Hire & fire im Fussball

01. Mai 2012 11:00; Akt: 01.05.2012 11:05 Print

Schweizer Trainer fliegen am schnellsten

von Monika Reinhard - Verglichen mit den fünf grossen europäischen Ligen ist die Super League spitze - in Sachen Trainerverschleiss. Neun Wechsel gabs diese Saison - und für einmal ist CC fast unschuldig.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Zwei Spieltage dauert es, bis in der Super-League-Saison 2011/12 der erste Trainer seinen Sessel räumen muss: Xamax entlässt am 24. Juli 2011 François Ciccolini. Nicht viel besser ergeht es dessen Nachfolger Joaqin Caparros. Der Spanier wird bereits fünf Runden später durch Victor Munoz ersetzt. Im Januar ist dann konkursbedingt Lichterlöschen bei den Neuenburgern. Doch ruhiger wird es auf dem Schweizer Trainermarkt deshalb nicht. Basels Thorsten Fink, GCs Ciriaco Sforza und Sions Laurent Roussy verlassen im Laufe der Saison die Vereine aus verschiedenen Beweggründen freiwillig. Servettes João Alves und dessen Nachfolger João Carlos Pereira, Zürichs Urs Fischer und YBs Christian Gross werden gegangen.

Summa summarum neun Trainerwechsel in der laufenden Saison - bei zehn Teams. Errechnet man damit eine Trainerverschleiss-Quote, um einen europäischen Vergleich ziehen zu können, so lautet diese für die Axpo Super League 0,9 (Anzahl Trainerwechsel durch Anzahl Teams). Werfen wir einen Blick auf die fünf grossen europäischen Ligen, so stellt sich heraus: In dieser Angelegenheit ist die Schweiz spitze! Nur gerade die italienische Serie A kann mit einer Quote von 0,85 (17 Trainerwechsel bei 20 Teams) knapp mit den Eidgenossen mithalten. Es folgen Bundesliga und Primera Divison mit einem Wert von 0,5 (9/18 bzw. 10/20) sowie die Ligue 1 mit 0,3 (6/20). Am sichersten waren die Trainerjobs in der laufenden Saison in England. Gerade mal vier Coaches wurden innerhalb von 20 Teams gefeuert. Das entspricht einer Quote von 0,2 - also gut viermal weniger Trainerwechsel als in der Schweiz.

Auch im vergangenen Jahrzehnt top

Blickt man auf die Zahlen der letzten zehn Jahre, so ist die Schweiz sogar hier der Spitzenreiter. Anders als in der laufenden Saison hat sie es in der Vergangenheit zu einem grossen Teil Sion-Boss Christian Constantin zu verdanken. Verbrauchte er in der letzten Dekade ganze 23 Trainer, so schien es bis vor Kurzem, als ob die Sittener für einmal mehr als eine ganze Saison mit ein und demselben Coach durchspielen würden. Laurent Roussey war gar der dienstälteste Trainer der Super League! Doch am 23. April demissionierte der Franzose überraschend. Nun sind Lausannes Martin Rueda (wir zählen nur seine Zeit in der Super League), Luzerns Murat Yakin und Thuns Bernard Challandes gemeinsam die dienstältesten Coaches der Liga. Sie alle stehen seit Saisonbeginn an der Seitenlinie ihrer Klubs.

Im Jahrzehnt-Vergleich liegt die Super League mit einem Durchschnittswert von 11,7 Trainern pro Verein und Dekade an der Spitze der Rangliste (117 Trainerwechsel bei 10 Klubs). Es folgt die Serie A mit durchschnittlich 11,4 Trainerwechseln pro Verein (228/20). Palermo-Präsident Maurizio Zamparini, das italienische Pendant zu Christian Constantin, hat in den zehn Jahren alleine 21 Trainer entlassen - in seiner 25-jährigen Amtszeit sind es über 40.

Andere Ligen abgeschlagen

Die Bundesliga auf Platz 3 liegt schon deutlich zurück: Jeder Verein verbrauchte hier durchschnittlich 9,1 Trainer in zehn Jahren (165/18). Bei der Primera Division waren es deren 8,6 (172/20). Den 5. Rang belegt die Premier League mit einem Wert von 6,95 (139/20). Am längsten im Amt blieben die Trainer im vergangenen Jahrzehnt in Frankreich: Jeder Ligue-1-Klub wechselte den Coach durchschnittlich 5,95 Mal (119/20).

Die Zahlen des Jahrzehnt-Vergleichs sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Es wurden von jeder Liga die Trainerverschleiss-Werte der aktuell agierenden Klubs aus den letzten zehn Saisons ermittelt (Quelle: transfermarkt.ch) und nicht diejenigen der effektiv spielenden Vereine. Ausserdem wurde jeweils die momentan aktuelle Anzahl Klubs pro Liga als Richtwert verwendet. Allfällige Liga-Aufstockungen oder -Reduktionen haben wir nicht berücksichtigt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Isodor am 01.05.2012 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht normal

    Ja, sobald etwas nicht funktioniert, liegt es am Trainer, ganz sicher, ich glaube eher es liegt an den Wahnvorstellungen der Fans und Vorsitzende der Klubs, Ich wette der nächste Trainer wird YB Bankrott machen, grund Inkompetent.

