Nach Derby-Eklat

03. Oktober 2011 14:33; Akt: 04.10.2011 14:34 Print

So kämpfen andere Länder gegen Hooligans

von Franziska Burkhard - Nach dem Zürcher Derby ist allen klar: Die Schweiz hat ein Hooligan-Problem. Bei der Lösungssuche haben die europäischen Ligen ganz unterschiedliche Ansätze zu bieten.

Bildstrecke im Grossformat »

Die Bilder zu den Ausschreitungen beim 226. Zürcher Derby.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Vorfälle um das Zürcher Derby versetzt die Schweizer Fussballwelt in einen Schock. Alle sagen, jetzt müsse hart durchgegriffen werden. Aber das war bereits der Tenor, als es 2008 im St. Jakobpark krachte. Obwohl das Hooligan-Problem nicht neu ist, macht sich nach jedem weiteren Vorfall eine lähmende Hilflosigkeit breit.

Umfrage
Wer trägt die Schuld an den Krawallen im Letzigrund?
22 %
50 %
28 %
Insgesamt 2074 Teilnehmer

Auch andere Länder haben mit Hooligans zu kämpfen und haben verschiedene Ansätze um das Problem zu lösen (vgl. Beispiele unten). Am rigorosesten haben die Engländer die Problematik angepackt. Die Briten könnten daher als Vorbild für die Schweiz fungieren. Das Traurige an der Sache ist, dass man sich dessen bereits 2008, nach den Unruhen nach dem Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich, bewusst war.

England mit Pionierrolle

England – praktisch das Geburtsland des Hooliganismus - hat zu Beginn dieses Jahrtausends erkannt, dass im Umgang mit den gewaltbereiten «Raufbolden» eine dramatische Richtungsänderung notwendig ist. Zu den Hauptmassnahmen gehört einerseits das Stadion- und Rayonverbot, mit dem rund 4000 Fans belegt wurden. Wer sich am Match-Tag in die Nähe eines Stadions verirrt, kann verhaftet und saftig gebüsst werden. Andererseits spielt die Videoüberwachung in der Premier League eine grosse Rolle. Ein weiteres wichtiges Puzzle-Teil für friedliche Fussballpartien sind zudem restriktive Regeln beim Ticketverkauf. So sind zum Beispiel Billets für Risikospiele grundsätzlich nur unter strengen Auflagen zu kaufen.

Einen ähnlichen Ansatz gibt es auch in Italien. Wer ein Ticket für ein Fussballspiel kaufen will, muss sich ausweisen. Der Name des Käufers wird dann auf die Eintrittskarte gedruckt. Bei der Zugangskontrolle ins Stadion muss der Zuschauer ein zweites Mal seine Identitätskarte zücken. So wird sichergestellt, dass keine unerwünschten Personen ins Stadion gelangen.

Deutschland setzt auf Fanbetreuung und Polizeipräsenz

Einen weiteren Lösungsansatz praktizieren unsere nördlichen Nachbarn. In Deutschland hat sich gezeigt, dass mit intensiver Betreuung der Fans die Gewaltbereitschaft massiv reduziert werden kann. Die verstärkte Präsenz von Ordnungskräften soll in den deutschen Stadion zusätzlich für Abschreckung sorgen. Ganz im Griff ist das Problem aber auch da nicht. Die Hooligans weichen wie auch anderorts in tiefere Ligen aus. Ausserdem sorgten deutsche Randalierer in diesem Jahr bei Länderspielen für Sorgenfalten.

Vergleichbarer Fall in Österreich

In einer ähnlich Situation wie die Schweiz befindet sich Österreich. Im Mai dieses Jahrer knallte es – wie am Sonntag in Zürich – beim Wiener Derby. Rapid-Hooligans stürmten nach einem Tor des ungeliebten Lokalrivalen Austria den Platz. Mehrere Menschen wurden verletzt und die Partie wurde abgebrochen. Aktuell sorgt in unserem Nachbarland ausserdem ein Hooligan-Prozess für Aufregung. Ab heute Montag stehen 85 Rapid-Hooligans vor Gericht und müssen sich wegen Vergehen wie Landfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung verantworten. Der Prozess geht auf Vorkommnisse im Mai 2009 zurück, als es beim Wiener Westbahnhof zu heftigen Ausschreitungen zwischen Fangruppierungen der beiden Wiener Klubs kam. Es handelt sich um eine Art Monsterprozess, 37 Verhandlungstage sind anberaumt worden. Die Urteile werden erst 2012 fallen. Mit der Grösse des Prozesses soll eine abschreckende Wirkung erzielt werden.

Abschreckendes Beispiel: Polen

Aufgrund der EM 2012 ist auch das Hooligan-Problem von Polen vermehrt in den europäischen Fokus geraten. Die Macht der Hooligan ist im EM-Gastgeberland gross. Im Mai endete das polnische Pokalfinale in einem Gewaltausbruch. Hooligans stürmten das Spielfeld, zerstörten Material, verletzten Menschen. Auch ausserhalb der Stadien kommt es oft zu Auseinandersetzungen, nicht selten sind Waffen im Spiel. Im Januar wurde ein Anführer der Ultras von Cracovia Krakau auf der Strasse regelrecht hingerichtet.

