Hochrisikospiel

12. Februar 2011 13:40; Akt: 12.02.2011 13:40 Print

Rote Köpfe wegen «Raubtierkäfig»

von Felix Burch - Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) nannte einen Sicherheitskorridor für Gästefans «Raubtierkäfig». Seither ist der Teufel los. Die Chronologie einer Polit- und Fussball-Posse.

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Reto Nause (rechts) verärgerte mit seiner Raubtierkäfig-Aussage die FCZ-Fans. (Bild: Keystone)

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Dies ist die Geschichte eines Nebensatzes, der ungewollt hohe Wellen wirft. Hauptakteur ist der Berner Sicherheitsdirektor und CVP-Mann Reto Nause, der am Mittwoch in der «Berner Zeitung» eine unglückliche Aussage macht. Nause bezeichnet im Vorfeld des Hochrisikospiels Young Boys - FC Zürich vom kommenden Sonntag in Bern einen mobilen Zaun, der von der S-Bahn-Station Wankdorf bis zur Fussball-Arena führt, als «Raubtierkäfig». Durch diesen sollen die FCZ-Fans geschleust werden, um das Sicherheitsproblem rund um das Stade de Suisse zu lösen; ein Aufeinanderprallen der Fans soll verhindert werden. Dank dem Zaun sollen weniger Polizisten im Einsatz stehen.

In Tat und Wahrheit gab es den Zaun schon in der Vergangenheit, er wird am Sonntag aber das erste Mal 150 Meter länger sein und eine Lücke schliessen. Dies allerdings interessiert jetzt fast niemanden mehr, alle sprechen seit Tagen nur noch über den «Raubtierkäfig». Für die Fans ist der Ausdruck herablassend und typisch dafür, was Politiker von Fussball-Anhängern halten. Empörte FCZler rufen nach der Nause-Aussage in ihren Foren dazu auf, nicht im Extrazug, sondern in den regulären Zügen anzureisen. Mit dem Boykott wolle man auf die zunehmende Schikanierung der Fans aufmerksam machen. Das schafft ein neues Problem. Die regulären Züge halten nicht an der S-Bahn-Station Wankdorf (vor dem «Raubtierkäfig»), sie stoppen im Hauptbahnhof. Dadurch wären die Gästefans noch schwieriger zu kontrollieren.

Droht nun das Chaos?

Der Schaden ist also angerichtet. Die bereits explosive Stimmung wurde durch das Nause-Wort zusätzlich aufgeheizt, es droht das Chaos. Die Fussballklubs reagieren postwendend. Aufgeschreckte YB-Verantwortliche distanzieren sich in einer Medienmitteilung «vehement» von Nauses Aussage. Unter dem Titel «Kein Raubtierkäfig, sondern die Verlängerung des bestehenden Zauns» schreibt der Klub, es könne keine Rede davon sein, dass die Gäste in Bern wie Raubtiere empfangen würden. Und weiter: «YB und das Stade de Suisse bedauern, dass mit den Aussagen des Sicherheitsdirektors die Diskussion in eine falsche Richtung gelenkt worden ist.» Das Schreiben veröffentlicht auch der FCZ auf seiner Homepage. Die Zürcher versuchen, ihre etwa 1500 Fans, die für das Bern-Spiel erwartet werden, zu überreden, doch im Extrazug anzureisen. Dieser soll nun früher als geplant abfahren, damit die Fans pünktlich zum Anpfiff im Stadion sind und bei Spielanpfiff nicht beim Sicherheitscheck stecken bleiben.

Nause windet sich

Während beide Seiten versuchen, die Wogen zu glätten, verhält sich Nause weiter sonderbar. Er redet von einem Missverstädnis. Durch seine Wortwahl sei offenbar ein falsches Bild entstanden, so Nause in der «BZ». Ein klares Dementi oder eine Entschuldigung gibt es aber weiter nicht. Offenbar will er den Ball flach halten, gegenüber 20 Minuten Online wollte Nause keine Stellung nehmen.

Am Freitag haben sich die YB-Fans zu Wort gemeldet. Die Fanclub-Verbände «gäubschwarzsüchtig» und «Ostkurve Bern» beschweren sich in einer Mitteilung über Sicherheitsdirektor Nause. Sein Raubtierkäfig-Statement sei eine Entgleisung sondergleichen gegenüber allen Schweizer Fussballfans, schreiben sie. Sie fordern von Reto Nause eine «unmissverständliche Entschuldigung» auf seine «diskreditierende Äusserung». Wie die «BZ» schreibt, solidarisieren sich die Gelb-Schwarzen zudem mit den FCZ-Fans. Sie könnten nach den Äusserungen Nauses nachvollziehen, dass diese den offiziellen Fanzug boykottieren wollen.

