Scouts halten Ausschau

08. Juni 2011 22:56; Akt: 10.06.2011 00:27 Print

Spieler-Basar an der U21-EM in Dänemark

von Sandro Compagno - Abflug zum Basar, der U21-EM heisst. Die «kleine» Nati ist gestern nach Dänemark abgereist. Mit einer guten Leistung können die 23 Spieler ihre Karrieren neu lancieren oder richtig durchstarten.

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EM als Basar: Für Xavier Hochstrasser (l.) und Nassim Ben Khalifa geht es auch um die persönliche Zukunft. (Montage Thomas Hagnauer, Colourbox/Key)

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Zum Beispiel Frank Feltscher (23): Mit Bellinzona ist der Mittelfeldspieler aus der Super League abgestiegen, einen neuen Verein hat er noch nicht. Oder Xavier Hochstrasser (22): Der Aufbauer verlässt Padua nach sechs Monaten in der Serie B. Eine Rückkehr zu YB ist unwahrscheinlich. Oder Nassim Ben Khalifa (19): Der U17-Weltmeister fiel nach seinem frühen Wechsel nach Deutschland tief – bis in die Regionalliga Süd.

«Eine gute EM zu spielen, macht vieles einfacher», weiss Nationaltrainer Pierluigi Tami um die Bedeutung des Turniers, das am Samstag mit der Partie zwischen Dänemark und der Schweiz (20.45 Uhr, SF zwei) beginnt. Tami betont bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Team-Gedanken. Hat er keine Angst, dass sich im Rummel einer EM Individualismus und Egoismus über den Teamgeist erheben? «Doch, das kann stören.» Am Tessiner wird es liegen, seine 23 Spieler mit ihren Partikularinteressen zu einer verschworenen Einheit zu formen.

«Die EM ist für jeden Spieler ein Schaufenster», sagt Spielerberater Max Urscheler. Hinter vorgehaltener Hand wird das Turnier auch als «orientalischer Basar» bezeichnet. Denn am Turnier werden die Chef-Scouts und Sportchefs und damit die Entscheidungsträger der europäischen Grossklubs auf den Tribünen sitzen. «Ein Grossteil der Fussballwelt schaut nach Dänemark», sagt Urscheler. Auch Spielerberater Christoph Graf betont die Wichtigkeit der «ungeraden Nachwuchs-Turniere» (U17, U19, U21), wo sich die Talentsucher tummeln. Aber er warnt: «Die Maschen im Netz sind sehr fein. Bis man durch sie hindurch zu einem Grossklub schlüpfen kann, braucht es sehr viel.»

Der Marktwert der Schweizer U21 betrug gestern vor dem Abflug nach Aalborg geschätzte 38 Mio. Franken. Erreicht sie ihr erklärtes Ziel, den Halbfinal, dürfte er in zweieinhalb Wochen um einige Millionen höher sein.