Real Madrid

11. Juli 2018 12:09; Akt: 11.07.2018 12:53 Print

CR7 sorgt für spannendste Baustelle im Fussball

von Fabian Sangines - Superstar weg, Trainer weg: Nach dem Champions-League-Triple muss bei Real Madrid ein Umbruch her.

Cristiano Ronaldo wechselt zu Juventus Turin. Video: Tamedia/Reuters Newsflash
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So richtig soll es ihm keiner bei Real Madrid abgenommen haben. Glaubt man zumindest den Medienberichten aus Spanien, sollen die Mitspieler von Cristiano Ronaldo bis zuletzt davon überzeugt gewesen sein, dass der Portugiese nur den Beleidigten mimt, und am Schluss doch bei den Könglichen bleibt – schliesslich habe er schon vor einem Jahr mit einem Abgang kokettiert. Nun, dieses Mal machte er ernst. Denn dieses Mal gab es einen entscheidenden Unterschied.

Titelhattrick kaum mehr zu toppen

Trotz der desaströsen LaLiga-Saison fand die Saison 2017/18 das bestmögliche Ende: Den Gewinn der Champions League. Der dritte in Serie. Der vierte in fünf Jahren. Das bedeutet einerseits, dass dieses Team Geschichte geschrieben hat. Zuvor konnte seit Einführung der Champions League niemand den Titel verteidigen. Real schaffte es zweimal hintereinander. Andererseits bedeutet das aber auch, dass es nahezu unmöglich wird, das Geleistete zu übertreffen. Zumal in der Königsklasse eine gute Portion Glück notwendig war – und die heimische Liga, dem Wettbewerb der Konstanz, war ein Fingerzeig, dass diesem Team nicht nur Rosen zufliegen. Das ganze Jahr über waren sich die Medien in Madrid einig: Ein Umbruch muss her.

Diesen leiteten Trainer Zinédine Zidane und Cristiano Ronaldo mit ihren Abgängen ein. Weitere Kandidaten für den Absprung sind Mittelfeld-Stratege Luka Modric, die Ronaldo-Zuarbeiter Karim Benzema und Marcelo sowie Gareth Bale, der letzte galaktische Kauf von Präsident Florentino Pérez. Insbesondere Benzema dürfte mit Zidane und Ronaldo seine beiden grössten Fürsprecher verloren haben. Wer will, kann seinen Tweet von Anfang Woche als Abschiedsbotschaft verstehen: «Vor neun Jahren durfte ich erstmals dieses Shirt anziehen. Danke an den Präsidenten, an den ganzen Verein und alle Mitspieler und Trainer, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Stolz, dieses Wappen zu verteidigen, und auf ewig dankbar.»

Bei Bale wird nun zumindest spekuliert, dass Ronaldos Wechsel ihm entgegenkommen könnte – und er endlich Starspieler des Teams werden darf. Eine gewagte These, denn die Transferpolitik von Pérez lässt keinen anderen Schluss zu, als dass der Lärm um den Verlust von Weltfussballer Ronaldo übertönt werden muss. Und zwar massiv.

Vier mögliche Nachfolger

Deshalb kommen für den spanischen Blätterwald nur vier Kandidaten infrage: Neymar Jr., Kylian Mbappe, Harry Kane und zur Not halt auch Eden Hazard. Am liebsten soll es natürlich der Brasilianer sein – Gerüchten zufolge soll der Flirt zwischen Verein und Spieler ein Mitgrund gewesen sein, weshalb Ronaldo die Schnauze voll hatte. Aber auch Supertalent Mbappé vereint alle Anforderungen auf die vakant gewordene Stelle: Jung, hungrig, spektakulär und erfolgreich. Noch besser, wenn er mit der WM-Goldmedaille im Estadio Santiago Bernabéu vorgestellt werden würde.

Der einzige, nicht ganz unwesentliche Nachteil an den beiden Wunschkandidaten: Sie spielen bei Paris Saint-Germain. Und die aus Katar geführten und finanzierten Franzosen haben keinerlei Interesse daran, ihre beiden frisch erworbenen Aushängeschilder abzugeben – ausser die Uefa zwingt dazu, aus Financial-Fairplay-technischen Gründen.

