Selbstschutz

05. Februar 2010 12:42; Akt: 05.02.2010 12:42 Print

Sollen Fussball-Goalies künftig Helm tragen?

von Herbie Egli - Immer öfter werden Fussball-Torhüter am Kopf verletzt. Nun wird in Deutschland der Ruf nach Helmen laut, wie ihn Tschechiens Natigoalie Petr Cech trägt. Bei Schweizer Spielern stösst diese Idee auf grosses Echo.

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Petr Cech machts vor, die Schweizer Goalies sollen auch einen Helm tragen.

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Torhüter leben gefährlich. Dass sie bei ihren Abwehraktionen auch mal einen gegnerischen Kopf oder einen Ellenbogen abbekommen, ist keine Seltenheit. Auch gravierende Verletzungen nicht.

Ein Spieler, der von Schlägen an den Kopf oder Zusammenstössen ein Lied singen kann, ist FCZ-Abwehrchef Hannu Tihinen. Seit anderthalb Jahen trägt er ein spezielles Stirnband, das ihn vor solchen Attacken besser schützt. «Ich hatte schon mehrere Hirnerschütterungen, darum trage ich dieses Band. Ohne diesen Schutz wäre mir das Risiko zu gross», sagt Tihinen zu 20 Minuten Online. Was den Schutz der Torhüter betrifft, meint der 33-jährige Finne: «Den Goalie-Helm finde ich eine gute Idee.»

Bei einem Eckball für den FCZ geht Tihinen mit in die Offensive und scheut sich im gegnerischen Sechzehner nicht, auch mal mit dem Ellbogen einzusteigen. Ist das der Fall, könnte zum Beispiel im Zürcher Derby GC-Goalie Yann Sommer der Attackierte sein. Der Schweizer U21-Torhüter hat sich mit der Helm-Frage aber noch nicht ernsthaft auseinandergesetzt. «Glücklicherweise hatte ich bisher noch keine gravierende Verletzung, und ich hoffe, dass ich auch in Zukunft davon verschont bleibe. Einen Kopfschutz habe ich noch nicht ausprobiert, aber ich werde natürlich die Entwicklung weiter verfolgen.»

«Helm-Pflicht für Torhüter»

Die aktuelle Diskussion um die Sicherheit der Torhüter brachte Dortmunds verletzter Goalie Roman Weidenfeller ins Rollen. Beim Rückrundenauftakt Mitte Januar verletzte er sich zwar am Bein - er war mit seinem Mitspieler Neven Subotic und Kölns Stürmer Milivoje Novakovic zusammengeprallt. Seither ziert eine sechs Zentimeter lange Narbe sein Knie. Am Mittwoch sagte Weidenfeller in der «Bild-Zeitung»: «Wir Torhüter leben immer gefährlicher. Ich fände es gut, wenn wir noch mehr von den Schiedsrichtern geschützt würden!»

Nun legte Ex-Kaiserslautern-Goalie Georg Koch noch einen obendrauf: «Wenn ich sehe, wie viele Zweikämpfe inzwischen im Strafraum mit dem Ellbogen ausgetragen werden und wie oft die Stürmer durchziehen, macht ein Helm schon Sinn. Er könnte bestimmt die eine oder andere schlimme Verletzung verhindern!»

Koch selbst musste seine Profikarriere vor zwei Jahren beenden. Damals war er Torhüter bei Rapid Wien. Im österreichischen Hauptstadt-Derby gegen Austria explodierte ein Knallkörper aus dem Fanblock neben ihm. Koch erlitt einen Innenohrschädigung und hatte fortan Gleichgewichtsprobleme.

Am Karrierenende vorbeigeschrammt

Auch Nürnbergs Schlussmann Raphael Schäfer zog einen Kopfschutz schon in Betracht. Nach einem Zusammenprall vor drei Jahren sagte er: «Ich denke ernsthaft daran, mit Helm zu spielen.» Getan hat er es aber noch nie.

Einer, der seit drei Jahren mit einem Helm spielt, ist der tschechische Natigoalie von Chelsea, Petr Cech. Im Herbst 2006 zog er sich während einem Premier-League-Spiel nach einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler einen Schädelbasisbruch zu. Anfang 2007 nahm Cech das Training bereits wieder auf und trägt seither einen 80 Gramm schweren Kunststoffhelm. Der heute 27-Jährige bemängelte nach seiner schweren Verletzung ebenfalls, dass Torhüter zu wenig Schutz durch die Schiedsrichter erhielten.