Der nächste Retortenklub

03. Juni 2009 15:23; Akt: 03.06.2009 20:12 Print

Red Bull will mit Leipzig die Bundesliga erobern

von Philipp Reich - Nach dem Abstieg von Energie Cottbus spielt zum zweiten Mal seit dem Mauerfall kein Ostklub mehr in der 1. Bundesliga. Nun will der österreichische Getränkehersteller in Leipzig die (ost)deutsche Fussballszene aufmischen.

storybild

Das Leipziger Zentralstadion soll die Heimat des neuen Red-Bull-Retortenklubs «RB Leipzig» werden. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein neues Projekt des Getränke-Riesen Red Bull sorgt im deutschen Fussball momentan für Aufsehen. Der Österreicher Didi Mateschitz, Gründer des flügelverleihenden, rotblauen Konzerns, will mit dem Leipziger Fünftligisten SSV Markänstädt in die deutsche Bundesliga stürmen. Innerhalb von zehn Jahren soll der Verein im derzeit leer stehenden, für die WM 2006 neugebauten Leipziger Zentralstadion in der obersten deutschen Spielklasse spielen.

«RB» wie Rasenball

In der kommenden Woche soll der Vertrag zwischen dem Getränkeriesen und dem Fussballzwerg unter Dach und Fach gebracht werden. Der Retortenklub wird dann in gewohnter Red-Bull-Manier in «RB Leipzig» umbenannt. Offiziell steht «RB» für Rasenball, aber nur offiziell. Auch das Zentralstadion würde neu Red-Bull-Arena heissen.

Für das Riesenprojekt will Mateschitz weit über 100 Millionen Euro locker machen. Und da sich die Vereine jenseits der vierten Liga nicht mit Lizenzverfahren des DFB herumärgern müssen, könnte das Engagement von Red Bull sogar die Abhängigkeit des VfL Wolfsburg von VW und der TSG Hoffenheim von SAP-Gründer Dietmar Hopp in den Schatten stellen.

Projekt nicht gänzlich neu

Bereits vor zwei Jahren wollte Red Bull im ostdeutschen Fussball einsteigen. Damals war der FC Sachsen das Ziel der Übernahmebestrebungen. Doch nach massiven Fan-Protesten verhinderte der Deutsche Fussball-Bund die Aktion. Auch beim Kauf von Austria Salzburg und der Umbennenung in Red Bull Salzburg gab es Proteste aus Fankreisen.

Die Salzburger Fans konnten die Namensänderung und den Wechsel der Trikotfarbe aber nicht verhindern und riefen konsterniert den Sportverein Austria Salzburg, der momentan in der vierthöchsten Spielklasse Österreichs spielt, als Nachfolger ins Leben. Sportlich hat der Einstieg von Red Bull bei Austria Salzburg dank grosser Investitionen Früchte getragen. Die Rot-Weissen sind soeben zum zweiten Mal österreichischer Meister geworden. Von Vorgänger Austria spricht längst niemand mehr.

Ostdeutscher Fussball in der Krise

In Leipzig scheint man sich nun auf die Red-Bull-Millionen zu freuen. Kritische Stimmen sind kaum zu hören. Kein Wunder: Der ostdeutsche Fussball steckt in einer grossen Krise. Nach dem Abstieg von Energie Cottbus in die Zweitklassigkeit gibt es erst zum zweiten Mal seit dem Mauerfall und der Intergration in die Bundesliga keinen ostdeutschen Klub mehr in der höchsten deutschen Fussballliga.

Die grossen DDR-Klubs, die früher sogar im Europacup vorne mitmischen konnten, sind in der Drittklassigkeit verschwunden. Nur Hansa Rostock, Dynamo Dresden und der VfB Leipzig konnten sich einige Jahre in der Bundesliga halten. Klar, dass die Aussicht auf einen Spitzenklub da wieder Hoffnungen weckt - selbst wenn ein von Red Bull finanzierter Retortenklub dafür verantwortlich ist.