  • Emil S. am 01.05.2012 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die haben wohl

    die Geheimlizenz...oder schnellere Flugzeuge?

  • geläuterter Fan am 01.05.2012 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Pausenclowns-Liga

    könnte glatt abgeschafft werden. Wenn ich sehe und dabei denke, wie man in der Schweiz den .Tschoutter. kaputt gemacht hat; das gleiche in der Politik auf Landesebene mit Parlament und Regierung passiert, und keiner will was merken ... ! Chapeau

Die neusten Leser-Kommentare

  • joe am 01.05.2012 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "super" league

    dies ist der grund, dass wir die langweiligste liga der welt haben und ein sehr schlechtes fussballniveau. wer sich diese saison ein paar duelle in der super league angeschaut und ohne zweifel merken müssen wie schlecht und langweilig die matches gewesen sind. basel spielt seit langem das gleiche system und hat eine genaue ansicht was auf dem und neben dem feld passieren muss. cc versucht durch geld sein team zu pushen und das yb-kader ist erfolgsgeil ohne bezug zur realität. eine mannschaft muss zusammen durch erfolge wachsen und eine einheit werden. gut ding will also weile haben. kein wunder das mehr schweizer bvb vs. bayern schauen geht als einen langweiligen cup halbfinal. die tabelle unterstreicht dies. aber wieso jammern, in der CH wird sich ehh nichts ändern, es geht immer nur im geld und zeit ist geld. zuerst startrainer holen die wunder verbringen sollen um sie nach 10 monaten mangels geld zu entlassen. schwach.

  • Rafael am 01.05.2012 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    10 Jahres-Wertung

    Ja, ist es denn überhaupt schon 10 Jahre her, seit die Liga von 12 auf 10 Teams reduziert wurde? Davon abgesehen, hinkt der 'Vergleich' halt. In den genannten Ligen sind die Rollen relativ klar verteilt. Hier erheben 5-6 Teams ein Anrecht auf einen Top2 - Platz. Das kann ja nie und nimmer aufgehen.

  • Alves mario am 01.05.2012 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Geduld

    Fall YB wenn ich als Trainer von neun Spielen eines gewinne, mache ich etwas falsch. Eine Mannschaft mit diesem Potential darf zu hause nicht fast alle Matches verlieren. Ich zahle Eintritt und will sehen dass meine Mannschaft gut spielt, vor allem wenn ein Trainer an der Linie steht der in einem Jahr das zehnfache verdient von dem der meisten Fans. Es fehlt nicht die Geduld der Clubfuehrung. Der Trainer war zu lange aus dem Geschaeft.

    • Alex F. am 01.05.2012 15:16 Report Diesen Beitrag melden

      @ Alves Mario

      Ich glaube eher, dass das Problem in der Mannschaft liegt. Wenn 11 Mann, keine Leidenschaft, Leistungsbereitschaft und Wille aufbringen, dann liegt das Problem sicherlich woanders. Es geht darum, ob Spieler, Kritik konstruktiv zu Herzen nehmen, denn nur dadurch wird man besser. Ich hab auch mal in einem FC gespielt. Jede Kritik, die wir bekamen, konnten wir effizient und mit grossem Willen umsetzen. Wir wurden dadurch viel besser. Das 2:2 von GC gegen Luzern, ist nicht wirklich dem Trainer zu verdanken.

    • Alves Mario am 01.05.2012 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      YB fan

      Zum Teil hast du bestimmt Recht es braucht immer auch eine Mannschaft die will. Aber die Mannschaft muss die art zu spielen die der Trainer vorgibt auch verstehen. Ich habe selber vor Jahren in der ersten Liga gespielt und denke dass ich mir eine Meinung erlauben darf. Ich habe nie ein konkretes System erkennen koennen im Spiel von YB. Kein Direktspiel kein Pressing, kein Spielaufbau von hinten heraus, zuviele Fehlpaesse. Und wieviele Spiele haben sie in den letzten Minuten verloren? Dafuer setzte es bei uns jeweils Straftraining ab. Ich bin aus der Ostschweiz, aber seit ich zehn bin YB Fan.

    einklappen einklappen
  • manfred pircher am 01.05.2012 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Warum ist immer der Trainer Schuld ?

    Lasst einmal den Trainer arbeiten und warum mischt sich immer der Vorstand ins Operative ein. Geduld ist eine Gabe, die diese Herren vergessen haben. Jetzt haben sie die Quittung !

  • Markus F. am 01.05.2012 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Eher schlecht...

    Ich bin hin und her gerissen. Einerseits ist es ein absolutes Armutszeugnis für den Schweizer Fussball, andererseits finde ich es sinnvoll, dass zum Beispiel die beiden Zürcher Vereine schon früh die kommende Saison ins Auge gefasst haben inklusive neuem Trainer, da es in dieser Saison ja wirklich nicht mehr um viel geht. So gesehen: die Trainerwechsel in Basel und bei YB waren logisch, FCZ und GC unter den gegebenen Umstäden logisch, und sowas wie in Xamax, Sion und Servette darf einfach nie mehr passieren!

    • Yannick Müller am 01.05.2012 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      GC und Sion

      Naja, Sion und GC trainer sind freiwillig gegangen, da kann der club wenig machen

    einklappen einklappen