Nach Strellers Sturz

18. Juni 2019 14:13; Akt: 18.06.2019 16:09 Print

So versucht der FCB sein Chaos zu erklären

von Florian Raz, Adrian Hunziker - Präsident Burgener erklärt: Keine Krise beim FC Basel, Trainer Koller war nie freigestellt.

Präsident Bernhard Burgener schaute zurück und nach vorne. (Video: Marcel Rohner)
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Wie nennt man es, wenn der Sportchef der teuersten Fussballmannschaft des Landes vier Tage vor dem Trainingsstart den Bettel hinschmeisst? Bernhard Burgener weiss an diesem Dienstag vor allem, wie er das nicht nennen will: Krise. «Es ist doch keine Krise, wenn ein Mitarbeiter in einem Betrieb zurücktritt», sagt der Besitzer des FC Basel also.

Ganz so, als ob Marco Streller nicht das Gesicht des neuen FCB gewesen wäre, der Posterboy eines Projekts, das nach zwei Jahren in schwere Schieflage geraten ist. Es ist nicht die einzige überraschende Aussage an einer Pressekonferenz, die in 75 Minuten auf ganz viele Fragen nur sehr wenige befriedigende Antworten liefert.

Warum ist Marco Streller am Freitag als Sportdirektor zurückgetreten? Warum hat er zuvor mit Aaraus Trainer Patrick Rahmen verhandelt? Warum hat der Basler Cheftrainer Marcel Koller am Mittwoch in Begleitung seines Beraters Dinge aus seinem Büro im St.-Jakob-Park getragen?

Die Welt, wie sie der FCB sieht

Die Geschichte, die der FC Basel an diesem Dienstag erzählen will, geht so: Möglich, dass Streller mit Rahmen Gespräche geführt hat. Aber das sei völlig normal, meint Burgener: «Ich erwarte von unserem Sportchef, dass er ein paar Dossiers hat, wenn uns jemand den Trainer wegnehmen will.»

Die Medienkonferenz des FCB nach den Chaos-Tagen

Kurz darauf erklärt Koller zwar, er habe nie daran gedacht, Basel den Rücken zu kehren: «Von meiner Seite aus gab es keine Hinweise, dass ich den Verein verlassen könnte.» Aber das beirrt Burgener nicht. Er will die Öffentlichkeit glauben machen, dass mit Rahmen bloss gesprochen wurde, um bei einem eventuellen Abgang Kollers vorbereitet zu sein.

Des Weiteren bestreitet der FCB vehement, dass Marcel Koller am Mittwoch in einer Sitzung in Burgeners Büro freigestellt oder gar entlassen worden sei. Dies wird von mindestens einer Quelle behauptet. Koller sagt: «Eine Kündigung hat niemand ausgesprochen.» Burgener doppelt nach: «Es gab keine Freistellung.»

Koller und der Besuch im Büro

Trotzdem ist Koller nach jener Sitzung zusammen mit seinem Berater Dino Lamberti ins Stadion gefahren und hat Dinge aus seinem Büro getragen. Kollers Erklärung: «Weil ich schon in Basel war – und ich noch arbeiten musste –, habe ich ein paar private Sachen geholt und bin wieder in die Ferien ins Bündnerland gereist.»

Alles ganz normal also? Warum ist dann Marco Streller zwei Tage nach Kollers Besuch in Burgeners Büro zurückgetreten? Warum hat er in seiner Abschieds-SMS an die Spieler von «verschiedenen Dingen» geschrieben, «die er nicht akzeptieren kann»? Dazu mag Burgener nichts sagen: «Diese Vertraulichkeit haben er und der Verein verdient.»

Eine weitere offene Frage ist, was Streller künftig tun wird. Er ist zwar als Sportdirektor zurückgetreten, bleibt aber im Verwaltungsrat. «Er wird jetzt Ferien machen, dann sitzen wir zusammen», sagt Burgener, «wir werden noch schauen, welche Aufgaben er übernehmen wird.»

