Nach GC-Bestechungsfall

28. Februar 2019 19:31; Akt: 28.02.2019 21:53 Print

Junioren-Eltern müssen sensibilisiert werden

Nach dem Bestechungsfall bei GC braucht es ein Regelwerk, wie sich Eltern von Junioren korrekt zu verhalten haben. Die meisten Sportverbände in der Schweiz besitzen ein solches nicht.

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Der Bestechungsfall bei den Grasshoppers kam überraschend. Nicht einmal GC-Sportchef Mathias Walther, der den fehlbaren Juniorentrainer bereits von früher kannte, bemerkte etwas. «Wir wussten, dass er eine extrovertierte und impulsive Person ist. Dass er dieser Versuchung verfallen ist, konnten wir allerdings nicht erahnen», sagt Walther. Der Trainer wurde bereits im Dezember entlassen.

Dem SFV war der Fall vor der Veröffentlichung durch diese Zeitung nicht bekannt. Gemäss Raphael Kern, Ressortleiter Breitenfussball, wird er aber aufgearbeitet: «Wir müssen diesen Fall ernst nehmen.» Konkreter wollte sich der Verband nicht äussern.

Wie könnte ein solcher Vorfall in Zukunft verhindert werden? Haben Schweizer Sportverbände Regelwerke, die den Eltern aufzeigen, wie sie sich richtig verhalten? Wir haben bei GC, anderen Sportclubs und -verbänden nachgefragt.

«Dokumente wenn nötig anpassen»

Die Grasshoppers machen sich nicht erst seit Bekanntwerden des Bestechungsfalls Gedanken, wie man den Auswüchsen im Nachwuchsbereich Einhalt gebieten kann. GC arbeitet mit verschiedenen Kommunikationsmitteln: jährlich stattfindende Eltern-Informationsabende, die Toolbox «Sporteltern» (ein Nachschlagewerk bei Fragen zum Nachwuchssport) des Sportamts des Kantons Zürich und die Broschüre «Gemeinsam ans Ziel» des Gesamtvereins des Grasshopper Club Zürich.

«Nach dem Bestechungsfall werden wir die aktuellen Dokumente sorgfältig überprüfen und so weit möglich und nötig anpassen. An den GC internen Informationsveranstaltungen wird die Problematik zukünftig sicher ein wichtiges Thema sein», teilt der Verein auf Anfrage mit.

Umgang mit fordernden Eltern

Das Bundesamt für Sport Baspo ist sich der Problematik bewusst. «Damit meinen wir allgemein den fordernden Umgang vieler Eltern mit Trainerinnen und Trainern, wir sprechen nicht konkret vom Tatbestand Bestechung», sagt Christoph Lauener, Leiter Kommunikation beim Baspo. Er versichert: «Jugend+Sport trägt diesem Phänomen Rechnung: Das Thema Umfeldpflege, zu dem auch der kompetente Umgang mit Eltern gehört, wird in der Ausbildung von J+S-Leiterinnen und -Leitern mehr Gewicht erhalten. Diese Konzeptarbeiten sind im Gang.»

Der Schweizerische Eishockeyverband SIHF besitzt ebenfalls kein Regelwerk, das den Eltern korrektes Verhalten vorgibt. «Swiss Ice Hockey arbeitet auf Grundlage der Ethik-Charta bzw. des Code of Conduct und legt den Clubs dessen Umsetzung nahe. Aber schlussendlich ist es Sache zwischen Club und Trainer, ob und wie die Ethik-Charta auch ein- und umgesetzt wird», sagt Manuela Hess, SIHF-Medienverantwortliche.

Eben diesen Code stellt Swiss Olympic zur Verfügung. «Swiss Olympic hat vor einigen Jahren den Code of Conduct erarbeitet, der für Transparenz im Sport sorgen und Korruption vorbeugen soll. Wir erwarten von unseren Mitgliedsverbänden, dass sie diesen Leitfaden – auf ihre Bedürfnisse angepasst – übernehmen», sagt Alexander Wäfler, Leiter Medien und Information bei Swiss Olympic.

