Mit alten Fussballschuhen

17. Oktober 2019 11:46; Akt: 17.10.2019 13:40 Print

Sie beglücken Stars und ärgern Nike und Adidas

von Fabian Sangines - Die Idee ist so simpel wie genial: Zwei junge Engländer recyclen alte Fussballschuhe. Zu ihren Kunden gehören Xavi, Rakitic – und auch Neymar wäre es gerne.

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Manchmal sind es die einfachen Momente, die einen bewusst werden lassen, was gerade passiert. Bei Cameron Sangster ist es eine Erinnerung von Facebook, neun Jahre alt. Der damals 10-jährige Engländer postete: «Ich kann es nicht erwarten, mein Idol Jack Wilshere spielen zu sehen.» Sangster sass gerade im Zug, als dieses Andenken aufpoppte. Er und sein 20-jähriger Geschäftspartner Jake Self waren auf dem Weg zu Wilshere. Nicht an ein Spiel von ihm. Nein, sie waren auf dem Weg zu ihm nach Hause.

«Höllisch nervös» seien die beiden gewesen, als sie vor den Toren des West-Ham-Profis standen. So erzählt es Sangster der britischen Zeitung «Daily Mail». Der Grund des Besuchs: alte Fussballschuhe. Denn Wilshere ist, wie offenbar zahlreiche weitere Fussballstars, ein Nostalgiker. Und die beiden Freunde Self und Sangster hatten eine Idee, wie sie diese Sehnsucht stillen können.

Anfangs 40 Pfund Gewinn pro Paar

Die Idee dabei ist relativ simpel: Sie ersteigern längst nicht mehr produzierte Modelle, wie beispielsweise den «Adidas Predator Mania», berühmt gemacht unter anderem durch David Beckham, dann polieren sie die Schuhe auf und verkaufen sie weiter. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie bereits getragen wurden oder nicht. 40 Pfund pro Schuhe verdienten sie pro Paar, als sie vor drei Jahren mit «rareboots4u» begannen. Auch wenn es nur zwei, drei pro Woche waren: Immerhin etwas, schliesslich wollten die beiden Teenager anfangen, ihr eigenes Geld zu verdienen.

Jake Self (l.) und Cam Sangster (r.), zusammen mit ManCity-Talent Phil Foden. Bild: Screenshot Youtube

Weil sich ihr Nischenprodukt am besten via Social Media bewerben lässt, dachten sie, Ethan Ampadu könnte ihnen helfen. Ein junger Fussballer, der damals für Chelsea spielte, heute ist er an RB Leipzig ausgeliehen. «Ein Junge aus unserer Gegend, wir kennen ihn irgendwie», sagt Self. Sie schenkten ihm zwei Paar, Ampadu postete die Schuhe auf Instagram. So wurde der brasilianische Nationalspieler David Luiz hellhörig, dieser empfahl die jungen Geschäftspartner an Alvaro Morata weiter: «Derzeit unser bester Kunde.»

Alvaro Morata, das Sprungbrett

Und nicht nur das: Der Spanier ist offenbar auch ein hervorragender Vermittler. «Er gab uns so viele Kontakte zu Fussballprofis», so Sangster. Eines Morgens wurde er vom Klingelton einer Nachricht geweckt. Der Absender: Ivan Rakitic. «Ich dachte: Nein, das kann jetzt nicht wahr sein.» Spätestens als sie die Schuhe zu ihm nach Hause brachten und er sie zu einem Barça-Spiel fuhr, wurde ihm bewusst: Doch, das passiert wirklich!

Nun beliefern Self und Sangster Weltstars wie Karim Benzema oder Xavi Hernandez, Jungstars wie Joao Felix oder Phil Foden, der extravagante Pierre-Emerick Aubameyang kommt dank ihnen zu alten, goldenen Nikes, und PSG-Stürmer Mauro Icardi trainiert mit dem Nike Tiempo. Dem Schuh, mit dem Ronaldinho Mitte der 00er-Jahre für eine Werbung etwas hin- und herspielte – mit der Torlatte.

