Champions League

05. April 2011 15:29; Akt: 05.04.2011 23:38 Print

Schalke demütigt Inter - Real siegt locker

Inter Mailand unterliegt Aussenseiter Schalke 04 zu Hause gleich mit 2:5 und steht vor dem Aus in der Champions League. Real kommt zu einem ungefährdeten 4:0 über die Tottenham Hotspurs.

Nach 25 Sekunden trifft Stankovic zum 1:0 für Inter. (Quelle Youtube.com)
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Inter hat einen weiteren schwarzen Abend hinter sich. Die beste europäische Klub-Equipe der letzten Saison liess sich nach dem desaströsen 0:3 gegen Milan nun auch von Schalke demaskieren. Das Debakel nahm nach dem zweiten Tor von Edu eine Viertelstunde vor Schluss Ausmasse an, die kaum ohne Konsequenzen bleiben werden. Die Kreditwürdigkeit von Coach Leonardo ist auf den Tiefpunkt abgesackt.

Tausende erzürnter Tifosi verliessen das Stadion schon beim Stand von 2:4 fluchtartig. Sie mochten nicht mehr mitansehen, wie sich ihre vor elf Monaten noch europaweit gefeierte Squadra widerstandslos einer auf dieser Stufe fast beispiellosen Demütigung hingab. Nie zuvor war ein italienischer Vertreter im Cup der Meister von einer deutschen Equipe derart vorgeführt worden.

Schalke wähnte sich vor dem Anpfiff selber in der «krassen Aussenseiterrolle» (Zitat Ralf Rangnick). Der Nachfolger von Felix Magath schob die Last smart Inter zu und coachte seine Mannschaft zum wichtigsten Erfolg seit dem UEFA-Cup-Sieg 1997 auf gleichem Schauplatz. Der erstmalige Vorstoss unter die letzten vier der CL ist den «Knappen» unter normalen Umständen nicht mehr zu nehmen.

Einbruch nach Traumstart

Im missratenen Stadt-Derby hatte sich Inter am vergangenen Samstag einen katastrophalen Fehlstart geleistet. Das Duell mit Schalke verlief in der Startminute zunächst diametral anders. Dejan Stankovic traf volley von der Mittellinie aus zum 1:0. Der Treffer war so traumhaft wie kurios: Schalkes Keeper Manuel Neuer vermied zunächst mit einem Kopfball ausserhalb des Strafraums eine gefährliche 1:1-Situation, ehe Stankovic den Ball aus rund 50 m ins leere Tor zirkelte.

Vom frühen Tiefschlag erholte sich der wegen zahlreicher Ausfälle umformierte Bundesligist - nach Mario Gavranovic und Peer Kluge musste am Spieltag auch Verteidiger Christoph Metzelder wegen seines Nasenbeinbruchs Forfait erklären - allerdings verblüffend gut. Nach einem Corner reagierte der 19-Jährige Matip schneller als die gesamte Inter-Defensive.

Zur allgemeinen Beruhigung trug das ebenfalls frühe 1:1 indes wenig bei. Im Gegenteil: Von taktischer Zurückhaltung hielten die Professionals beidseits weiterhin nichts. Die «Italiener», nur zwei der Startformation wären auch für die «Squadra Azzurra» spielberechtigt, hatten gar nur die Offensive im Sinn - erstaunlicherweise ohne jegliche Absicherung notabene.

Schalke schaffte die Wende

Mit ihrer forschen, ja geradezu fahrlässig einseitigen Ausrichtung erzwangen die Gastgeber temporär zwar eine 2:1-Führung (Rückkehrer Milito traf/34.), manövrierten sich aber mit ihrem unkonventionellen Stil aber rasch einmal in eine höchst prekäre, zu 99 Prozent nicht mehr zu korrigierende Lage. Schalke fand den gewünschten Raum vor und inszenierte innerhalb von 13 Minuten die wohl spektakulärste Wende der Klubgeschichte.

