Meistertrainer-Porträt

14. April 2019 13:41; Akt: 14.04.2019 15:17 Print

Seoane hat die Skeptiker verstummen lassen

von Dominic Wuillemin - YB-Meistertrainer Gerardo Seoane wurde in Bern nicht mit offenen Armen empfangen. Doch die Zweifel konnte er rasch zur Seite räumen.

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Am ersten Spieltag knüpft der Meister an die Leistungen der letzten Saison an und schickt die Grasshoppers dank der Treffer von Sulejmani und Ngamaleu mit 2:0 zurück nach Zürich. Mit dem gleichen Resultat gewinnt YB auch das erste Auswärtsspiel der Saison in Lugano, Fassnacht und Hoarau heissen die Torschützen. Am dritten Spieltag nehmen die Berner Revanche für die Niederlage im Cupfinal: Sulejmani, Fassnacht, Hoarau und Nsame schiessen den FCZ mit 4:0 ab. Die ersten Gegentore kassiert YB am vierten Spieltag in Luzern, setzt sich am Ende aber doch mit 3:2 durch. Hoarau trifft doppelt. In extremis verhindert der Meister beim FC Biel das frühe Ausscheiden im Cup: Tief in der Nachspielzeit trifft Garcia zum 2:2-Ausgleich, und auch die Verlängerung ist regulär schon abgelaufen, als Hoarau der Siegtreffer gelingt. Zwei Spiele bis zur Königsklasse: Gegen Dinamo Zagreb holt der Schweizer Meister zuhause trotz mehr Spielanteilen «nur» ein 1:1. Eine bessere Chancenauswertung legt YB in der Meisterschaft gegen Xamax an den Tag und schickt die Neuenburger mit einem 5:2 nach Hause. Nach frühem Rückstand dreht YB in Person von Guillaume Hoarau das Rückspiel in Zagreb und qualifiziert sich mit dem 2:1 für die Gruppenphase der Champions League. In der Meisterschaft marschiert YB weiter und holt beim 3:0 in Sitten den sechsten Sieg im sechsten Spiel. Christian Fassnacht avanciert mit zwei Toren zum Mann des Spiels. Im Cup-Sechzehntelfinal schiebt YB gegen einen unterklassigen Gegner erneut Überstunden: Wie schon in Biel setzen sich die Berner in Schaffhausen mit 3:2 durch, wobei der Siegtreffer erst in der Nachspielzeit der Verlängerung fälllt. Beim ersten Auftritt in der Champions League bezahlt YB Lehrgeld und verliert gegen ein brutal effizientes Manchester United mit 0:3. Was für eine Reaktion auf das 0:3 gegen Pogba und Co.: Gleich sieben YB-Spieler tragen sich gegen den FC Basel in die Torschützenliste ein. Der ehemalige Serienmeister wird mit 7:1 aus dem Stadion gefegt. Roger Assalé geht gegen St. Gallen zwar leer aus, doch seine Teamkollegen Nsame und Ngamaleu stellen den 2:0-Sieg sicher. Konnte Thun die Berner in der Saison 2017/18 mehrmals ärgern, ist das erste Kantonsderby der laufenden Spielzeit eine klare Angelegenheit: YB gewinnt im Oberland mit 4:1. Mit drei Toren schiesst Paulo Dybala die zu ängstlich aufspielenden Young Boys quasi im Alleingang ab: Auch die zweite Champions-League-Partie geht mit 0:3 verloren. Am zehnten Spieltag lässt YB erstmals Punkte in der Meisterschaft liegen – und dann gleich alle drei: In den Schlussminuten verspielt es gegen Luzern eine 2:1-Führung und verliert am Ende 2:3. Zweimal machen Benito und Co. beim Gastspiel in Zürich einen Rückstand wett und holen am Ende ein 3:3 gegen den FCZ. Hoarau (2) und Ngamaleu heissen die Torschützen. Per Elfmeter erzielt Guillaume Hoarau das erste Tor der Vereinsgeschichte in der Champions League. Für einen Sieg reichts trotzdem nicht: Gegen Valencia gibts ein 1:1-Unentschieden. Vier Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit liegt YB gegen Sion noch 1:2 zurück, dann schlagen Assalé und Sanogo zu und sichern doch noch einen Sieg. Miralem Sulejmani schiesst YB mit seinem siegbringenden 1:0 bei Stade Nyonnais aus der Promotion League in den Cup-Viertelfinal. Beim 3:0-Sieg bei den Grasshoppers fallen alle Tore erst in der zweiten Halbzeit: Hoarau und Fassnacht mit einem Doppelschlag binnen vier