Tottenham-Verteidiger Serge Aurier soll kürzlich gar 500 britische Pfund für ein paar alte Stollenschuhe bezahlt haben. «Wir machen mehr, als nur etwas alte Fussballschuhe zu putzen», rechtfertigt Sangster den Preis. Einige Exemplare seien sehr schwer zu finden, deshalb bei Sammlern natürlich besonders beliebt.

Die grossen Player werden sauer

Das Geschäft floriert also, nur von einem PSG-Spieler gab es zuletzt einen kleinen Dämpfer: «Wir fragten, ob dieser uns an Neymar weiterempfehlen könnte. Das tat er, und sogar auch an Kylian Mbappé.» Offenbar waren die beiden Superstars hellauf begeistert, aber: «Nike verbietet ihnen vertraglich, alte Schuhe zu tragen. Das ist nervig.» Und auch der grosse Konkurrent aus Deutschland soll hellhörig geworden sein: «In Madrid sprachen wir mit dem Marketing-Agenten von Xavi. Er hatte zuvor für Adidas gearbeitet und sagte: Die wissen, was ihr tut. Und es gefällt ihnen nicht.»

Auch das ist einer dieser Momente, ähnlich wie die Facebook-Erinnerung im Zug. Spätestens, wenn die globalen Marktführer angesäuert sind, dann hat man es endgültig geschafft.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. Berger am 17.10.2019 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Klar gefällt das dene nicht

    Klar gefällt das den Herstellern nicht das ihre Produkte repariert und wiederverwendet werden - das ist ja schon fast wirtschaftsfeindlich. Wir sollen nur brav dumm und naiv bleiben und alles schnell wieder wegwerfen damit sie uns neue Produkte verkaufen können. Vieles könnte heute repariert oder weiterverwendet werden - nur ist die Industrie nicht daran interessiert Ersatzteile zu liefern - das Resultat ist dann das wir immer wieder bezahlen müssen und auf einem riesigen Abfallberg sitzenbleiben.

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  • Cagi am 17.10.2019 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Idee / Ansporn für Klimajugend

    Tolle Idee! Herzliche Gratulation den Beiden !! Anstatt sich wöchentlich jeweils freitags an Demos herum zu tummeln, könnte man die Zeit konstruktiv nutzen, wie diese Beiden, eine Lösung gegen die Wegwerfgesellschaft zu finden. Eben, alte Schuhe wieder auf zu möbeln oder was Anderes. Aber man demonstriert lieber während des Schultages, damit man den freien Samstag irgendwo abhängen kann

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  • jae. am 17.10.2019 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Idol

    Viele junge kaufen wohl die Schuhe/Ausrüstung ihren Idolen nach und wenn diese dann aber "alte" Sachen tragen, die auch nicht mehr produziert werden, können die Fans ja gar nicht mehr die gleichen Sachen wie ihre Idole kaufen. Ach Schreck für die Hersteller. Bin gespannt wie es weitergeht mit den beiden Engländern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Leeeherer Pünktli am 18.10.2019 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    Mit alten lumpigen Fußballschuhen beglückt man höchstens die Abfall Entsorgung noch !

  • Tomis am 18.10.2019 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Äpfel mit Birnen

    Das ist der Grund wieso Wirtschaft und Umweltschutz/Recycling nicht miteinander funktionieren. Die Firmen produzieren tagtäglich neue Produkte und wollen alte nicht mehr sehen. Ansonsten macht ein Geschäft auch keinen Sinn. Es bleibt ein Teufelskreis.

  • Dj Redflame am 18.10.2019 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Ganjaflash am 18.10.2019 05:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Jörg am 17.10.2019 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltklasse

    Finde es hammermässig was Ihr macht, einen Trend mit alten Schuhen wieder Fussball spielen, anstatt sie zu entsorgen, werden sie weiter verwendet, grandiose Idee und good Luck weiter im Business.