Heri will nicht Sportchef werden

Und wer wird neuer Sportchef? Die Zahl der eingegangenen Bewerbungen sei inzwischen zweistellig, erzählt Burgener. CEO Roland Heri wird bis auf weiteres die Transfer-Kommission leiten. Heri sagt selber: «Ich werde nicht der neue Sportchef sein.» Und sowieso seien die Transfers bereits von Streller aufgegleist worden: «Der Laden läuft.»

Alles gut in Basel? Nicht ganz, gibt Burgener dann doch noch zu: «In der Kommunikation können wir uns verbessern. Vertrauliche Gespräche müssen intern bleiben.» Und er äussert Vorwürfe an ungenannte Personen: «Es haben sich Leute über den Verein gestellt.»

Das Lachen der Journalisten

Bleibt das Schlusswort für den Trainer, der während Monaten durch die Aussagen von Streller und auch Burgener destabilisiert worden ist. Und der nun trotzdem die Vorbereitung auf die kommende Saison in Angriff nimmt. Koller verbringt die 75 Minuten mehrheitlich schweigend und lauscht mit verschlossener Miene, was sein Präsident und sein CEO zu erzählen haben.

Trotzdem sagt er am Schluss: «Meine Vorfreude auf die neue Saison ist riesig.» Auf das deutlich vernehmbare Schnauben aus der Schar der Medienvertreter: «Der eine oder andere von Ihnen hat jetzt gelacht. Aber ich bin ein Fussballbesessener.» Und auch noch: «Der FCB ist ein geiler Verein. Tolle Fans, super Stadion, tolle Mannschaft. Ich wollte nicht sagen, ich höre auf.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • schnarrch nase am 18.06.2019 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    gäääääähn

    Der Herr Burgener hat ungefähr soviel Emotionen wie ein abgelaufenes Natur Jogurt, er scheint mir aufgrund seines Wesens komplett ungeeignet für den Präsidenten posten.

    einklappen einklappen
  • Gert F. am 18.06.2019 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Konsequent

    Wenn ich Koller wär würde ich mir schnellst möglich einen neuen Job suchen...

    einklappen einklappen
  • Na am 18.06.2019 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie doch wieder nicht recht

    Jetzt, da Streller weg ist, wie von vielen gewünscht, geht man auf Burgener und Koller los.

Die neusten Leser-Kommentare

  • FC Bittersüess am 20.06.2019 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung

    Die Lösung wäre, dass die Mehrheit des FCB inkl Fans vom hohen Ross runter kommt und zur Realität über geht. Schön wart ihr in den letzten Jahren ein toller Verein mit grossen Erfolgen. Von der Vergangenheit, welche nun auch schon ein Weilchen her ist kann man sich nichts kaufen!

  • Realität am 20.06.2019 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Noch nicht angekommen

    Irgendwie lebt der FCB noch in der Vergangenheit und träumt von den guten Zeiten und meint, alles kommt schon irgendwie gut. Die Brisanz der Lage scheint da weder beim ersten noch beim letzten Basler angekommen zu sein. Scheint als würde da viel, ja wahrscheinlich zu viel im argen liegen. Mir jedenfalls gefällts, so wird die Chance auf einen Schweizermeister welcher nicht Bisel heisst enorm grösser.

  • Adrian Krojer am 19.06.2019 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Verhalten

    So ein Verhalten von Oberen eines Vereins hab ich noch nie erlebt . Als Trainer würde ich mir das nicht gefallen lassen .

  • Ken Taurus am 19.06.2019 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Langsam wird es langweilig

    Jeden Tag ein neuer Artikel mit dem selben Inhalt zum FCB. Langweilig.

  • Alex Felix am 19.06.2019 01:03 Report Diesen Beitrag melden

    BlalBlaBlaa

    Da redet det Herr Burgener, und redet und redet und sagt gar nichts. Die Kommunikation soll besser werden. Wer das nichtssagende Gebabbel hört, dem wird klar, dass das gar nicht besser werden kann. Mit Heusler und Heitz wäre so etwas nie passiert. (Das ist auch eine Frage der Intelligenz). Deshalb kann es auch nicht besser werden, denn: "Der Fisch stinkt vom Kopfe her."