Minuten, den Schlusspunkt setzt Aebischer. Aller Kampf bringt YB in Valencia nichts: Am Ende setzt es eine 1:3-Niederlage. In St. Gallen gerät der Meister nach einer guten Viertelstunde in Rückstand. Ebenfalls eine gute Viertelstunde braucht YB für seine drei Tore – 3:2 heisst es am Ende aus Sicht der Berner. Mit seinem sehenswerten Freistosstreffer erlöst Sulejmani YB im Heimspiel gegen Lugano – weitere Tore fallen keine. Im Old Trafford kämpfen die Berner aufopferungsvoll und kassieren erst in der Nachspielzeit den unglücklichen Gegentreffer zum 0:1 durch den belgischen Nationalspieler Marouane Fellaini. Wieder gewinnt YB nach einer Niederlage gegen Manchester in der Meisterschaft gegen Basel, dieses Mal 3:1. Und wieder trifft Verteidiger Camara – sein zweites Saisontor. In der Nachspielzeit steigt Hoarau zum Kopfball hoch und entscheidet mit dem Treffer zum 3:2 das Derby gegen Thun. Zuvor waren die Oberländer zweimal in Führung gegangen. In Bern bricht das Ronaldo-Fieber aus, als YB zum letzten Gruppenspiel die Alte Dame aus Turin empfängt. Dem Spiel drückt dann aber Hoarau den Stempel auf und beschert seinen Farben mit zwei Treffern den ersten Sieg in der Königsklasse. Handschlag zwischen Assalé und dem früheren YB-Spieler Raphael Nuzzolo: Die Berner schliessen das Jahr 2018 mit einem ungefährdeten 4:1-Sieg in Neuenburg ab. YB räumt an der SFL Award Night ab und holt die Titel des besten Trainers, Spielers, Tors und Youngsters des Jahres 2018. Nur der Award für den besten Spieler der Challenge League geht – logischerweise – nach Genf (Miroslav Stevanovic). Das neue Jahr beginnt, wie das alte aufgehört hat: Mit einem Sieg gegen Xamax. Beim 2:0 vor heimischem Publikum gelingt Benito das erste Pflichtspieltor im 2019. Im Derby in Thun erzielt Assalé die Führung vom Penaltypunkt aus. Spät im Spiel fällt der Ausgleich zum 1:1-Schlussresultat durch Spielmann. Kurz nach der Pause darf Fassnacht den Führungstreffer gegen den FC Zürich bejubeln. Ngamaleu stellt den 2:0-Endstand her. Steve von Bergen und seine Verteidigerkollegen halten in Lugano dicht, vorne trifft Nsame in der 94. Minute zum knappen 1:0-Sieg. Gegen Sion gelingt YB erneut ein Last-Minute-Sieg, dieses Mal ist Garcia für den Treffer in der Nachspielzeit verantwortlich. Nichts wirds mit dem Cup-Sieg: YB-Legende Thomas Häberli coacht den FC Luzern im Viertelfinal zu einem diskussionslosen 4:0-Sieg gegen seinen Ex-Verein. Yoric Ravet, vom SC Freiburg an GC ausgeliehen, kann die 0:1-Niederlage gegen seinen früheren Klub nicht verhindern: Sow trifft – wieder einmal – in der Nachspielzeit. So etwas wie die Vorentscheidung in der Meisterschaft: YB kann den FC Basel mit einem 2:2 auf Distanz halten. Nsame glänzt als Doppeltorschütze. Beim 3:2-Sieg über St. Gallen heisst der Mann des Spiels zweifellos Hoarau: Der französische Goalgetter erzielt alle Berner Tore, das letzte erst in der Schlussminute. Klare Verhältnisse: Im vierten und letzten Kantonsderby der Saison setzen sich die Young Boys gleich mit 5:1 durch. Im Bild das zwischenzeitliche 4:0 durch Ngamaleu. Im Cup-Viertelfinal gegen den gleichen Gegner hatte Sow aus ähnlicher Position noch die Führung vergeben, in der Liga macht er es besser: YB gewinnt das Nachtragsspiel in Luzern mit 3:1. Ein Grosser nimmt Abschied: Am 11. April kündigt YB-Captain Steve von Bergen an, seine Profikarriere im Sommer zu beenden. Der bald 36-Jährige dürfte aber einen Posten in der Vereinsführung übernehmen. Durch ein 0:0 zwischen dem FC Basel und GC wird YB am 13. April auf dem Sofa vorzeitig Schweizer Meister. Die Freude bei Spieler und ... ... Trainer Gerardo Seoane ist grenzenlos. Das Team hat an ihrem spielfreien Abend die Partie zwischen dem FCB und GC gemeinsam im Stade de Suisse am TV geschaut.

