FC Basel

12. September 2019 15:58; Akt: 12.09.2019 20:40 Print

Streller tritt aus dem Basel-VR zurück

Der frühere Nationalspieler und Sportchef möchte sich künftig auf seine berufliche Weiterbildung konzentrieren.

Bildstrecke im Grossformat »
«Dass die Fussstapfen riesig sind, dessen bin ich mir bewusst. Ich habe davor Respekt – aber keine Angst. Sonst würde ich die Aufgabe nicht übernehmen.» Die neue Clubleitung des FC Basel mit Marco Streller spricht an der Pressekonferenz nach am 7. April 2017. «Ich habe meine Stärken vielleicht eher in der Kommunikation. Geht es um die Administration, dann ist das weniger der Fall.» Streller (2. von rechts) spricht dabei auch über Schwächen. «Ich finde zudem, dass es gerechtfertigt ist, wenn nun Leute Zweifel haben. Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, wenn ich am Anfang unterschätzt werde.» Diesen Gefallen machten Streller von Anfang an viele ... «Vielleicht bedeutet unser Konzept mit mehr Spielern aus dem eigenen Nachwuchs ja tatsächlich, dass die Zeiten von 17 Punkten Vorsprung vorbei sind. Vielleicht wird die Meisterschaft dadurch dann auch spannender. Aber was ist der Fussball? Für mich ist er ganz klar auch Entertainment!» Dass diese Aussage ihn schnell einholen würde, dachte Streller da kaum. «Es ist nicht hoch genug zu werten. Es ist sensationell. Es war eine unglaubliche Kampagne. Ich bin ja ein Optimist, aber zwölf Punkte hätte ich auch nicht für möglich gehalten.» Ende 2017 kann Streller eine positive Bilanz ziehen – zumindest in der Champions League. Als Belohnung gibt's bei der Achtelfinal-Auslosung Manchester City (rechts Sportdirektor Txiki Bergiristain) «Was mich als Ex-Spieler sehr beeindruckt, ist wie schnell die Mannschaft in einer Partie das System wechseln kann. Diese Flexibilität im Spiel ist wichtig, weil das heute elementar ist im Fussball. Das ist schlicht unglaublich und freut mich riesig für Raphael Wicky und seine Mannschaft.» Es gibt darum auch Lob für trainer Raphael Wicky (rechts) «Irgendwie habe ich das Gefühl, dass uns dieser Misserfolg für die Zukunft auf seltsame Art guttut. In der neuen Saison wollen wir beweisen, dass wir es besser können.» Bereits nächsten Sommer dreht der Wind, YB ist Meister. Die Zuversicht bleibt. «Wicky macht sehr, sehr viel gut und ist noch ein junger Trainer. Aber genau so, wie ich auch Fehler gemacht habe, hat auch er vielleicht den einen oder anderen Fehler gemacht.» Aber dennoch gibt's auch schon leise Kritik am Trainer. 3 Monate später, im Juli 2018, war Wicky bereits entlassen. «Mit 19 Punkten Rückstand auf YB können wir nicht zufrieden sein. Aber es hat trotzdem grosse Freude gemacht, zu sehen, wie die jungen Spieler sich entwickeln.» Die Zwischenbilanz im Dezember 2018 zeigt: Auch mit dem neuen Trainer Marcel Koller (rechts) wird es nicht besser. «Das Team ist sicher besser, als es in der Tabelle dasteht.» Aber Streller will den Durchblick behalten und bleibt optimistisch. «Marcel Koller ist schon sehr lange im Geschäft. Es gibt vieles, was ich von ihm lernen kann und es gibt sicher auch ein paar Dinge, die er von mir lernen kann – obwohl ich ein, zwei Jahre jünger bin.» Von Harmonie ist im Dezember 2018 wenig zu spüren. «Es war nicht immer ganz einfach in einer Situation, als wir schon mitten in der Saison waren. Aber wir sehen den Fussball ähnlich und haben einen sehr guten Draht zueinander gefunden.» Oder täuschte da noch bloss die Optik? Heute, nach dem Rücktritt Strellers, dürfte man sagen: Nein ...

Zum Thema
Fehler gesehen?

Marco Streller verlässt den FC Basel nun ganz. Er war dem Verein nach seinem Rücktritt als Sportchef im Sommer noch im Verwaltungsrat erhalten geblieben, auch dieses Amt gibt der frühere Schweizer Nationalspieler nun ab. Bis zur nächsten Generalversammlung wird das Basler Urgestein noch Mitglied des Vorstands sein, danach ist Schluss. «Jeder, der mich kennt, weiss, wie schwer mir dieser Entscheid fällt», wird Streller auf der Website des Clubs zitiert.

