Atléticos Tormaschine

10. Mai 2012 17:11; Akt: 10.05.2012 17:13 Print

Sie nennen ihn «El Tigre»

von Philipp Reich - Zum zweiten Mal in Folge hat Radamel Falcao sein Team zum Europa-League-Titel geballert. Wer den wendigen, beidfüssigen Kolumbianer engagiert, weiss, was er kriegt: Tore, Tore, Tore.

Die Highlights des Europa-League-Finals mit allen Toren. (Quelle: Youtube)
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Mit seinen 17 Toren in der Europa League 2010/11 schoss er den FC Porto praktisch im Alleingang zum Titel in der «Prinzenklasse» und übertraf gleich noch den 15-jährigen Torrekord von Jürgen Klinsmann. Ein Jahr später darf Radamel Falcao García Zárate – kurz Falcao – die mächtige Trophäe des Schweizer Künstlers Alex Diggelmann erneut in die Höhe stemmen. Wieder als Torschützenkönig. Zwar hat der Kolumbianer für seinen neuen Verein Atlético Madrid «nur» noch zwölf Tore geschossen, doch wieder ist er es, der in den entscheidenden Spielen – im Halbfinal gegen Valencia und im Final gegen Bilbao – den Unterschied ausmacht.

«Ich liebe Falcao», schwärmt Atlético-Trainer Diegeo Simeone, der seinen Schützling schon vor vier Jahren bei River Plate trainiert hatte, nach dem Finalsieg von Bukarest. Der ehemalige argentinische Nationalspieler weiss, was er an seinem Starstürmer hat. In 49 Spielen für Atlético Madrid hat der 26-Jährige bereits 60 Treffer erzielt.

Schnell, kopfballstark, beidfüssig

Mit nur 1,75-Meter-Körpergrösse ist Falcao für einen Mittelstürmer zwar eher klein, doch der kolumbianische Nationalspieler ist schnell, beidfüssig, kopfballstark und extrem torgefährlich. Immer taucht er dort auf, wo es gefährlich wird. Für die gegnerische Verteidigung ist er wie ein glitschiger Aal, den man einfach nicht zu fassen kriegt.

Die Entscheidung bereits als 15-Jähriger aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá in Richtung River Plate nach Buenos Aires zu wechseln, war doch die richtige gewesen. Im Alter von elf Jahren war er von Ajax umworben worden und hatte auch in Amsterdam vorgespielt, sein Vater entschied jedoch, dass der Schritt nach Europa zu früh gewesen wäre. Falcao, der seinen Namen übrigens in Anlehnung an den ehemaligen brasilianischen Nationalspieler von seinem Vater erhalten hat, blieb vorerst in Kolumbien.

Kometenhafter Aufstieg und jäher Fall

Vier Jahre später folgte schliesslich der Schritt zu River Plate, wo er langsam aufgebaut wurde. Während ein gleichaltriger Teamkollege nach dem anderen in die erste Mannschaft gerufen wurde, musste Falco sich gedulden. Erst mit 19 kam er zu seinem Debüt in der argentinischen Primera División. «Als ich mich vor dem Spiel umgezogen hatte, zitterten meine Beine, doch als ich das volle Stadion mit all den schreienden Menschen betrat, war ich wie verwandelt. Ich spürte das Adrenalin, den Torhunger, das Selbstvertrauen», erinnerte er sich an seinen ersten Auftritt. Und Falcao schlug ein wie eine Bombe. «El Tigre», wie ihn die Fans in Argentinien noch immer nennen, skorte gleich einen Doppelpack.

Nach sechs Spielen mit sieben Treffern wurde der kometenhafte Aufstieg aber jäh gebremst: Im November 2005 riss sich Falcao das vordere Kreuzband. Da der ehrgeizige Torjäger sein Comeback zu sehr forcierte und das Band zum zweiten Mal riss, dauerte die Zwangspause ganze elf Monate. «Ich war down, habe mich immer gefragt, warum Gott mir das angetan hatte», sagte der gläubige Christ zu seiner schwersten Zeit. Doch Falcao kämpfte sich zurück und fand schnell zu seiner Torgefährlichkeit zurück.

Beeindruckende Konstanz

So folgte schliesslich doch noch der Wechsel nach Europa. Trotz Angeboten von Tottenham und Liverpool unterschrieb Falcao etwas überraschend beim FC Porto. 5,4 Millionen Euro Ablöse mussten die Portugiesen überweisen. Anders als bei den Topklubs konnte er in Ruhe reifen und sich gleichzeitig auf hohem internationalem Niveau in der Champions- beziehungsweise der Europa League beweisen. Schon in seiner ersten Saison schoss er 25 Tore in 28 Meisterschaftspartien. Ein Jahr später lief es in der Liga Sagres nicht mehr ganz so gut, nur 16 Mal traf Falcao ins Netz. Dafür schoss der «blaue Torpedo», so sein Spitzname in Porto, seinen Klub mit 17 Treffer zum Europa-League-Titel.

Im Sommer folgte nach einer durchzogenen Copa America (2 Tore in vier Spielen, Aus im Viertelfinal) der Wechsel von Porto zu Atlético Madrid. 40 Millionen Euro kostetete der Torjäger. Bei den «Rojiblancos» sollte Falcao in die grossen Fussstapfen von Diego Forlan (zu Inter Mailand) und Kun Agüero (zu Manchester City) treten. Und wieder schlug der Mann mit den langen Haaren und dem Unterlippenbärtchen ein wie ein Bombe. In der Primera Division liegt der Atlético-Stürmer in der Torschützenliste vor der der letzten Runde mit 23 Treffern hinter Lionel Messi und Cristiano Ronaldo an dritter Stelle. Seine 12 Tore in der Europa League waren Garant für den zweiten EL-Titel der Madrilenen innert drei Jahren.

Diese Treffsicherheit weckt natürlich das Interesse der grossen Namen im europäischen Fussball. Chelsea, Inter Mailand, Juventus Turin und Arsenal sollen angefragt haben. Die Ablösesumme für Falcao liegt momentan bei geschätzten 60 Millionen Euro, Tendenz steigend. Ein stolze Summe! Aber wer den Tiger engagiert, weiss, was er kriegt: Tore, Tore, Tore.

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