Gefährliche Schwingungen

18. Oktober 2011 10:16; Akt: 18.10.2011 10:41 Print

Springen, bis das Stadion wackelt

Wochenende für Wochenende hüpfen in ganz Europa Fans im Fussballstadion auf und ab und feuern ihre Mannschaft an. Das ist nicht ungefährlich: Ein deutscher Ingenieur warnt vor möglichen Katastrophen.

Hüpfende Dortmunder Fans bringen das Stadion in Nürnberg zum Schwingen. (Video: YouTube)
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Man kennt es vor allem von Fussballspielen: «Wär nid gumpet isch kein ..., hey, hey.» Während die Fans dieses Lied singen, hüpfen sie auf den Tribünen auf und ab. Tun sie das in den unteren Sektoren, ist dies nicht problematisch. Wenn sich der springende Menschenknäuel aber in den oberen Rängen in Bewegung setzt, kann es ganz gefährlich werden.

Michael Kasperski - Bau-Ingenieur an der Uni Bochum - wollte genau wissen, welche Effekte hüpfende Fans in der Statik eines Stadions auslösen. In einem Labor liess er auf einer Kraftmessplatte Testpersonen auf- und abspringen. 2400 Mal pro Sekunde wurde gemessen, wie stark sie sich abdrücken oder welche Last sie beim Landen entwickeln. Kasperski war ob der Resultate besorgt. «Was ich da sehe, lässt mich nicht unbedingt ruhig schlafen, sagt er im «Spiegel».

Zwei Dutzend Fans wirken wie 400 Tonnen

Springt ein 80-kg-Mann auf der Tribüne herum, belastet er diese mit dem drei- bis fünffachen Körpergewicht, fand Kasperski heraus. Also mit 240 bis 400 Kilogramm. Wenn dies nur zehn Fans miteinander und synchron machen, werden aus ihren 800 Kilogramm schnell einmal zweieinhalb Tonnen oder mehr. «Rechnen Sie das einmal auf eine ganze Fankurve hoch. Dann können Sie sich vorstellen, dass so ein Bauwerk ganz schön ins Schwingen kommen kann», warnt Kasperski.

Das Phänomem in Europa ist jedoch nicht überall das gleiche. «Englische Fans sitzen und geniessen ein Spiel», sagt Kasperski zu 20 Minuten Online. «Deutsche Fans nehmen da schon aktiver am Geschehen teil.» Meist sind sich die springenden Anhänger in einem oberen Rang der Gefahr nicht einmal bewusst. Anhänger die jedoch darunter stehen, können schnell in Panik geraten, wenn sich der Bau über ihnen gefährlich bewegt. Dies blieb 2010 zum Glück aus, als Dortmund in Nürnberg spielte. Die Tribüne schwankte jedoch bedrohlich. Schon im Jahr 2005 liessen die Nürnberger Fans ihr Stadion erzittern, als sie auf dem Oberrang umher sprangen.


Nürnberger Fans lassen die Tribüne erzittern. (Video: YouTube)

Kein «Spring-Problem» in der Schweiz

Auch in unseren Breitengraden hüpfen die Fans im Stadion. In den neueren Arenen von Basel (St. Jakob-Park) und Bern (Stade de Suisse) geschieht dies durch die hartgesottenen Anhänger jedoch auf den unteren Rängen. Daher werden die Schwingungen vom Erdboden geschluckt und stellen keine Gefahr dar. Bei der Basler Stadionbetreiberin «Basel United» konnte man auf Anfrage von 20 Minuten Online nicht genau sagen, ob betreffend Schwingungen schon einmal geforscht wurde. «Uns ist nicht bekannt, dass schon solche Messungen gemacht wurden.»

Die Katastrophe von Salvador

Was hüpfende Fans in den oberen Reihen eines Stadions auslösen können, zeigen Bilder aus dem Jahr 2007 aus Brasilien. Bahia spielt im Fonte-Nova-Stadion gegen Vila Nova um den Aufstieg in die höchste Liga. Jubelnde Anhänger bringen einen Teil des baufälligen Stadions zum Einsturz. Beim Unglück sterben sieben Menschen, mehrere werden verletzt. Nach der Katastrophe wurde das Stadion abgerissen. Bahia musste für seine Heimspiele in ein anderes Stadion ausweichen. Für die Fussball-WM 2014 wird in Salvador eine neue Arena gebaut.


(Stadioneinsturz in Salvador 2007, Video: YouTube)

(heg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rene am 18.10.2011 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AFG-Arena

    Wer schon in der AFG-Arena in St. Gallen war, kennt das sicherlich. Die ganze fankurve wackelt jeweils wenn alle hüpfen. Frage mich ob das sicher ist....

  • Fan12 am 18.10.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    ....

    nach Pyro-, Fahnen-, Gesang- kommt nun das Springverbot!... Fordere sofortigen Spielabbruch sobald der erste hüpft!... zum Glück sind das die einzigen Probleme die die Menschheit momentan beschäftigen sollten.

  • Matthie am 18.10.2011 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Stadionbau

    naja. wieder so ein Streitthema. Wieso baut man das Stadion nicht von vornerein robust genug ? ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Barrios am 19.10.2011 00:25 Report Diesen Beitrag melden

    BVB09

    dortmunder stimmung halt :)

  • Pius Frick am 18.10.2011 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Also ich hätte Schiss...

    .. da drunter zu stehen.

  • Sicherheit & Kosten am 18.10.2011 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Stahlbeton

    Es ist spannend, aber unbedenklich. Ich bin mir zu 100% sicher, dass das ein Ingenieur berechnen muss. Nur ist jedes Stadion Einzigartig, weil jeder Architekt seine Handschrift hinterlassen will. Darum ist jedes Stadion unterschiedlich "Elastisch" betreff. Schwingungen und Belastbarkeit. Auskragende Balkone schwingen nun mal. Die Verbindung von Stahl und Beton, ist ein idealer Mix, um gigantische Bauwerke zu realisieren. Der Stahl nimmt im inneren des Beton die Zugkräfte auf und der Beton selbst die Druckkräfte. Es ist nur eine Frage der Qualität, resp. der Kosten die der Bauherr aufbringt.

  • Ray Ban am 18.10.2011 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Falsch!

    In Basel und Bern sind die Gästesektoren aber in den oberen Rängen !! Und in Basel ist die Muttenzerkurve im unteren sowohl im oberen Rang . . . . gute recherchiert! Und vielleciht wirde in Nürnberg die Tribühne extra so konzipiert, dass sie federt, das müsste man vielleihct noch recherchieren.......zum Glück ist der Letzi in den Boden gabaut, das Dach fiel schon ohne Resonanz fast um......

    • simon b am 18.10.2011 18:43 Report Diesen Beitrag melden

      guter kommentar

      guter kommentar haha das hoffen auf ein stadion in zürich geht weiter!!

    einklappen einklappen
  • Igor Pavlovic am 18.10.2011 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte ein bisschen nachdenken

    Ich bitte alle ein bisschen weiter zu denken. Aktuell wird besprochen wie das "Hooligan-Problem" gelöst werden soll. Ein Vorschlag waren "Englische Verhältnisse" (Fans müssen sitzen im Stadion). Wenn man also den Leuten Angst verbreitet und solche falschen Tatsachen verbreitet, kann man es dem einfachen Volk als logisch erscheinen lassen, dass man im Stadion sitzen muss und könnte so "Englische Verhältnisse" durchsetzen.