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Der Blick geht immer wieder runter aufs Handy, das unaufhörlich im Hosensack surrt. Es ist Samstagabend nach 21.30 Uhr, YB-Trainer Gerardo Seoane ist am Höhepunkt seines rasanten Aufstiegs angelangt, der ihn innert knapp zwei Jahren vom Sportplatz Schlottermilch in Sursee, wo er jeweils als Trainer der U-21 des FC Luzern gastiert hatte, an die Spitze des Schweizer Fussballs führte. Was ihm in seiner 13-jährigen Spielerkarriere misslungen ist, hat er nun als Trainer geschafft: Er ist Schweizer Meister. Seoane spricht von einem unvergesslichen Moment, auch wenn sich der Titelgewinn angebahnt habe. Während weitere Gratulations-Nachrichten auf sein Handy poppen, sagt der 40-Jährige: «Ich verspüre eine grosse Dankbarkeit, Teil dieses fantastischen Clubs zu sein.»

Als YB letzten Sommer Seoane vorgestellt hatte, war eine Skepsis in Bern spürbar. Einerseits war da der riesengrosse Schatten des allseits beliebten Vorgängers Adi Hütter, der die Young Boys mit dem ersten Meistertitel nach 32 Jahren erlöst hatte. Andererseits war da Seoanes Unerfahrenheit als Trainer auf Profistufe sowie der schnelle Abgang nach einem erfolgreichen Halbjahr beim FCL, in dem Seoane den Club vom 9. auf den 3. Platz gehievt hatte. Viele hielten es wie YB-Fan und Schriftsteller Pedro Lenz, der meint, Sportchef Christoph Spycher habe damals gesagt, dass Seoane von allen gecasteten Kandidaten am meisten überzeugt habe. «Und wenn er so etwas sagt, beruhigt das schon einmal.»

Die Zweifel konnte Seoane rasch zur Seite räumen. Das grosse Erbe Adi Hütters managte der Innerschweizer mit spanischen Wurzeln respektvoll und klug – weil zu Beginn auch konservativ. Seine Ideen streute er nach und nach ein, seine grösste Leistung ist vielleicht, wie er YB mühelos durch den aufwühlenden Herbst führte, mit der erstmaligen Teilnahme an der Champions League und Partien im Drei-Tage-Takt. In der Liga wuchs der Vorsprung auf den FC Basel fast Woche für Woche an – ein legendäres 7:1 gegen den grossen Konkurrenten inklusive. Der einzige Makel in Seoanes Debütsaison bei YB stellt der verlorene Cup-Viertelfinal in Luzern dar. Just bei jenem Club also, bei dem er seinen rasanten Aufstieg lanciert hatte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna am 14.04.2019 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seo

    Ich denke Seoane macht einen guten Job er profitqiert auch von Hütters Arbeit.Nächste Saisonkann er sich mit veränderter Mannschaft beweisen.

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  • Sulejka am 14.04.2019 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerardo Seaone

    Wie mir scheint, ist Gerardo Seoane ein Trainer mit viel Respekt und Achtung, das macht ihn ungemein sympathisch. Ich hoffe alle Spieler können diesbezüglich noch was persönliches lernen von ihm. Ich wünsche Gerardo Seaone weiterhin viel Erfolg, bleiben Sie weiter so anständig.

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  • Dani Düsentrieb am 14.04.2019 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmmm...

    Gratuliere YB zum Meistertitel, aber Seoane hat eine tolle Mannschaft von Adi Hütter übernommen. Mal sehen, wie es nächste Saison mit der auseinandergerupften Mannschaft aussieht, dann kann ER beweisen, dass ER wirklich ein Meistertrainer ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Huber Chläusu am 15.04.2019 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt mal ehrlich

    Sorry wenn ich es so direkt sage, aber mit der eingespielten Adi Hütter Mannschaft hätte auch ein Schimpanse an der Seitenlinie stehen können und die wären Meister geworden. Was nicht Seoanes können in Frage stellt, er hat in Luzern gezeigt, dass er was auf dem Kasten hat. Nur muss er das bei YB nicht zeigen, dass ist ein Selbstläufer!

    • Dani Düsentrieb am 15.04.2019 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Huber Chläusu

      Siehst Du Fränzi, das ist genau das, was ich meine.....

    • X.Y. am 16.04.2019 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Huber Chläusu

      ....und mit so viel Kohle im Rücken, ist das erst Recht kein Problem.

    • Katzerich am 19.04.2019 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Huber Chläusu

      So einfach? Von wegen eingespielt: Urs Fischer hat den FCB seinem Nachfolger übergeben müssen. Was ist passiert? Ein Walliser Trainer durfte Lehrgeld kassieren und hat es nicht verstanden, die Vorgabe auszunützen.

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  • Emma am 14.04.2019 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar

    Mit dieser Mannschaft und solche Gegner wird jeder Trainer in Bern Meister.

    • Te Rasse am 15.04.2019 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Emma

      Die Zeit wird's zeigen

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  • Emanuel am 14.04.2019 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lump

    Als Trainer top, menschlich absoluter Flop.

  • Walter Borpa am 14.04.2019 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Züngler an der Waage

    Solange die Kernkompetenzen des Sportchefs in Basel im Jassen liegen, wird jeder Trainer bei YB Meister.

  • Buffalo "Pyro Pay The" Bill am 14.04.2019 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt hat er auch noch Pyro-Spieler

    Das kommt gut. Vielleicht sollte der Trainer die Hools u Pyro - Frage lösen. Aber solange der Steurzahler via Politik die Kosten ohne Murren übernimmt ... Who cares.

    • marko 34 am 14.04.2019 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Buffalo "Pyro Pay The" Bill

      Super

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