Wirklich Erfolgstrainer?

20. November 2019 12:24; Akt: 21.11.2019 07:41 Print

Seine letzte Chance

von Fabian Sangines - José Mourinho provoziert und polarisiert. Nach enttäuschenden Jahren muss er bei Tottenham liefern – sonst gehen ihm die Argumente aus.

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Mit dem FC Porto sorgt José Mourinho für ein erstes Ausrufezeichen im internationalen Fussball. Mit dem damals erst 41-jährigen Trainer gewann der Club überraschend die Champions League. Nach dem Triumph mit Porto im Endspiel in Gelsenkirchen gegen Monaco wechselt Mourinho ins Lager der europäischen Grossclubs und wird von Roman Abramowitsch als Trainer zu Chelsea geholt. Er bleibt bis 2007 bei den Londonern. Zweimal wird er mit ihnen englischer Meister, einmal Cupsieger. Inter Mailand heisst seine nächste Station – und Mario Balotelli seine nächste grosse Aufgabe. Auch die Serie A gewinnt er zweimal, 2010 schafft er mit Internazionale das Triple mit Meisterschaft, Cupsieg und Champions-League-Triumph. Nach zwei Saisons in Mailand ruft mit Real Madrid die königliche Adresse schlechthin. Doch der durchschlagene Erfolg mit Cristiano Ronaldo & Co. bleibt «The Special One» verwehrt: Insgesamt ist während seiner Amtszeit der FC Barcelona in Spanien die bessere Mannschaft, und er überwirft sich mit der Mannschaft und legt sich mit den Fans an. Zum Ende der Saison 2012/13 wird Mourinho vorzeitig entlassen. Die alte Liebe flammt wieder auf: Nach seiner Entlassung bei Real Madrid kehrt Mourinho zu Chelsea zurück. Nach 2005 und 2006 gewinnt er 2015 mit den Londonern zum dritten Mal die englische Meisterschaft. 2016 verpflichtet ihn Manchester United, und der Wechsel zu einem der grossen Rivalen Chelseas ist ein Hammer. Der ganz grosse Erfolg bleibt zwar aus, aber immerhin gewinnt er 2017 den Ligacup und die Europa League. Sein Engagement führt ihn 2018 in die Schweiz: ManUtd trifft in der Champions League auf die Young Boys. Die Berner verlieren gegen Mourinho zweimal – 0:1 und 0:3. Am 18. Dezember 2018 wird der Portugiese entlassen.

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Es gab Tage, da hätten sie ihn mit offenen Armen empfangen. Ja, es hätte wohl eine mediale Kampagne gegeben, ihn doch bitte, bitte zu verpflichten. Aber nein, jetzt, wo bereits über mögliche Nachfolger von Lucien Favre in Dortmund spekuliert wird, schreibt beispielsweise «Bild»: «Mit José Mourinho würde sich Borussia Dortmund keinen Gefallen tun.» Und Bayern München macht bis zur Winterpause lieber mit Interimslösung Hansi Flick weiter, als den Portugiesen an die Säbener Strasse zu locken.

Das sagt viel über den neuen Stand des einstigen Erfolgstrainers.

Als Mourinho 2010 mit Inter Mailand die Champions League gewann (nach 2004 mit Porto zum zweiten Mal in seiner Karriere), da war er noch die ganz grosse Nummer im Weltfussball. Sein Name verspreche Erfolg; so zumindest lautete die öffentliche Wahrnehmung von dem Mann, der sich selber als «The Special One» vorstellte. Dabei spielte es keine Rolle, dass der Fussball seiner Teams so aufregend war wie Steuererklärungen auszufüllen. Nein, der Unterhaltungsfaktor sass auf der Bank. Besonders nach Siegen konnte er so ausgelassen und provozierend feiern, dass die eigenen Anhänger ihn noch mehr verehrten, seine Kritiker allerdings zahlreicher wurden. Doch diese wurden nicht zu laut, solange die Resultate stimmten. Doch das taten sie zuletzt nicht mehr.

«Mourinho blamiert den Verein!»