Das spricht für Kane

Warum also nicht Kane, den Torjäger vom Dienst? Höchstwahrscheinlich würde er mindestens mit dem Etikett des WM-Torschützenkönigs (wenn nicht gar noch Weltmeister) kommen. Dazu muss einer ja ein paar der Tore schiessen, die Ronaldo nicht mehr für Real schiessen wird. Ausserdem soll er länger auf Pérez' Wunschliste stehen – jetzt muss man auch nicht mehr befürchten, dass er in die Räume geht, die bisher für Ronaldo reserviert waren.


«Kanes Penaltys sind unhaltbar»

England-Goalie Jordan Pickford spricht über die Treffsicherheit seines Starstürmers. Video: Tamedia/AFP


Hazard wäre sportlich wohl eine mindestens so sinnvolle Erwerbung wie das zuvor genannte Trio, spätestens nach dem Halbfinal-Aus würde das gewünschte Getöns um seinen Transfer jedoch ausbleiben. Allerdings soll der Belgier schon seinen Wechselwunsch geäussert haben – insbesondere, weil die nächste Champions League ohne Chelsea stattfinden wird. Vor der WM sagte der 27-Jährige: «Real weiss, was es braucht, um mich zu verpflichten.»

Ähnlich pompös soll endlich die Goalieposition besetzt werden. Bis vor der WM galt David De Gea als aussichtsreichster Kandidat. Seine dürftigen Leistungen und die Paraden von Thibaut Courtois dürften den Belgier in die Favoritenrolle gerückt haben. Als Ersatz wurde für 8,5 Millionen Euro bereits der 19-jährige Ukrainer Andriy Lunin verpflichtet.

Modric, Kroos, Isco: Wer geht?

Ein mindestens ebenso grosses Fragezeichen gibt es um das Herzstück der Mannschaft, das Mittelfeld. Bis auf Casemiro dürfte Stand jetzt keiner eine Garantie abgeben, dass er auch kommende Saison noch ganz in Weiss auftritt. Besonders Modric und Toni Kroos gelten als Kandidaten, die sich eine neue Herausforderung suchen könnten. Iscos Abgang galt schon fast als sicher, mit der Verpflichtung seines Förderers Julen Lopetegui als Trainer wäre ein Transfer aber doch eine mittelgrosse Überraschung. Für alle Fälle soll aber bereits Ersatz für einen der drei Edeltechniker bereitstehen: Medienberichten zufolge ist Real gewillt, für den serbischen Shootingstar Sergej Milinkovic-Savic (23, aktuell bei Lazio) 80 Millionen Euro hinzublättern.

Abseits des Scheinwerferlichts arbeitet der spanische Rekordmeister zudem weiter an der Verjüngung seines Kaders. Am Freitag wird Vinicius Jr. in Madrid eintreffen. Der Brasilianer feiert dann seinen 18. Geburtstag und darf offiziell zu dem Verein, der vor einem Jahr 60 Millionen Euro für ihn hinblätterte. Der Linksaussen gilt als riesiges Talent, ist zuletzt bei Flamengo Rio de Janeiro aber auch durch seine Allüren aufgefallen – obwohl er bis April noch nicht einmal Stammspieler war. Zudem kehrt der 23-jährige Raul de Tomàs zurück. Der Stürmer aus Reals Talentschmiede erzielte in der vergangenen Saison für Rayo Vallecano in der zweiten Liga 24 Tore in 32 Spielen. Ebenfalls fix ist der Kauf von Nationalspieler Alvaro Odriozola: Den 22-jährigen Rechtsverteidiger liess sich Real 30 Millionen Euro kosten.


