Fussball in der Kreide

07. April 2012 12:51; Akt: 19.04.2012 15:52 Print

Spanischer Europacup-Erfolg auf Pump

von Eva Tedesco - Spaniens Vereine sind international erfolgreich. Der Erfolg hat aber seinen Preis, den die Klubs aus dem Land des Weltmeisters offenbar nicht gerne bezahlen: Sie schulden dem Fiskus rund 752 Millionen Euro an Steuern.

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Spaniens Vereine sind international top: Real Madrid und Barcelona stehen im Halbfinal der Champions League. Bilbao, Valencia und Atletico Madrid heissen die Semifinalisten in der Europa League. (Keystone)

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Sportlich haben die Spanier die Nase vorn. Real Madrid und Barcelona stehen in den Halbfinals der Champions League. Mit Athletic Bilbao, Valencia und Atlético Madrid bestreiten gleich drei spanische Teilnehmer die Semifinals der Europa League. Erfolg hat aber auch seinen Preis. Die Fussball-Klubs stehen mit rund 3,5 Milliarden Euro in der Kreide – über 750 Millionen (905 Millionen Franken) davon sind Steuerschulden, die sie dem Staat schulden. 490 Millionen sollen die Ausstände der Primera Division und 184 Millionen von Klubs aus der zweiten Liga betragen.

Die 750 Millionen entsprechen in etwa der Summe, die der Bund den Kantonen für die nächsten vier Jahre für Umweltprogramme zur Verfügung stellt oder in etwa der Summe, die Migros 2007 in den Kauf des 70 Prozent Anteils an Denner investieren musste. Atlético Madrid allein schuldet dem Fiskus 215 Millionen Euro, 48 Millionen Barça und der Zweitligist Valladolid mehr als 30 Millionen. Einzig Real Madrid liess verlauten, dass man dem Finanzamt keinen Cent schulde. Und die übrigen Schulden (rund 170 Millionen) stünden durchaus im Verhältnis zum Umsatz. Aber auch bei der Sozialversicherung sollen Zahlungen so selten sein wie Regen im spanischen Hochsommer. Aus Gründen des Datenschutzes liegen hier allerdings keine Zahlen vor.

«Es muss doch möglich sein, Steuern zu bezahlen»

Um das Problem aus der Welt zu schaffen, überlegt die Regierung zusammen mit den Vereinen einen Zeitplan für die Begleichung der Schulden zu erstellen. «Der Fussball wird seine Steuerschulden begleichen», sagte Sportminister Miguel Cardenal gegenüber der spanischen Zeitung «Marca». Ausserdem soll eine Lösung gefunden werden, dass sich in Zukunft kein neuer Schuldenberg anhäufen kann.

«Bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro im Jahr müsste es doch möglich sein, auch Steuern zu zahlen», so der Staatssekretär. Wie die Pläne aussehen, darüber wurde nicht informiert. Aber auch der spanische Profiliga-Verband bekräftigte, dass 85 Prozent der Vereine – die Namen der drei Ausnahmen wurden nicht genannt – mit den Steuerbehörden in Verhandlungen seien und entsprechende Zahlungs-Garantien auf gutem Weg sind.

Die Forderungen der Klubs

Im Gegenzug haben die Vereine auch Forderungen. Dazu gehört die Abschaffung der Übertragung der Ligaspiele im Free-TV, sowie eine höhere Beteiligung der Klubs an den Toto-Einnahmen und den Internet-Wetten. Vor allem hier könnte die Regierung zu Zugeständnissen bereit sein, spekuliert die spanische Presse.

Womöglich wird die Liga die Verteilung der TV-Gelder anpassen. Derzeit erhalten Real und Barça je 140 Millionen. Die restlichen 15 Klubs teilen sich den Rest von rund 560 Millionen. Würden die Fernsehgelder nach einem ähnlichen Schlüssel verteilt wie in der Serie A, der Premier League oder in der Bundesliga, gäbe es für die Königlichen und für die Katalanen weniger als 50 Millionen Euro.

Ein Fass ohne Boden

Zu den Steuerschulden und den Ausständen bei den Sozialversicherungen kommen Verbindlichkeiten bei Banken und Investoren. Auch dieser Schuldenberg wird von Volkswirtschaftern insgesamt auf über vier Milliarden Euro geschätzt. Saragossa, Granada, Racing Santander, Rayo Vallecano, Betis Sevilla und Mallorca haben Insolvenzverfahren beantragt. Erstligist Osasuna hat beim Fiskus bereits um einen Aufschub für die Zahlung seiner Steuerschulden angefragt – einen Aufschub von 75 Jahren.

2011 hat der Ligaverband für die Saison 2014/15 eine neue Regelung zur besseren Finanzkontrolle der spanischen Fussball-Klubs erlassen. Überschuldeten Vereinen droht dann der Zwangsabstieg oder der Ausschluss aus der Liga. Aber in Spanien wird selten so heiss gegessen, wie gekocht wird: 1995 wurden Celta Vigo und der FC Sevilla in die 3. Liga zwangsrelegiert. Nach Fan-Protesten wurden die beiden Vereine wieder für die höchste Spielklasse zugelassen und die Primera Division spielte einfach eine Saison mit 22 statt 20 Vereinen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lars am 07.04.2012 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Vereine...

