2002 kein Spiel mehr zu Hause verloren. Ob nun mit Chelsea, Inter oder Real. Chelsea qualifizierte sich dank einer Nullnummer gegen Kopenhagen für die nächste Runde. Auch Fernando Torres gelang kein Tor. Der FC Kopenhagen kam Chelsea nur selten gefährlich nahe. Die in Pink angetretenen Dänen konnten das grosse Chelsea nicht ärgern. Nicolas Anelka und sein Team behielten stets den Überblick über das Geschehen. Der Schuss von Goran Pandev passte in der 88. Minute haargenau. Sein 3:2 brachte Inter die Qualifikation für die Viertelfinals. Lange sah es gut aus für die Bayern. Thomas Müller traf in der 31. Minute zum 2:1 für die Deutschen. Der umstrittene Bayern-Trainer Louis Van Gaal erlebte auch heute keinen schönen Fussballabend. Sein Team patzte heute in der entscheidenden Phase. «ManU» setzt sich dank einer Doublette von Javier Hernandez gegen Olympique Marseille mit 2:1 durch. Olympique Marseille vermochte in der 82. Minute noch auf 1:2 zu verkürzen, der Gegentreffer schmerzte aber nicht gross. Das Team von Edwin van der Sar qualifiziert sich souverän für die nächste Runde. Für Olympique Marseille geht mit dem Auftritt im Old Trafford eine erfolgreiche Champions League Saison zu Ende. Für die grosse Überraschung reichte es aber nicht. Zum Triumph von Schalke 04 steuerte auch der Schweizer Gavranovic (r.) einen Treffer bei. Matchwinner war aber Jefferson Farfán, der gleich zwei Mal traf - unter anderem mit einem herrlichen Freistoss. Nach den Wirren um seine Zukunft an der Seitenlinie der Schalker, fand Felix Magath wenigstens kurzzeitig das Lachen wieder. Luka Modric' akrobatischer Einsatz hat sich für die «Spurs» gelohnt. Am Ende konnte nämlich auch Trainer Redknapp aufatmen. Sein Team ist eine Runde weiter. Bei den Italienern ist derweil Wunden lecken angesagt. Pure Erleichterung nach dem wichtigen 3:1 von Lionel Messi. Barcelona drückte in der ersten Halbzeit, ein Tor wollte aber lange nicht fallen. Auch Messi war der Verzweiflung nahe. Während Josep Guardiola seiner Freude freien Lauf lässt, schleicht ein trauriger Arsène Wenger davon. Der Schweizer Johan Djourou (l.) zeigte gegen die Offensivkünstler aus Barcelona eine gute Leistung. Auch wenn seine Mannschaft verlor. Gegen das Wunderkind Lionel Messi war an diesem Abend nichts zu machen. Er war der überragende Akteur auf dem Feld. Robin van Persie (l.) sieht nach einer dummen Aktion die zweite Gelbe Karte und muss vom Platz. Schiedsrichter Busacca zeigt ihm die Richtung. Der beste Spieler bei Arsenal war Torhüter Manuel Almunia (l.). Der Spanier bewahrte seine Mannschaft vor einer höheren Pleite. Die Ukrainer von Schachtjor Donezk machten heute Abend gegen die AS Roma den wacheren Eindruck. Mexès sah bereits in der 41. Minute seine zweite Gelbe Karte und musste unter die Dusche. Doni ist beim Gegentor von Schachtjor machtlos. Doppeltorschütze Willian kann sein Glück kaum fassen. Seine Mannschaft steht tatsächlich im Viertelfinale. Kein schöner Abend für Roma-Keeper Doni. Er kassiert gegen die Ukrainer drei Gegentreffer. Schachtjor Donezk überrollte die Roma gleich mit 3:0 und steht erstmals in den Viertelfinals der Champions League.

Fehler gesehen?

Real steht in der Champions League nach sechs Achtelfinal-Enttäuschungen in Serie erstmals wieder in der Runde der letzten acht. Das Team von Star-Trainer José Mourinho deklassierte Lyon nach dem 1:1 im Hinspiel 3:0. Chelsea genügte ein 0:0 gegen Kopenhagen.

Nicht einer der Künstler-Fraktion der schillernden Offensivabteilung löste beim Anhang Reals einen ersten Sturm der Begeisterung aus. Verteidiger Marcelo, üblicherweise auf der linken Seite für die Stabilisierung der Defensive zuständig, dribbelte sich in der 37. Minute in den Brennpunkt. Sein erstes Tor im aktuellen Wettbewerb ebnete Real den Weg in den ersten CL-Viertelfinal seit 2004.

Für den speziellsten Moment der Partie sorgte Karim Benzema. Der französische Nationalspieler mit jahrelanger und höchst erfolgreicher Vergangenheit in Lyon traf wie im Hinspiel (66.). Mit seinem sechsten Tor in der europäischen Elite-Liga versetzte der 23-Jährige dem bereits schwer gezeichneten Kontrahenten den entscheidenden Schlag. Kurz vor Schluss verliess er den Rasen unter Ovationen.