Raúl (53.) drängte Inter mit seinem 70. Treffer in der europäischen Elite-Liga endgültig vom Halbfinal-Kurs ab. Nach dem 3:2 des Champions-League-Topskorers verlor die Internazionale die Orientierung vollends. Leonardos Konzept, die unberechenbare Nummer 10 der Bundesliga, zu überrennen schlug fehl. Und einen Plan B lag offenbar nicht vor.

Anders ist der totale Zerfall des CL-Titelhalters nicht zu erklären. Der nächste Tiefpunkt zeichnete sich regelrecht ab - Ranocchia, der Einzige ohne langjährige internationale Erfahrung, lenkte einen Querpass Jurados ins eigene Tor ab. Die Panik ergriff das inferiore Inter-Team nun flächendeckend. Innerhalb weniger Minuten bewahrte der Pfosten den italienischen Meister zweimal vor noch mehr Gegentreffern.

Inter hat die gegen Milan erlittene Lektion offenkundig nicht begriffen. Diese Einschätzung belegte keiner mehr als Chivu. Der Rumäne handelte sich innerhalb von wenigen Tagen zwei Platzverweise ein. Im Derby stoppte er sich und sein Team mit einer Notbremse, gegen Schalke leistete er sich innerhalb von neun Minuten zwei gelbe Karten.

Er stand wie kein Zweiter für die Naivität Inters. Angesichts des Inter-Absturzes der letzten Tage ist auch kaum zu glauben, wie sich die Bayern vor wenigen Wochen gegen die Mailänder im eigenen Stadion den 1:0-Vorteil aus dem Hinspiel entreissen lassen konnten.

Komfortables Polster für Real Madrid

Ein frühes Kopftor von Adebayor nach nur vier Minuten sowie die Dummheit des Jahres von Peter Crouch, der nach einer Viertelstunde und zwei harten Foul vom Platz gestellt wurde, ebneten Real Madrid früh den Weg zum klaren Erfolg. Verschafft sich heute auch Barcelona gegen Schachtjor Donezk ein ähnlich dickes Polster, winken den beiden spanischen Top-Teams zwei weitere Duelle auf allerhöchster Ebene.

Real-Coach José Mourinho, der am Samstag nach seiner ersten Heimniederlage seit neun Jahren den spanischen Meistertitel abschreiben musste, ging gestern das Risiko ein, seinen angeschlagenen Superstar Ronaldo von Beginn weg spielen zu lassen. Und dies, obwohl er nach langer Verletzungszeit wieder auf den argentinischen Stürmer Gonzalo Higuain zählen konnte. Mourinho beliess Higuain jedoch vorerst auf der Bank und setzte stattdessen auf Adebayor als Sturmpartner Ronaldos. Der grossgewachsene Togolese benötigte dann lediglich vier Minuten, um sich erstmals für das Vertrauen seines Coaches zu bedanken. Nach einem Corner von Mesut Özil war Adebayor mit dem Kopf zur Stelle und traf durch die Beine von Luka Modric ins Netz. Auch der zweite Treffer der Leihgabe von Manchester City entstand in der 57. Minute aus einem Corner: Ronaldo spielte kurz zu Marcelo, Adebayor nickte dessen Flankenball aus sechs Metern unbedrängt ein.

Lange, sehr lange Zeit benötigte Real Madrid danach, um weiteren Vorteil aus seiner numerischen Überzahl ziehen zu können. Erst nach einer Spielstunde gerieten die Briten endgültig unter Dauerbeschuss der Königlichen, die nun doch die Entscheidung bereits im Hinspiel anzustreben schienen. Sami Khedira (59.) und erneut Adebayor (66.) mit einem weiteren Kopfball, der von Tottenham-Goalie Heurelho Gomes im letzten Moment noch über die Latte gelenkt werden konnte, verpassten jedoch vorerst das 3:0 nur knapp. In der 72. Minute aber zog Di Maria von der Strafraumecke ab und traf herrlich in die weitere hohe Torecke und drei Minuten vor Schluss war die Reihe auch noch an Ronaldo, der mittels Direktabnahme seinen fünften Treffer im laufenden Wettbewerb erzielte.