Das Problem in Polen ist, dass das Gewaltphänomen über Jahre gedeihen konnte. Jetzt versucht die Polizei der Situation mit der Veröffentlichung von Fotos im Internet Herr zu werden. Wenige Tage nach dem Pokalfinale drohte der Ministerpräsident zudem, die Saison der ersten polnischen Liga abzusagen. So weit kam es aber nicht. Dafür wurden 1700 der ganz harten Jungs mit Stadienverboten belegt. Sie sollen zusätzlich im EM-Jahr elektronische Fuss- oder Handfesseln angelegt bekommen. Eine zentrale Datenbank, in der jeder Hooligan gespeichert wird, ist ebenfalls angelegt worden. Polen unternimmt einiges gegen sein Hooligan-Problem, es geht für das osteuropäische Land auch um viel. Wie weit die Massnahmen im Hinblick auf die EM reichen, wird sich aber wohl erst zeigen.

Effektive Lösungen kosten Geld

Klar ist: Wer das Gewaltproblem in den Griff kriegen will, muss viel Geld in die Hände nehmen. Es gibt keine Gratisrezepte. Ein grosses Polizeiaufgebot, wie es in England, Deutschland und Italien üblich ist, ist kostspielig. Bei einem normalen Bundesliga-Spiel sorgen bis zu 1000 Polizisten für Ordnung. Und in England schauen gut ausgebildete Stewards dafür, dass keiner im Stadion die Grenzen des Erlaubten überschreitet.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anton am 03.10.2011 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig mit dem Larifari!

    Fertig Lustig! Kosten denn Klubs übertragen, kein Steuergeld für den Quatsch, wenn die Klubs Geld haben für Möchtegern Stars können diese die Sicherheitskosten auch tragen. Nur noch Sitzplätze und Ticketverkauf mit Ausweis. Rayonverbot für immer bei Ergreifung. Null Alkohol im Umkreis eines Matsches. Schnellgerichte mit harten Strafen wenn nötig. Veröffentlichung der Strafbaren. Spielabbruch bei Pyros abbrennen. Spiele müssen bewilligt werden von Obrigkeit.

  • Marco A am 03.10.2011 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NL

    Was ist mit Holland? Da zahlen Klubs für sämtliche Schäden..

  • captain alex am 04.10.2011 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig Fussball?

    Einfach Publikum draussen lassen. Spiele nur noch übers Fernsehen übertragen. Offensichtlich geht es nicht anders.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • alfons bührer am 08.12.2011 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Informiert euch bitte sehr

    Hallo. Es wird hier immer behauptet ander Länder hätten ihre Hooligans und Ultras im Griff. Sagt mti welches? Dieser Pyro-Wurf war in der Schweiz ein Einzelfall solcher Würfe gibt es überall. Seht mal was in Deutschland los ist dort sieht die Situation etwas anders aus als hier in der Schweiz dort gibts nahezu bei jeder Spielrunde mehrere Ausschreitungen, und das auf eine gröbere Weise als in der Schweiz. Und in allen anderen Ländern inEuropa ist es genau gleich. Sogar in England ist die Hölle los wen die richtigen zwei Vereine aufeinander Treffen.

    • Kuno am 09.12.2011 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      Irrelevant

      Es geht auch nicht drum wie oft und wo dass Pyro-Würfe passieren... Tatsache ist DASS sie passieren, und damit müssen Pyros verboten und das Verbot künftig strenger umgesetzt werden.

    einklappen einklappen
  • P. Bodmer am 08.12.2011 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    bringt nichts

    In Luzern hat man all diese Sicherheitsvorkehrungen schon getroffen. Man fühlt sich als Gästefan im Metall-Käfig eher einem Raubtier, den einem Fussball-Fan gleichgesetzt. Folglich sind die Kosten enorm, die Fans unzufrieden und gezündet wird trotzdem. Ausser Stress und Spesen nix gewesen.

  • marcel finn am 08.12.2011 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bla bla bla

    Wenn ihr nicht an die Spiele geht, wenn ihr euch nicht mit den Menschen, die hinter der Fankultur stehen den Dialog sucht, wenn ihr euch gar nicht für Fussball interessiert oder kurzum wenn ihr keine Ahnung habt was sich draussen in der realen Welt abspielt, dann schweigt besser...

  • Zeberdeen am 08.12.2011 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nichts...

    Mann geht davon aus, dass die Probleme in anderen Ländern unter Kontrolle sind, was falsch ist. Es wird lediglich weniger in den Medien darüber berichtet oder hat sich wie in England in die tieferen Ligen verlagert. Bessere Eingangskontrollen sind nicht sehr sinnvoll, denn wenn jemand einen Gegenstand ins Stadion bringen möchte, dann kann er dies auch.

  • Peter Silie am 08.12.2011 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird Zeit für schärfere Kontrollen

    Wäre ja schön, wenn nun den Reden Taten folgen. Ich kann diese Massnahmen nur begrüssen. Es ist Schade, dass der Fussball von einer Minderheit für Krawalle benutzt wird. Von mir aus können sämtliche Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt werden.