Skandal in Italien

27. Dezember 2018 15:47; Akt: 07.01.2019 22:37 Print

Strassenschlachten, Rassismus und ein Toter

Der 1:0-Sieg von Inter gegen Napoli wird von Ausschreitungen und Rassismus überschattet. Sogar Mailands Bürgermeister entschuldigt sich.

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Der italienische Fussball versinkt kurz vor Jahresende wieder einmal im Chaos. Schuld daran sind die Fans von Inter Mailand. Rassistische Gesänge und Strassenschlachten rund um das Spiel gegen Napoli führten am Mittwoch fast zum Spielabbruch und forderten einen Toten.

Die Bilder dazu erinnern an Kriegsszenen. Verwüstungen in den Strassen, brennende Autos und Container, verletzte Menschen und Sirenengeheul. Vor dem Stadion Giuseppe Meazza in Mailand war vor dem Serie-A-Spiel zwischen Inter Mailand und Napoli, der Top-Affiche der 18. Runde am Stephanstag, der Teufel los. Die Mailänder Ultras traten als Aggressoren auf und hatten am Ende selbst einen Toten zu beklagen.

Gemäss Angaben der Polizei hatten rund hundert Fans von Inter Mailand mit Stangen und Steinen einen Mini-Bus mit Ultras aus Neapel angegriffen. Was danach passierte, ist noch unklar: Wahrscheinlich fuhr der Mini-Bus in die angreifende Menge und überfuhr einen 35-jährigen Norditaliener aus Varese - ein der Polizei bekannter Mann aus dem Fan-Lager des Provinzvereins Novara. Der Mann erlag am frühen Donnerstagmorgen seinen Verletzungen im Spital.

Die Mailänder Fan-Horden waren auf ihrem gewalttätigen Saubannerzug gegen Supporter von Napoli nicht allein. Wie bekannt wurde, sollen sich auch Fans aus den verbrüderten Lagern der Clubs von Novara und OGC Nice beteiligt haben. Auf Nebenschauplätzen gab es zudem unzählige Messerstechereien. Mindestens vier Menschen wurden dabei teilweise schwer verletzt.

Die beiden Teams und die meisten der rund 64'000 Zuschauer im Giuseppe Meazza wussten von den Vorfällen in den Seitenstrassen des Stadion-Quartiers nichts. Doch auch für sie hielten die Inter-Ultras ihre unwürdige Show bereit. Wie so oft, wenn Napoli im Norden antritt, gab es Schmähgesänge mit rassistischem Inhalt gegen die Spieler aus dem Süden - mit Vorliebe gegen solche mit dunkler Hautfarbe.

«Beim nächsten Mal verlassen wir das Spielfeld», sagte Napolis Trainer Carlo Ancelotti hinterher. Sein Abwehrchef, der Senegalese Kalidou Koulibaly, hatte sich während der Partie nicht mehr unter Kontrolle und flog zehn Minuten vor Schluss wegen Reklamierens beim Schiedsrichter vom Platz.

Zwei Stadionsperren für Inter

Der Mailänder Polizei-Chef fordert nun ein hartes Vorgehen gegen das Inter-Publikum. Die Curva Nord, dort wo die Ultras und der militante Teil der Fans die Spiele verfolgen, soll bis Ende März gesperrt werden. Ausserdem sollen Inter-Fans bis zum Saisonende nicht mehr zu Auswärtsspielen reisen dürfen. Einen ersten Entscheid hat die Lega Calcio bereits gefällt. Inter Mailand muss seine nächsten beiden Heimspiele gegen Sassuolo und Bologna unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen.

Der italienische Verbandspräsident Gabriele Gravina ging in seinen Gedanken sogar noch weiter. «Jetzt ist es genug. Was geschehen ist, darf nicht mehr toleriert werden. Nun braucht es etwas Radikales.» Er dachte laut darüber nach, die ganze Saison der Serie A abzubrechen. «Wir müssen uns Gedanken darüber machen. Es ist auch ein Problem der öffentlichen Sicherheit und soll auch so behandelt werden. Selbst wenn wir über die Frage diskutieren müssen, ob überhaupt noch gespielt werden soll oder nicht.»