Peter Crouch fliegt früh vom Platz

Von Tottenham, das in den letzten drei Pflichtspielen nur 0:0 spielte, war nach dem dümmlichen Platzverweis von Crouch, nichts mehr zu sehen. Der grossgewachsene Stürmer hatte den Londonern mit seiner übertrieben harten Gangart einen Bärendienst erwiesen. Zweimal innerhalb von nur sieben Minuten war er mit gestrecktem Bein in einen Gegenspieler gerauscht, nachdem er schon zuvor mit 24 Fouls der härteste Spieler der laufenden Champions-League-Saison gewesen war. Die beiden gestrigen dürften nun seine letzten in der Königsklasse gewesen sein. Im Rückspiel ist er gesperrt und ob seine Kollegen in einer Woche ein 0:4 noch umbiegen könnten, ist schlicht undenkbar.

Inter Mailand - Schalke 04 2:5 (2:2)
Giuseppe Meazza. - 80'000 Zuschauer. - SR Atkinson (Eng).
Tore: 1. (0:26). Stankovic 1:0. 17. Matip 1:1. 34. Milito 2:1. 40. Edu 2:2. 53. Raúl 2:3. 57. Ranocchia (Eigentor) 2:4. 75. Edu 2:5.
Inter: Julio César; Maicon, Ranocchia, Chivu, Zanetti; Stankovic (24. Kharja, 63. Cordoba), Thiago Motta (76. Nagatomo), Cambiasso; Sneijder; Eto'o, Milito.
Schalke: Neuer; Uchida, Matip, Höwedes, Sarpei; Farfan, Papadopoulos, Jurado (83. Draxler), Baumjohann (76. Schmitz); Raúl (87. Karimi), Edu.
Bemerkungen: Inter ohne Lucio (gesperrt), Samuel (verletzt), Pazzini (nicht spielberechtigt), Schalke u.a. ohne Metzelder, Gavranovic, Kluge, Huntelaar (alle verletzt), Annan (nicht spielberechtigt). 65. Pfostenschuss von Jurado. 75. Pfostenschuss von Farfan. 62. Gelb-Rot gegen Chivu (Foul). Verwarnungen: 13. Stankovic (Foul), 45. Farfan (Foul, im Rückspiel gesperrt), 53. Chivu (Foul, gesperrt im Rückspiel), 57. Papadopoulos, 85. Raúl (beide Foul).

Real Madrid - Tottenham Hotspur 4:0 (1:0)
Santiago Bernabéu. - 70 000 Zuschauer. - SR Brych (De).
Tore: 4. Adebayor 1:0. 57. Adebayor 2:0. 72. Di Maria 3:0. 87. Cristiano Ronaldo 4:0.
Real Madrid: Casillas; Sergio Ramos, Pepe, Carvalho, Marcelo; Di Maria (77. Kaká), Xabi Alonso, Özil, Khedira (61. Diarra); Adebayor (75. Higuain), Cristiano Ronaldo.
Tottenham Hotspur: Gomes; Corluka (80. Bassong), Gallas, Dawson, Assou-Ekotto; Jenas, Sandro, Modric, Bale; van der Vaart (46. Defoe); Crouch.
Bemerkungen: Madrid ohne Benzema und Gago (beide verletzt). Tottenham ohne Hutton, Kaboul, King, Palacios, Pienaar und Woodgate (alle verletzt oder rekonvaleszent) und Lennon (krank). Platzverweis: 15. Crouch (Gelb-Rot). Verwarnungen: 8. Crouch (Foul), 12. Adebayor (Foul), 20. van der Vaart (Foul), 36. Pepe (Foul, im Rückspiel gesperrt), 74. Defoe (Foul).

(sda)