2015 gewann er seinen letzten Ligatitel, das war ein halbes Jahr, bevor er bei Chelsea trotz Vertrags bis 2019 entlassen wurde. Als die Chelsea-Bosse keinen anderen Ausweg als die Trennung sahen, lag der damalige Titelverteidiger mit 15 Punkten aus 16 Spielen auf dem 16. Rang – einem Abstiegsplatz. Und auch die nächste Station, Manchester United, war alles andere als von Erfolg gekrönt. Zwar gewann er 2017 Ligacup und Europa League; beide Titel passen aber so gar nicht zu den grossen Tönen, die der 56-Jährige spuckt. Stimmen die Resultate nicht, fehlen dem Exzentriker, der für destruktiven Fussball steht, schnell die Argumente. Kurz vor seiner Entlassung schimpfte Man-United-Legende Paul Scholes: «Mourinho blamiert den Verein!»

Dabei half nicht, dass Mourinho sich in Manchester, wie zuvor schon bei Real Madrid und Chelsea, mit seinen grossen Stars anlegte. In Madrid rasierte er Goalie-Ikone Iker Casillas, bei United hiess sein teaminternes Lieblingsopfer Paul Pogba – mit 105 Millionen Euro Ablöse der teuerste Spieler der Vereinsgeschichte.

Sogar Klopp und Lampard kritisiert

Jetzt ist Mourinho also zurück in der Premier League. Und die grosse Frage lautet: Kann er es noch? Nicht die Sprüche, da zeigte er als Dazn-Experte, dass er die noch draufhat. Kurz vor Liverpools Champions-League-Sieg ätzte er gegen Jürgen Klopp («Er gewinnt absolut nichts») und kritisierte die Aufstellung seines früheren Lieblingsspielers Frank Lampard, mittlerweile Chelsea-Coach.

War er schon zuvor bei ausbleibenden Resultaten angreifbar, so ist Mourinho nach seiner zwischenzeitlichen Rolle als besonders kritischer Kritiker noch mehr zum Siegen verdammt. Liefert er nicht, dürfte er künftig für die europäischen Grossclubs kein Thema mehr sein. Und zwar nicht nur für Bayern und Dortmund.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • George Best am 20.11.2019 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denn sie wissen nicht was Sie tun

    Hoppla, weiss Tottenham was Sie sich antun? Schon sehr extravertierter Trainer Mou

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  • Markus am 20.11.2019 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Mou Genie und Wahnsinn!

    Wenn bei Mou alles stimmt, kann er an die alte Erfolge anknüpfen. Aber hier muss wirklich alles stimmen, von der Chef Etage bis hin zu den Spielern. Ist irgendwo eine Differenz vorhanden, dann sucht er die Schuld nicht bei sich sondern bei den anderen... dan kann es schwer werden!!! Ich hoffe sehr das Tottenham eine Ausstiegsklausel im Vertrag verankert hat.

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  • Franky am 20.11.2019 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Titel in Sicht

    Also mit Titel holen wird es schwierig diese Saison. Das einzige was er erreichen kann ist ende saison auf einem CL Platz zu stehen .

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lubomir am 21.11.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfolg

    Ich stufe unseren Nationaltrainer Petkovic als besten Komunikator und Trainer ein.Seine grossartigen Erfolge einfach sensationell.Ich hoffe er und sein Gefolge bleibt uns noch lange erhalten

  • Blasius am 21.11.2019 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besserer Trainer

    Glaube dass Favre der bessere Trainer ist. Eberl Sportdirektor von Gladbach stuft Favre als einen der besten Trainer Europas ein.

  • Johnny am 20.11.2019 23:48 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlicher Typ

    Der Typ ist total überbewertet und seine Fans hatten als Kinder keine Vaterfigur sonst würden sie so jemanden nicht feiern. Wird sich jetzt zeigen, was er wirklich drauf hat. Das Team ist gut genug, um etwas zu erreichen.

    • Dk10 am 21.11.2019 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Johnny

      Tripple mit inter (das erste mal mit einer italienischen mannschaft überhaupt) champions league mit PORTO ich kann noch viel mehr schreiben, muss ich aber garnicht diese fakten reichen vollkommen

    • Rodney McKay am 21.11.2019 09:05 Report Diesen Beitrag melden

      Anti-Mou's bleiben Anti-Mou's

      Hinter jeder erfolgreichen Person steht ein Haufen Haters. Bei Mou ist die personifizierung dieses Spruchs...

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  • fh am 20.11.2019 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlentscheidung

    Grösste Fehlentscheidung der Tottenham Verantwortlichen! Mourinho ist mit seinem Defensiv Konzept ein Trainer von vorgestern.

  • Jovan am 20.11.2019 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moutitelinho

    Klopp hat im Gegensatz zu Mou auch nichts gewonnen

    • Johnny am 20.11.2019 23:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Jovan

      Letztes Jahr die Champions League verpasst?

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