Odrizolas Traumtor

Der junge Spanier trifft zum 1:0 gegen die Schweiz. Video: Tamedia/SRF


Sie könnten die Superstars der Zukunft werden. Ebenso wie Rodrygo, für den Real 45 Millionen Euro bezahlte und (analog der Strategie mit Vinicius) in einem Jahr, also nach seinem 18. Geburtstag, in Valdebebas eintreffen wird. Das ist in Madrid derzeit allerdings sekundär. Wichtig ist das neue Projekt, das einen neuen Anführer braucht. Und der soll alles überstrahlen, mindestens so, wie es 2009 Cristiano Ronaldo machte: Bei seiner Präsentation kamen 80'000 Zuschauer ins Estadio Santiago Bernabéu.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noch am 11.07.2018 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weder

    Neymar wird dieses jahr sicher nicht nach madrid wechseln. Weil die scheichs dies nicht zulassen werden! Kane hat soeben seinen vertrag verlängert! Mbappe gehört erst ab sommer erst psg, hier gilt das gleiche wie bei neymar. Und hazard? Sollte chelsea ihn abgeben, geben sie ihren besten spieler ab! Sowas hat chelsea nicht nötig..

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  • Timo M am 11.07.2018 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hazard

    Wer die WM-Spiele verfolgt hat, der hat gesehen wie unterschätzt Hazard wird... Von den vier genannten wird das Preis-/Leistungsverhältnis bei ihm definitiv am besten sein. Es war eine Augenweide ihm zu zuschauen.

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  • Chrigu Rönu am 11.07.2018 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Real einmal hin alles drin

    Ich sehe Hazard in der Favoritenrolle. Ausserdem könnte für Benzema Icardi kommen. Ob Ronaldo an die Leistungen bei Real anknüpfen kann, bleibt fraglich. Dennoch ist es ein herber Verlust, dass Ronaldo geht. Irgendwann musste der Tag kommen. Vielleicht ist dieser Umbruch genau richtig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcelo Hubinho am 11.07.2018 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Es kann nur Neymar sein

    Es kann nur Neymar sein weil Real ja einen Galaktischen sucht. Also nicht nur ein Topspieler, sondern auch sehr viel Glamour.

    • Linda die Echte am 13.07.2018 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marcelo Hubinho

      Die wollen aber Fussballspiel. Und nicht dauernd das Gejammer vom Ney hören und spielverzögerungen in Kauf nehmen. Das ist nicht der Stiel der Real

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  • treffendvormuliert am 11.07.2018 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keiner ist unersetzbar

    kein spieler trifft ehwig vom 11.....die zeit kommt wo jeder mal nicht triff und verschiesst

  • Timo M am 11.07.2018 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hazard

    Wer die WM-Spiele verfolgt hat, der hat gesehen wie unterschätzt Hazard wird... Von den vier genannten wird das Preis-/Leistungsverhältnis bei ihm definitiv am besten sein. Es war eine Augenweide ihm zu zuschauen.

    • TugasPro94 am 11.07.2018 19:10 Report Diesen Beitrag melden

      entschuldigung

      sprechen sie tatsöchlich von eden hazard? der der zufälligerweise einen ballverlust nach dem anderen hatte im gestrigen match? ne sorry kann dem nicht zustimmen..

    • S.N am 11.07.2018 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Timo M

      Bin ich genau gleicher Meinung, Hazard ist top;)

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  • easy am 11.07.2018 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abstieg

    Nach dem 3. Rang in La Liga könnte es möglich sein das Real Madrid nächstes Jahr ohne Ronaldo Tore und neuem Trainer sogar absteigt. Ich Lach mich Schlapp:-))

    • TugasPro94 am 11.07.2018 19:11 Report Diesen Beitrag melden

      joa11

      absteigen nun auch wieder nicht aber meister werden sie zu 100000% nicht. es soll noch modric gehen sowie Keylor Navas dann würde real in der 2. liga spielen :)

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  • Swissman73 am 11.07.2018 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin immer noch kein Real Fan

    Vor einigen Wochen habe ich fast 100 Daumen nach unten gekriegt, als ich schrieb, was will Ronaldo noch bei Real... Real wird diese Saison auch keinen der gehandelten 4 Spieler bekommen. Die Spanier stehen vor der Saison des Umbruches. Warum sonst haben sie Lopetegui als Trainer verpflichtet? Das war der Toptransfer für die Madrilenen. In "La Fabrica" hat es genug Talente denen man in einer Umbruchsaison Chancen geben kann. Den perfekten Trainer dafür haben sie. Nach 3 CL Titeln kann man es auch mal etwas ruhiger angehen, sie werden immer noch gut sein, einfach weniger Tore erzielen.