Die Anhänger des neunfachen Titelträgers (im Meistercup und CL) klatschten längst rhythmisch. Ihr Team hatte vor Benzemas Abgang Spektakel und sogar noch ein wunderbares drittes Tor produziert: Der Argentinier Di Maria, auf den Mourinho so sehr setzt, überwand den französischen Nationalkeeper Hugo Lloris im Stile des Champions zum dritten Mal.

Für die Geste der Runde sorgten die Madrilenen nach dem Schlusspfiff im Kollektiv: Zur Unterstützung des an Krebs erkrankten «Barça»-Stars Eric Abdial trugen enthüllten alle Real-Spieler ein weisses Shirt mit der Aufschrift «Animo Abidal».

Verbale und spielerische Konter

Lyons Präsident Jean-Michel Aulas entlockte Madrids Coach mit seiner Fernprognose, er sei sich sicher, Real würde auf ein 0:0 aus sein, schon vor der ersten Ballberührung im «Santiago Bernabéu» einen verbalen Konter. «Aulas hat die Analyse gemacht. Er redete wie ein Trainer, nicht wie ein Präsident. Vielleicht geben wir ihm ja Recht», antwortete José Mourinho dem Franzosen.

Wie wenig er von der Einschätzung Aulas in Tat und Wahrheit hielt, belegte er «Mou» mit seiner Equipe. Ohne eine Minute taktischer Zurückhaltung stürmte Real an. Schon nach fünf Minuten prallte der Ball ein erstes Mal vom Pfosten zurück. Lyon beanspruchte das Glück, dass Khedira ein Foul am Keeper begangen haben soll. Die hektischen Szenen häuften sich aber früh im Strafraum der Gäste.

Eine achte Partie ohne Sieg gegen Lyon wollten die Spanier ihrem verwöhnten Anhang nicht zumuten. Und mit dem Selbstvertrauen, zuvor sämtliche der 21 Partien im eigenen Stadion ohne Punktverlust überstanden zu haben, kontrollierte Real jenen Verein, der in der Ligue 1 in den vergangenen Wochen wieder stark aufgekommen ist.

Spätestens nach Benzemas 2:0 (66.) erübrigten sich alle Diskussionen. Praktisch jedem halbwegs akzeptablen Vorstoss der Gäste folgte sofort ein überaus gefährlicher Gegenschlag der Madrilenen. Die Demontage im Kult-Stadion zeichnete sich regelrecht ab. Das Schaulaufen des Favoriten war von Lyon nicht einmal ansatzweise zu verhindern.

Mourinho genoss den 22. Heimsieg in Serie seit seinem Wechsel in die spanische Metropole im schicken Mantel. Ihm, dem smarten Taktiker, gerissenen Rhetoriker und (im Bedarfsfall) Provokateur im Gentleman-Stil, ist mit Real alles zuzutrauen. Er besitzt das Personal und die Klasse, nach Porto (2004) und Inter (im letzten Frühling) als erster Trainer der Welt eine dritte Mannschaft zum Triumph in der Champions League zu führen.

Chelsea genügte das Minimum

Die Engländer dominierten zumindest in der ersten Hälfte zwar fast nach Belieben, den ersten Akzent setzten gleichwohl die Dänen. In der 26. Minute setzte Dame N'Doye einen Freistoss an den Pfosten. Mehr liessen die Blues nicht zu. Ihnen genügte aber das Minimum bereits, die brillante europäische Saison des FC Kopenhagen zu beenden. Nach der 0:2-Heimniederlage fehlte den Nordländern die Qualität, die wuchtigen, aber glücklosen Londoner Multi-Millionäre - notabene zum achten Mal in Folge in den Top 16 vertreten - in Bedrängnis zu bringen.

Real Madrid - Lyon 3:0 (1:0)
Estadio Santiago Bernabéu. - 74'000 Zuschauer. - SR Skomina (Sln).
Tore: 37. Marcelo 1:0. 66. Benzema 2:0. 76. Di Maria 3:0.
Real Madrid: Casillas; Sergio Ramos, Pepe, Carvalho, Marcelo; Xabi Alonso, Khedira; Di Maria (79. Granero), Özil, Cristiano Ronaldo (74. Adebayor); Benzema (84. Diarra).
Lyon: Lloris; Réveillère, Cris, Lovren, Cissokho; Toulalan, Källström; Briand (46. Gomis), Gourcuff (69. Pied), Delgado (80. Pjanic); Lisandro.
Bemerkungen: Lyon ohne Bastos (gesperrt). Verwarnungen: 9. Pepe, 30. Carvalho, 38. Gourcuff, 54. Cissokho (alle Foul).

Chelsea - FC Kopenhagen 0:0
Stamford Bridge. - 36'454 Zuschauer. - SR. - Oddvar Moen (No).
Chelsea: Cech; Bosingwa, Ivanovic, Terry, Ashley Cole; Ramires, Mikel (84. Essien), Schirkow (75. Malouda); Anelka (68. Torres), Drogba.
Bemerkung: Chelsea ohne Benayoun (rekonvaleszent), Alex (Trainingsrekord). 26. Freistoss von N'Doye (Kopenhagen) an den Pfosten.

(sda)