Comeback unter Gullit

25. Februar 2011 12:43; Akt: 25.02.2011 12:50 Print

Russische Millionen-Offerte für Ronaldo

Der russische Erstligist Terek Grosny will das brasilianische Fussball-Idol Ronaldo mit einer Offerte über rund 6,5 Millionen Franken ködern.

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Ronaldo Luis Nazario de Lima: Der Brasilianer war einst der beste Stürmer der Welt. Seine Karriere in Europa begann Ronaldo 1994 beim PSV Eindhoven, wechselte nach zwei Saisons zum FC Barcelona. Schnell, wendig und trickreich: Die Verteidiger mussten dem Brasilianer oft beim Jubeln zuschauen. Seine beste Zeit hatte Ronaldo wohl bei Inter Mailand (1997 - 2002). In 68 Spielen erzielte er 49 Tore: Aus Ronaldo wurde «Il Fenomeno». Damals war der Ausnahmestürmer auch noch rank und schlank. Bei der WM 1998 war Ronaldo der grosse Hoffnungsträger der «Seleçao». Vier Tore erzielte er, doch im Final zeigte er eine schwache Leistung, nachdem er am Tag des Endspiels unter bis heute nicht völlig geklärten Umständen aufgrund eines Anfalls ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. 1996, 1997, 2002 wurde Ronaldo zum Weltfussballer des Jahres erkoren. 1999 der erste grosse Rückschlag: Ronaldo verletzte sich schwer am rechten Knie. Bei seinem Comeback vier Monate später stand er sechs Minuten auf dem Platz, bis die Bänder erneut rissen. Ronaldo, immer ein Liebling der Fans, kämpfte sich aber zurück. Nach 17 Monaten Rehabilitation gab er rechtzeitig zur WM 2002 auf den Platz zurück. In Japan und Südkorea schoss Ronaldo Brasilien mit acht Treffern in sieben Spielen zum WM-Titel. Im Final gegen Deutschland war er für beide Tore zuständig. Legende Pelé war begeistert. Nach der WM 2002 folgte der Wechsel zu Real Madrid. Mit dem weissen Ballett wollte er Europa erneut erobern, konnte aber nur zu Beginn überzeugen. Privat glich Ronaldos Leben einer Berg- und Talfahrt. Vier Kinder hat er mit drei Frauen gezeugt. Ronaldo trifft auf eine weitere lebende Legende: Handshake mit Roger Federer. Bei der WM 2006 in Deutschland enttäuschte Ronaldo mit Brasilien: Aus im Viertelfinal. Trotz Kritik an seinem Fitnesszustand schoss er drei Tore und wurde mit 15 Treffern der beste WM-Torschütze aller Zeiten. Die letzte Station in Europa war die AC Milan, wo er in zwei Saisons zwischen 2007 und 2008 allerdings nur auf 20 Einsätze kam. Der verletzungsanfällige Stürmer musste immer wieder pausieren. Für Schlagzeilen sorgte Ronaldo neben dem Platz: Im April 2008 soll er sich in Rio mit Transvestiten-Prostituierten eingelassen haben. Der Superstar gestand seine Verfehlungen und trat reumütig vor die TV-Kameras. Die AC Mailand verlängerte daraufhin Ronaldos laufenden Vertrag nicht mehr, so dass er am 1. Juli 2008 vereinslos wurde. Trotz seiner ständigen Gewichtsprobleme fand er 2009 Unterschlupf bei den Corinthians São Paulo. Immer wieder liess Ronaldo sein Können aufblitzen, doch im Februar 2011 musste der Brasilianer einsehen, dass es keinen Sinn mehr hat. Er beendete in der Folge seine aktive Fussball-Karriere. Einen letzten grossen Auftritt gab es dann aber doch noch: Im Testspiel gegen Rumänien kam er am 7. Juni 2011 zu einem Abschied auf der grossen Bühne. Ronaldos letzten 15 Minuten mit der «Seleçao» verkamen zu einer grossen Feier. Zu einem Tor reichte es dem zweitbesten brasilianischen Torschützen nach Pelé (67 Treffer in 104 Länderspielen) aber nicht mehr.

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Ronaldos Millionen-Vertrag soll über anderthalb Jahre laufen. Wie die Tageszeitung «Tvoi Den» berichtete, sind erste Verhandlungen mit dem von Ruud Gullit trainierten Verein für den 8. März geplant. An diesem Termin wird die brasilianische Weltmeister-Mannschaft von 2002 zu einem Freundschaftsspiel in Grosny erwartet.

Der dreifache Weltfussballer des Jahres (1996, 1997, 2002), der erst in der vergangenen Woche unter Tränen sein Karriereende verkündet hatte, war vor acht Tagen in das lokale WM-Organisationskomitee der Stadt São Paulo berufen worden. Dort soll der WM-Rekordtorschütze (15 Treffer) auf der Suche nach Sponsoren und Geldgebern helfen.

In der abgelaufenen Saison belegte Terek den 12. Platz. Der Klub aus der Hauptstadt der Kaukasus-Republik Tschetschenien hatte erst kürzlich mit der Verpflichtung von Trainer Ruud Gullit für Aufsehen gesorgt. Der Holländer soll den Verein in naher Zukunft in den Europacup führen.

(pre/sda)