Zu einem Abbruch der Serie-A-Meisterschaft 2018/19 kommt es selbstredend nicht. Auch die Runde vom Samstag, dem Abschluss der Vorrunde, finde regulär statt, teilte Gravina später mit. «Aber wir müssen eine harte Linie fahren. Wir müssen die Reglemente anpassen, damit die Schiedsrichter in ähnlichen Fällen die Spiele abbrechen können.»

Innenminister mit Nähe zur Ultra-Szene

Im Verlaufe des Tages meldete sich auch Innenminister Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord zu Wort. «Man darf nicht wegen eines Fussballspiels sterben. Anfang nächstes Jahr biete ich die Verantwortlichen der Fan-Gruppierungen und Vereine der Serie A und B zu einem Gespräch auf. Die Stadien und ihre Umgebung müssen wieder ein gewaltloser Ort der Freude und des Spasses werden.»

Salvini nahm in seinem Tweet nur Bezug auf die Ausschreitungen vor dem Stadion von Mailand. Die rassistischen Gesänge gegen die Napoli-Spieler im Giuseppe Meazza erwähnte er nicht. Für den Stadtpräsidenten von Neapel, Luigi de Magistris, ist das keine Überraschung. «Hätte dieses Spiel abgebrochen werden können? In einem Land, dessen Innenminister noch vor wenigen Jahren selbst in der Kurve stand und selbst rassistische Lieder sang?», lautete seine rhetorische Frage über Twitter.

Innenminister Matteo Salvini ist bekennender Milan-Fan und hat sich erst vor wenigen Tagen bei einem Treffen zum 119. Geburtstag seines Lieblingsvereins mit führenden Köpfen aus der Mailänder Ultra-Szene ablichten lassen.

Fussball

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gigi am 27.12.2018 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weg damit

    Solche Leute müssen sich von jeglichen Sportarten fernhalten! Die gehen nicht wegen dem Fussball!

  • Dk10 am 27.12.2018 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn

    Italien hat dieses problem schon lange. Da muss der verband einfach viel mehr konsequenzen setzen!

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  • Beltran Leyva am 27.12.2018 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber schon länger ein Problem...

    als Interisti finde ich es besonders schlimm doch kein Klub ist da besser,rassismus ist in der Serie A seit jahren allgegenwärtig,liegt auch nicht nur am fussball...keine ahnung wie man das endgültig lösen soll aber es ist 2018! die welt hat nunmal weisse,schwarze,latinos,asiaten etc. und alle können fussball spielen :-/

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mister X am 28.12.2018 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht fair

    Man soll nichts verherlichen aber als gastfan auswärts bei napoli passiert das immer nur wird überdies nicht berichtet, selbst erlebt beim letzten gastspiel von lazio.

  • zweitklässler am 27.12.2018 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    erfüllendes Hobby

    solange man mit so simplem Aufwand die halben westeuropäischen Medien und Politiker und Verbandsfunktionäre zum Hypern bringen kann und das Netz zum Glühen, bleibt es natürlich total attraktiv für diese Fans. Das weiss jede Unterstufenlehrerin, man macht das Verbotene und bringt so den ganzen Staff zum Herumtoben - so geiiiil.

  • Mr. Bull am 27.12.2018 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nix neues

    Das ist rassismus. Nicht wenn ich einen mohrenkopf bestelle. Falsch von ancelotti. Nicht das mächste mal. Gleich davon laufen.

  • Roger Rabiat am 27.12.2018 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Fussball halt...

  • Kein Italiener am 27.12.2018 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht unser Problem

    Kann uns doch egal sein, damit müssen die Funktionäre vor Ort fertig werden.

    • marko 33 am 27.12.2018 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kein Italiener

      Leider

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