Ukraine

11. November 2019 08:12; Akt: 11.11.2019 10:10 Print

Fussballer wird rassistisch beleidigt – und sieht Rot

In der ukrainischen Liga kommt es zu einem Eklat. Der Brasilianer Taison wird rassistisch angegangen, der Schiedsrichter hat dafür kein Gehör.

Platzverweis und Tränen: Der Brasilianer Taison wehrt sich erst gegen rassistische Rufe aus dem Publikum, sieht dann die Rote Karte und verlässt schliesslich aufgelöst den Platz.
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Das ukrainische Topspiel zwischen Schachtar Donezk und Dynamo Kiew ist am Sonntag von einem Rassismus-Vorfall überschattet worden. Noch immer spielt Tabellenführer Schachtar wegen der Unruhen im Donbass im Exil in Charkiw. Dort unterbrach der Schiedsricher die Partie in der 77. Minute beim Stande von 1:0 wegen rassistischer Beleidigungen von den Rängen.

Als die Spieler auf den Rasen zurückkehrten dann die grosse Überraschung: Weil er auf die Beleidigungen der Fans reagiert hat, wird der Brasilianer Taison mit Roter Karte vom Platz geschickt. Nach den Beleidigungen durch die Fans zeigte der 31-Jährige den Zuschauern den Mittelfinger und schoss einen Ball auf die Tribüne.

Es heisst, der sechsmalige brasilianische Nationalspieler, der seit 2011 in der Ukraine spielt, habe unter Tränen den Platz verlassen. In einer ersten Mitteilung von Schachtar verurteilte der Club das Verhalten der Fans. Der Verein werde immer seine Spieler schützen, teilte der Champions-League-Teilnehmer mit. Trainer Luis Castro lobte die Profis für ihr Verhalten auf dem Platz. «Ich möchte jeden unterstützen, der unter Rassismus leidet und die Jungs, die heute leiden mussten», sagte er. Jede Form von Rassismus sei «inakzeptabel». «Wir müssen gemeinsam dagegen kämpfen – jeden Tag, jede Minute und jede Sekunde», forderte der Portugiese.

Laut der Organisation FARE, die sich gegen Rassismus im Fussball engagiert, hatte Taisons offenbar ebenfalls beleidigter Teamkollege Dentinho den Schiedsrichter über die rassistischen Rufe informiert, der daraufhin gemäss des Drei-Stufen-Protokolls der Uefa zunächst eine Stadiondurchsage veranlasst hatte.

Die dritte Stufe, die Partie nach der Unterbrechung schliesslich ganz abzubrechen, habe er jedoch nicht aktiviert, kritisierte FARE. Stattdessen sei das Opfer des Rassismus-Skandals des Feldes verwiesen worden.

Fussball

(mrm/dpa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lea B. am 11.11.2019 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeichen setzen

    Die Fifa sollte endlich drastischer vorgehen. Wenn sie nun kein zeichen setzen, wird es in zukunft immer mehr solche fälle geben. Beim ersten mal club ermahnen, beim 2. mal direkt 5 jahre von europaischen wettbewerben ausschliessen. Inkl heimspiele auf leeren rängen.

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  • Beaetel am 11.11.2019 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Fans dürfen sich alles erlauben

    Die beleidigten Spieler scheinbar nichts. Die rassistischen Fans wurden sogar belohnt, weil der von ihnen angegriffene Spieler vom Platz musste und seine Mannschaft so geschwächt wurde. Verkehrte Welt.

  • George Kannenfeld am 11.11.2019 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gar nicht sooo lange her

    Kann mich noch gut erinnern selbst rassistische Bemerkungen in der Muttenzerkurve gehört zu haben. In der Anonymität der Menschenmenge ist manch einer viel "mutiger". Schön dass dies inzwischen nicht mehr geduldet wird in der Kurve. Unseren beiden Brasilianern wünsche ich das Beste beim FCB und hoffe auf viiiele Tore :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • pretty_licka am 12.11.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Jean Pierre Rene am 11.11.2019 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Say no to racism

    Bedenklich, wenn es immernoch Fans gibt die Spieler rassistisch beleidigen. Hat im Sport und auch sonst nichts verloren. Da mangelt es meiner Meinung an der Bildung und der Erziehung.

  • Kein FCB Fan. am 11.11.2019 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nur so freut sich der Gegner.

    Tore ja, aber Eigentore.

  • Giancarlo am 11.11.2019 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Zu schwierige Regeln?

    Was nützen die Regeln, wenn man sie vor lauter Dummheit weder interpretieren noch anwenden kann? Deshalb sollte man eine einfach zu interpretierende Regel aufstellen: bei rassistischen Beleidigungen das Spiel abbrechen.

  • LeololS am 11.11.2019 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rote Karte zurecht

    Der Schiedsrichter darf dem Spieler aus meiner Sicht die rote Karte definitiv zeigen. Rassistische Beschimpfungen sind keine Rechtfertigung für andere Beleidigungen. Das Spiel hätte jedoch gar nicht vorgesetzt werden dürfen, als die rassistischen Rufe weiter gingen.