Jugendakademie

22. Februar 2011 07:59; Akt: 27.02.2011 10:21 Print

So wird bei Ajax Amsterdam trainiert

von Reto Fehr - Der junge Schweizer Stefan Marinkovic trainiert seit drei Wochen in der Talentschmiede von Ajax Amsterdam. 20 Minuten Online gibt der 17-Jährige einen Einblick in seinen Alltag.

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In der Ajax Academy De Toekomst werden junge Talente aus aller Welt ausgebildet. (Bild: ajax.nl)

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Vor drei Wochen wechselte Stefan Marinkovic von Luzern zum holländischen Spitzenklub Ajax Amsterdam. Der 17-Jährige schweizerisch-serbische Doppelbürger, der sich mit der Schweiz für die U17-EM in Serbien qualifizieren will, besucht die Ajax Academy De Toekomst (die Zukunft) und hofft auf den Durchbruch bei den Profis.

Die weltberühmte Talentschmiede brachte schon Stars wie Johan Cruyff, Marco van Basten, Johan Neeskens, Frank Rijkaard, Edgar Davids, Dennis Bergkamp, Clarence Seedorf, Wesley Sneijder oder Rafael van der Vaart – um nur einige zu nennen - heraus. Mit 20 Minuten Online spricht Marinkovic über seine ersten Erfahrungen beim Traditionsklub.

20 Minuten Online: Wie erlebten Sie die ersten Wochen bei Ajax?
Stefan Marinkovic: Ich bin teilweise schon beeindruckt. Es ist eine heftige Anlage. Allerdings war ich auch schon bei Arsenal im Probetraining. Jene Infrastruktur übertrifft alles. Aber eigentlich realisiere ich noch gar nicht alles.

Was ist anders als zuvor beim FC Luzern?
Praktisch alles. Die Spieler sind vor allem technisch und konditionell stark. Ich werde hier wie alle auf drei Positionen ausgebildet: Als linker Aussenverteidiger, linker Innenverteidiger und im linken Mittelfeld.

Merken Sie einen Niveau-Unterschied?
Ich muss vor allem physisch einiges aufholen. Dafür habe ich ein spezielles Fitnessprogramm erhalten. Bis im Sommer geht es vor allem darum, das Niveau anzugleichen und mich mit dem typischen 4-3-3-System vertraut zu machen. Ab dann läuft mein Dreijahresvertrag.

Stimmt es, dass bei Ajax nur ehemalige Profi-Fussballer die Junioren trainieren?
Das stimmt mit einer Ausnahme. Mein Haupttrainer bei der U17 ist Robin Pronk. Er war nie Profi, ist aber der Sohn von Ajax-Legende Ton Pronk. Es macht Spass mit ihm, er ist immer gut drauf. Bei der U19 wird dann Dennis Bergkamp mein Trainer sein.

Und Sie haben keine Verständigungsprobleme?
Die meisten Trainer sprechen auch Deutsch. Und sonst übersetzt mir Teamkollege Boban Lazic, der auch Serbisch spricht. Zudem lerne ich von Montag bis Freitag Holländisch. Sobald ich die Sprache beherrsche, habe ich die Möglichkeit noch weitere Sprachen zu lernen. Ich werde wohl Englisch und Spanisch nehmen.

Man sagt, bei Ajax herrschen raue Sitten. Wenn jemand sein Trainingsmaterial vergisst, wird er hart bestraft.
Das weiss ich nicht. Bisher ist das bei mir noch nie vorgekommen. Und ich hoffe, dass das so bleibt.

Auf der Klub-Homepage beschreibt Ajax das TIPS-Modell, welches bei der Jugend angewendet wird. Es steht für Technik, Spielverständnis (holländisch: Inzicht), Persönlichkeit und Schnelligkeit. Dabei soll auch jeder Spieler einen Ajax-Passport erhalten, in welchem die Fortschritte eingetragen werden.
Ich habe noch keinen solchen Pass, habe den aber schon bei anderen Spielern gesehen. Mir wurde dieses System noch nicht detailliert erklärt.

Wie läuft ein typischer Tag von Ihnen ab?
Um 9 Uhr stehe ich auf und frühstücke. Um 9.45 Uhr werde ich vom Teambus abgeholt, welcher mich zum Trainingszentrum fährt. Dann lerne ich ab 10.30 Uhr zwei Stunden Holländisch. Nach dem Mittagessen haben wir eine Stunde frei, bevor von 14.30 bis 16.30 Uhr das Training auf dem Programm steht. Anschliessend mache ich meine Fitnessübungen und von 17 bis 18 Uhr essen wir etwas. Danach habe ich 75 Minuten Zeit für Hausaufgaben und um zu lernen. Um 20.15 Uhr fährt mich der Bus zurück zu meiner Gastfamilie.

Sie wohnen bei einer Gastfamilie?
Ja, genau. Sie nehmen seit Jahren immer wieder Ajax-Spieler auf. Christian Eriksson, der jetzt in der ersten Mannschaft spielt, war auch bei ihnen.

Wie kam es eigentlich zum Kontakt mit Ajax?
Der Chefscout und Tom Pronk haben mich schon während einem Jahr beobachtet. Dann nahmen sie Kontakt mit mir auf und ich konnte im letzten November ein Probetraining besuchen. Dabei durften wir auch das Champions-League-Spiel zwischen Ajax und Real Madrid (0:4) verfolgen. Das Stadion war schon eindrücklich.

Ich nehme an, es ist Ihr Traum, einmal in dieser Amsterdam Arena mit der ersten Mannschaft spielen zu können?
Mein Traum ist es, Profifussballer zu werden. Dann noch hier zu spielen, wäre gewaltig.

Aber der Weg ist noch lang und steinig.
Klar ist der Weg noch weit. Aber ich habe hier eine gute Ausgangslage. Die Philosophie von Ajax setzt auf die Jugend. Fällt einer der ersten Mannschaft aus, rückt einer der Reserve nach, dann der U19. Vor kurzem debütierte beispielsweise Jody Lukoki bei den Profis. Ich schaue von Woche zu Woche und hoffe, irgendwann einmal auch eine Chance zu erhalten (Anm. d. Red.: Der 18-Jährige Lukoki kam am 19. Januar gegen Feyenoord zu einem zehnminütigen Einsatz. Er spielt normalerweise in der U19, zu der auch Marinkovic gehört).