    ...sind ja ach so erfolgreich. Die sollten endlich ihre Schulden zahlen und vor allem keine neuen machen dürfen. Mit Spielertransfers die in die Millionen gehen, die sie sich anhand ihres Kontostandes aber gar nicht leisten können, machen sie den Fussball kaputt. Man überlege mal, wie spannend die spanische Liga sein könnte, wenn Real und Barca nicht jeden Spieler verpflichten könnte.

  • C. Spring am 07.04.2012 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PEINLICH

    Nur noch peinlich. Jetzt ist die zeit gekommen vo man den fussballclubs das geld nicht mehr gibt wen Sie Schulden haben. Es kann doch nicht sein das diese clubs solche schulden machen machen können ohne das es Konsequentzen gibt. Aber wie wir wissen regiert das GELD DIE WELT und das ist nur noch peinlich. Schauen sie mal in die BL in Deutschland dort hat kein club schulden. Einfach nur noch lächerlich was dort abgeht.

  • C.Zemp am 08.04.2012 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit Manu ?

    Klar haben spanische Clubs schulden aber warum redet niemand von Manchester United die haben soviel Schulden wie die ganze spanische Liga zusammen. Manchester United hat über 500Million Pfund nicht Schweizer Franken.. PFUND Schulden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • C.Zemp am 08.04.2012 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit Manu ?

    Klar haben spanische Clubs schulden aber warum redet niemand von Manchester United die haben soviel Schulden wie die ganze spanische Liga zusammen. Manchester United hat über 500Million Pfund nicht Schweizer Franken.. PFUND Schulden.

  • Remo am 07.04.2012 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spanische Schuldenkrise

    Im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euro-Land wird ja Spanien auch immer mal wieder genannt! Für die anderen europäischen Finanzminister sicher interessant zu wissen wo man 750Mio Euro "finden" kann!

  • spanier am 07.04.2012 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    wird die rechnung aufgehen?

    wieso schaut der staat so lange zu bei diesen schuldenmengen? weil er vom fussball und im allgemeinem vom sport sich profit erhofft. wieso hat spanien in den letzten 10 jahren so zugelegt im sport? weil der staat ohne ende in den sport investiert hat. wird die rechnung aufgehen? wird sich zeigen..sportlich sicher..finanziell ist bei der wirtschaftssituation fraglich, aber nicht ausgeschlossen.

  • Marco Ranzani am 07.04.2012 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Seit Jahren

    ach, seit Jahren wird nun immer wieder gesagt, dass der spanische Fussball am Rande des Ruins steht. Aber wie bei den Banken geht es immer weiter und der Fussball wird darum nie still stehen. (Ich muss aber anfügen leider.) Denn ein solches Wirtschaften ist absolut gegen das Financial Fair Play Agreement!

  • Madridista! am 07.04.2012 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alle in den gleichen Pott stecken!

    Aber dass Madrid genau 0 Schulden hat, vergesst ihr von 20min wohl gerne... Offiziele Zahlen: Real Madrid 0 Barca 48 mio Atleti: 155 mio Levante 22.8 usw quelle. marca.com

    • Moritz Leutenegger am 07.04.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      pfff real und schuldenfrei...

      der einzig schuldenfreier grossclubs in europa sind die bayern, und das, weil die bundesliga (und hoeness!) eine viel klügere finanzpolitik führen als alle spanier zusammen. mal schauen, wie lange das noch gut geht bei diesen schulden

    • Murri-nho am 07.04.2012 15:38 Report Diesen Beitrag melden

      650Mio?

      genau, Real hat vielleicht keine Steuerschulden, dafür haben sie sonst 650 Mio Euro Schulden. Die Bayern sind wohl wirklich der fianziell gesündeste Topklub Europas

    • Kevin #1 am 07.04.2012 16:11 Report Diesen Beitrag melden

      Arsenal auch

      Arsenal und Bayern sind die einzigen ohne Schulden soweit ich weiss =)

    • Jemand der span. Medien verfolgt am 07.04.2012 17:07 Report Diesen Beitrag melden

      Real ist wirklich Schuldenfrei

      @ Leutenegger & Murri-nho: Es mag sein, dass Bayern eine klügere Finanzpolitik führt, aber Tatsache ist, dass Real Schuldenfrei ist. Es ist den Medien in Mitteleuropa offenbar entgangen, dass Real Madrid u.a. sein ideal gelegenes Trainigsgelände für ca. 700 Mio verkauft hat, hinzu kommt noch, dass kein Verein weltweit am meisten Umsatz macht. Die neuen Spieler müssen via Merchandising refinanziert werden, als Bsp. Beckham oder Ronaldo konnte innerhalb drei Monaten durch Merchandising finanziert werden. Zudem müssen die Spieler die Hälfte der Werbeeinnahmen an den Verein abgeben.

    • Mathias Stalder am 07.04.2012 17:43 Report Diesen Beitrag melden

      europ. Fussball: Schuldenwirtschaft

      Ich schliesse mich Murri-nho an. Real keine Schulden? Reine Utopie!! In der privaten Wirtschaft würde man Real den Konkurs aufzwingen!!

    • dr Fasel am 07.04.2012 21:49 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      neben basel ;)

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