Bei Adi Hütters Club

11. Juli 2019 11:49; Akt: 11.07.2019 16:59 Print

Spionageskandal in der Bundesliga

Es geht um Datenklau im grossen Stil: Eintracht Frankfurt soll RB Leipzig ausspioniert haben. Nun hat der Bundesligist eine Klage am Hals.

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Zugegeben hat er es schon mal, der Peter Fischer. Eintracht Frankfurts Präsident bestätigte gegenüber der «Bild», dass der Verein einen U-17-Trainer entlassen habe, der für die Spionage bei RB Leipzig verantwortlich gewesen sei. Doch der Verdacht erhärtet sich, dass dies nur die Spitze des Eisbergs sein könnte.

Über Jahre soll sich der fehlbare Juniorencoach ins Scouting-System ISB (International Soccer Bank) des Bundesliga-Konkurrenten eingeloggt haben, wodurch er Einsicht in Daten von fast 235'000 Spielern weltweit hatte. Offenbar seien auch Profile von internationalen Topspielern abgerufen worden – für diese hätte sich ein Nachwuchstrainer eigentlich nicht zu interessieren. «Für uns ist das ein Riesenskandal. Wir reden hier nicht von Falschparkieren. Das ist 22 Monate Diebstahl von Daten», sagt Jürgen Kost, Geschäftsführer der ISB. So lange dauerte es nämlich, bis der Missbrauch aufgedeckt wurde.

Wie viele Personen waren involviert?

Kost spricht von exakt 5664 Zugriffen über diesen Zeitraum und glaubt deshalb, dass mehr als nur eine Person am Werk gewesen sei: «Die Häufigkeit und intensive Nutzung lässt den Rückschluss zu, dass es sich nicht nur um eine Einzelperson handelt – speziell wenn man weiss, welches Arbeitspensum Trainer bewältigen müssen.» Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Frankfurts Aufsichtsratsmitglied Dieter Burkert entschieden: «Man muss bei der Benennung aufpassen: Ein Log-in in die Datenbank bedeutet einen Zugriff. Die genannte Zahl sind aber die Klicks.» Log-ins habe es im erwähnten Zeitraum 170 gegeben, der mittlerweile entlassene Trainer habe sich einfach durch die Profile geklickt.

Die ISB hat nun beim Landgericht Frankfurt eine Klage wegen Urheberrechtsverletzung und Datenmissbrauchs gegen Eintracht Frankfurt eingereicht. Vorerst forderte die Firma rund 200'000 Euro, mittlerweile beläuft sich der Streitwert noch auf knapp 43'000 Euro.

Die Log-in-Daten sollen übrigens von RBs ehemaligem New-York-Chefscout weitergegeben worden sein. Der Mann wurde bereits entlassen – da es offenbar weitere Zugriffe gab, mit denen Frankfurt nichts zu tun hatte, wird davon ausgegangen, dass er die Angaben auch noch an andere Personen weitergab. Und was sagt RB dazu? «Wir haben Kenntnis von Unregelmässigkeiten in einem nicht unerheblichen Umfang», so Kommunikationsdirektor Florian Scholz gegenüber «Sport im Osten». Er glaubt aber nicht, dass es einen Zusammenhang zwischen den Zugriffen auf die Datenbank und Transfers seitens Eintracht Frankfurt gegeben habe. Sicher ist jedoch: Die Anwälte werden sich noch eine Weile damit beschäftigen und für den von Adi Hütter gecoachten Verein ist ein riesiger Imageschaden entstanden.

Fussball

(fas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Digitalisierung 4.0 am 11.07.2019 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf einem Auge blöd

    Aufwachen Leute, das hat man von der Digitalisierung und besser wird das nicht. Aber es soll immer noch Leute geben, welche glauben das Internet sei sicher.

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  • Frau Müller am 11.07.2019 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Das hat doch nichts mit Spionage zu tun

    Und erst recht wurde nicht RBL ausspioniert. ISB ist eine kostenpflichtige Datenbank und ein Trainer hat seine Logindaten verbotenerweise an andere Trainer weitergegeben die den Service so gratis nutzen konnten. Hier geht es um nichts anderes als wenn man das Netflixkonto mit Freunden teilt, nur, dass es hier nicht um 15 Franken im Monat sondern vermutlich um ein paar Millionen pro Jahr geht.

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  • sven am 11.07.2019 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    imageschaden??

    wer frankfurt und vor allem die fans kennt weiss, dass sich wegen der neugier eines einzelnen keiner der fans vom klub abwendet. das sind keine schönwetter fans wie von bayern oder basel

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Neon am 11.07.2019 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Spionage - Skandaall!!!

    Oh mein Gott! Ein Skandal, eine Tragödie, der Weltuntergang naht! Spionage, Verrat, Leben sind in Gefahr! Logindaten für eine kostenpflichtige Datenbank wurden weitergegeben...

  • Harper am 11.07.2019 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kriminalität

    Es geht wieder einmal um Kohlen, diese Branche ist vielfach am Rande der Kriminalität.

  • Zora König am 11.07.2019 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schutz

    Ich möchte nie das mein Arzt die Daten noch Namen an einem Spital weiter gibt ohne meine Erlaubnis ,ich würde den einklagen.

    • Kein König am 12.07.2019 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zora König

      was jat das mit fussball zu tun?

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  • Dosenverein am 11.07.2019 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RB Leipzig

    RB kann man von mir aus so lange schädigen bis das Produkt wieder dort ist wo es 2008 war.

    • Tom - Bern am 11.07.2019 16:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Dosenverein - mit welcher Begründung?

      Nur weil Du RB nicht magst, sollen sie wieder zurück? Red Bull hat eben Geld investiert, genau wie damals ein Herr Hopp in Hoffenheim. Und damit haben die Vereine in Spieler investiert. Aber ob der Sponsor nun Red Bull heisst und einen kleinen Verein gross macht, oder ob der Sponsor Gazprom heisst und einem halbwegs grossen Verein Geld gibt, damit dieser in Spieler investieren kann macht keinen Unterschied

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  • Tom - Bern am 11.07.2019 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    verstehe ich das richtig?

    Bei RedBull geht der ChefScout (oder wird gegangen) und sensible Zugangsdaten werden nicht geändert? Also ich kenne dies so, dass wenn ein entsprechender Mitarbeiter geht, dass zunächst einmal alle seine Zugänge zu Systemen blockiert werden und dass bei Fremdsystemen, auf die man selbst zugreift, die Kennwörter geändert werden.