«Dass auch Eltern von talentierten Nachwuchssportlern immer stärker gefordert sind, ist uns schon länger bewusst. Bis Ende Jahr wollen wir einen Leitfaden erarbeitet haben, der sich an diese Eltern richtet und sicherlich auch auf den Umgang mit Bestechung/Korruption hinweisen wird», so Wäfler weiter. Bisher fehlt im Code ein Passus, der die Eltern betrifft.

«Im Fussball ist viel mehr Geld da»

Richi Jost, Nachwuchschef ZSC und GCK Lions – in der grössten Juniorenabteilung im Schweizer Eishockey sind 800 Kinder involviert –, hat noch nie von einem ähnlichen Bestechungsfall im Schweizer Eishockey gehört – «und ich bin doch schon lange dabei». Man veranstalte in der ZSC-Organisation auf jeder Juniorenstufe Elternabende, an denen den Eltern «auf vernünftige Art und Weise aufgezeigt wird, was wir möchten», so Jost weiter.

Dass so ein Bestechungsfall im Fussball eher auftritt als im Eishockey, ist für den 56-Jährigen nicht überraschend: «Ich habe das Gefühl, im Fussball ist viel mehr Geld da, und die Karriereplanung beginnt mit den Spielerberatern schon sehr früh. Im Hockey ist das eine andere Ausgangslage, die Transfersummen werden ganz anders aufgegleist und sind nicht so hoch.»

Sollte so ein Bestechungsfall in seiner Organisation auftauchen, würde Jost resolut handeln. «Wir würden die Trainer natürlich sanktionieren. Das geht gar nicht, da würden wir uns – gegenüber den Eltern und Spielern – unglaubwürdig machen, wenn wir nicht reagieren würden.»

Fussball

(hua)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Bull am 28.02.2019 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Geht mal an ein junioren spiel. Da gibt es noch ganz andere probleme mit den eltern. Aber da sieht man es deutlich. Geld hat den fussball kaputt gemacht. Und zwar bis nach ganz unten

  • Pia am 01.03.2019 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Die Eltern geben ja gerne und freiwillig Geld für ihre Sprösslinge. Was soll da sensibilisiert werden? Die gehören genauso angezeigt wie der Trainer. Unverständlich, dass der schon wieder einen neuen Job hat. Ehrliche Menschen suchen viel länger Arbeit.

  • M. Vogelsanger am 28.02.2019 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Kleiner Tipp

    Wer glaubt die GC Eltern hätten es übertrieben sollte mal beim FC Schaffhausen beim Nachwuchs vorbei gehen. Da erlebt man mal so richtig schöne Feindseligkeit schon zwischen den Eltern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Märsu U am 01.03.2019 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auch andere Sportarten betroffen

    Das kommt auch in andern Sportarten vor. Unsere Girls waren in einer Junioren-Nati. Da gab es immer wieder Mütter, die mit dem Trainer ins Bett hüpften, damit er ihr untalentiertes Kind ins Kader aufnimmt.

  • Herr Anwalt am 01.03.2019 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dokumente

    Dokumente anpassen? Wozu? Das weiss doch jeder, dass Bestechung strafbar ist. Egal wo. Aber bei GC ticken sie halt anders.

  • Pia am 01.03.2019 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Die Eltern geben ja gerne und freiwillig Geld für ihre Sprösslinge. Was soll da sensibilisiert werden? Die gehören genauso angezeigt wie der Trainer. Unverständlich, dass der schon wieder einen neuen Job hat. Ehrliche Menschen suchen viel länger Arbeit.

  • Coach am 28.02.2019 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit den Eltern

    Die Eltern müssen fern bleiben. Auch am Spielfeldrand muss es untersagt sein. Der Druck ist zu gross für die Kinder.

  • Mr. Bull am 28.02.2019 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Geht mal an ein junioren spiel. Da gibt es noch ganz andere probleme mit den eltern. Aber da sieht man es deutlich. Geld hat den fussball kaputt gemacht. Und zwar bis nach ganz unten