Sonntag ist der Tag der Entscheidung

Trotzdem gibt es von Nause keine Entschuldigung. Er übernehme die Verantwortung für seine Äusserungen und werde ein dickes Sorry ins YB-Forum posten. Allerdings nur, wenns rund um die Partie zwischen YB und dem FC Zürich keine Ausschreitungen gebe. Das ist zu hoffen. Sonst könnte Nauses «Raubtierkäfig» für ihn plötzlich gar zu einem politischen Stolperstein werden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Bischofberger am 12.02.2011 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Raubtiere ? ! ?

    Na dann wollen wir mal sehen, ob die Zürcher "Nicht-Raubtiere" sich zu benehmen wissen. Ich hoffe es für den Fussball und den Sport allgemein.

  • ristretto am 12.02.2011 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    zimperlich ?

    Aha, die Chaoten sind auch noch zimperlich..

  • Daniel am 12.02.2011 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Nause muss weg

    Es ist halt einfacher Wahlkampagnen wie "Duschen mit Doris" zu führen. Da kann man eine grosse Klappe führen. Was sicher Herr Nause an Entgleisungen leistet (Aarbergergasse, Raubtierkäfig) ist gewaltig. Einmal ist genug. Bei den nächsten Wahlen (2012) ist Herr Nause weg.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kein Fussball Bitte am 10.04.2011 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    "friedliche" Fans = keine Verantwortung

    Es ist wirklich lässtig was sich diese Idiotischen Fussballfans alles erlauben und wir Steuerzahler müssen dafür aufkommen. Warum nicht diese unnötigen Kosten den verantwortlichen anlasten? Und all die "friedlichen" Fans die nun so doof tun warum tolleriert und deckt ihr die Kravallmacher statt selbst denen entgegenzu tretten?!

  • murchadh am 13.02.2011 01:00 Report Diesen Beitrag melden

    gleiches recht für alle

    wenn wegen ein paar chaoten im fussball alle fans in einen topf geworfen werden und mit den repressionen leben müssen, auf gutheissen der leute die nicht fan sind, verlange ich als nicht-autofahrer, das alle autos auf 30 kmh gedrosselt werden um das raserproblem zu lösen. mal schauen wie das ankommt. die fans werden behandelt wie schwerverbrecher wegen paar wenigen. ist den jeder autofahrer auch ein raser? jeder waffenbesitzer ein mörder? freiheit für die fans!!! hopp F C Z...

    • Sandra am 13.02.2011 14:01 Report Diesen Beitrag melden

      bei Urheberrechtsabgabe dasselbe

      Die Urheberrechtsabgabe wird erhoben mit der Begründung, dass man mit Brenner,Drucker,etc. einen Urheberrechtsverstoß begehen könnte. Meine Überlegung geht dahin, dass man dann ja auch sagen könnte,dass jeder Bürger in diesen Land im laufe seines Lebens so 1-2 Jahre inhaftiert wird,weil er eine Straftat begehen könnte. Unterm Strich würde dann für die meisten Menschen zur Diskussion stehen,wenn ich schon für einen Straftatbestand bezahlen muss,den ich eigentlich nicht begehen würde,dann kann ich diesen ja begehen,weil meine Strafe habe ich ja schon vor der Straftat bekommen.

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  • YB-Fan am 12.02.2011 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    jedem das seine=)

    Tiere müssen wie Tiere behandelt werden! Also Zürcher: Ab in den Raubtierkäfig!;)

  • Nella Müller am 12.02.2011 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Fragezeichen

    Fühlen sich die Fans ertappt/betroffen? Warum denn? Herr Nause sprach doch vom "RaubtierKÄFIG", nicht von Raubtieren. Es ist ja nicht immer drin, was draufsteht... Die Fans werden doch sicher in der Lage sein, gutes Benehmen zu zeigen, oder?

    • Zürich am 13.02.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      Loveparade?!

      eingesperrt wie damals bei der loveparade... toll!

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  • Fussball Fan am 12.02.2011 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung, aber fleissig nörgeln

    Wie sie alle wieder aus Ihren Löchern kriechen um Fussballfans an den Pranger zu stellen. Seit Jahren gab es zwischen YB und FCZ Fans keine Probleme mehr. Das ganze wird von der Polizei und den Medien einfach immer wieder hochgeschauckelt mit falsch Aussagen. Jeder der hier wieder gross sein Mund aufreist war wohl noch nie oder 1x im Jahr an einem Fussball spiel, die zu fast 100% immer friedlich ablaufen! schämt Euch!