Er sei überzeugt, dass es sich nicht um einen Abschied für immer handle, sagt Streller weiter, «dafür fühle ich mich dem FCB viel zu sehr verbunden». Der frühere Stürmer wechselte bereits während seiner Jugendzeit zum Club und absolvierte dort die meisten seiner Spiele. Gleich achtmal wurde Streller mit dem FCB Meister, nach seinem Abstecher nach Deutschland (Köln, Stuttgart) sogar sechsmal in Serie. Er absolvierte insgesamt 37 Länderspiele für die Schweizer Nationalmannschaft, das letzte im März 2011 in Bulgarien.

Strellers Rücktritt als Spieler folgte 2015 nach den sechs aufeinanderfolgenden Titeln in der Super League. Im Sommer 2017 trat er beim FC Basel die Nachfolge von Sportchef Georg Heitz an. Unter Streller spielte der Club seine erfolgreichste Champions-League-Kampagne je, setzte sich in einer Gruppe mit Manchester United, ZSKA Moskau und Benfica Lissabon durch und scheiterte dann im Achtelfinal an Manchester City. Das Rückspiel gewann Basel 2:1.

Mit Streller wurde der FCB 2019 Cupsieger. Die Zeit als Sportchef war aber auch geplagt von Misserfolgen. Nach acht Jahren der Dominanz mussten die Basler den Meistertitel 2018 diskussionslos den Berner Young Boys überlassen. Der von Streller als «eines der aufregendsten Talente Europas» angekündigte und für rund fünf Millionen Franken verpflichtete Dimitri Oberlin entpuppte sich als Flop, Basel hat ihn mittlerweile nach Belgien verliehen. Die aus der Bundesliga zurückgeholten Valentin Stocker und Fabian Frei konnten das Ende der Basler Dominanz nicht verhindern.

Machtkampf verloren?

Viel gewichtiger als die Transferpolitik wogen die immerwährenden Trainerdiskussionen während Strellers Amtszeit. Bei seinem Antritt 2017 verzichtete er auf die Dienste von Double-Gewinner Urs Fischer und setzte auf seinen ehemaligen Nationalteam-Kollegen Raphael Wicky. Nach Platz 2 in seiner ersten Saison startete Wicky schlecht in die Saison 2017/18, verlor gegen St. Gallen und scheiterte in der Champions-League-Qualifikation an Paok Saloniki. Danach wurde er entlassen.

Nachdem Alex Frei das Team interimistisch gecoacht hatte, wurde in Marcel Koller Wickys Nachfolger gefunden. Ruhe kehrte nicht ein, abermals wurde der FCB Zweiter, nach einem Durcheinander und einer öffentlich ausgetragenen Trainerdiskussion gab Streller im Juni seinen Rücktritt bekannt. In den Medien wurde davon ausgegangen, dass er Koller loswerden und Aarau-Trainer Patrick Rahmen verpflichten wollte. Diesen Machtkampf soll Streller verloren haben. Seit dem Abgang 2019 war der 38-Jährige noch im Verwaltungsrat des Clubs, nun kehrt er dem FCB den Rücken. Vorübergehend, wie er sagt.

Fussball

(mro)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gina am 12.09.2019 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wer anderen eine Grube gräbt

    Fischer wurde von Streller entlassen. Nun ist Fischer erfolgreich mit Union Berlin, Streller weg. Sein Kommentar zur Entlassung von Fischer: Meister werden wir so oder so, aber wir wollen auch attraktiv spielen. Tja wie man sich überschätzen kann.

    einklappen einklappen
  • Christian Hirt am 12.09.2019 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Weiterbildung

    Weiterbildung kann nicht schaden :-) auch wenns schwer fällt.

    einklappen einklappen
  • PG am 12.09.2019 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja....

    ...mit den Füssen arbeiten ist nicht das gleiche wie mit dem Kopf.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Müller am 14.09.2019 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sooo gut

    Das beste was er dem Fussball antun kann......super Entscheid. Ja nie zurück bitte

  • Beppi am 14.09.2019 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der hat

    aber eine lange Leitung!

  • Jä Joderno am 14.09.2019 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Streller no good

    ah zum Glück ist der endlich mal ganz weg. War das nicht der Penalty Versager gegen die Ukraine? Dieser ungelenke Stürchel, der sich nur dank der guten Leistungen Anderer einigermassen über Wasser halten konnte?

  • Heinz Flohust am 13.09.2019 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Bei Raspers diskutiert und festgestellt!

    Ok, Streller ist nicht mehr da und der sportliche Erfolg ist wieder annähernd spürbar. Aber was ist mit der sonstigen Führung? Finanziell wird der FC Basel weiterhin in den Ruin getrieben!!

  • dölf am 13.09.2019 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nun wieder mal an ein FCB Spiel

    Bin froh ist er weg, nun kann man endlich wieder mal ein Spiel im Joggeli besuchen gehen. War ja grauenhaft, wie er diesen Topclub in so kurzer Zeit runtergewirtschaftet hat. Nieten in Nadelstreifen nenn man solche Manager, gibt es auch an anderen Orten.