EM-Qualifikation

29. März 2011 07:34; Akt: 29.03.2011 07:34 Print

Stürmt Georgien an die Tabellenspitze?

In der EM-Ausscheidung stehen am Dienstag zehn Spiele auf dem Programm. Georgien könnte mit einem Sieg in Israel neuer Leader werden. Spanien will gegen Litauen gar nicht antreten.

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Können die Georgier nach dem Spiel in Israel über die Tabellenführung jubeln? (Bild: AP)

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Deutschland, Holland und Spanien haben in der laufenden EM-Qualifikation als einzige Teams noch keinen Punkt abgegeben. Die drei werden auch nach den heutigen Spielen souveräne Leader in ihren Gruppen bleiben - selbst wenn die Holländer und die Spanier unerwartet straucheln sollten. Die Deutschen tragen nach dem 4:0 am Samstag gegen Kasachstan lediglich ein Testspiel gegen Australien aus. Holland bekommt es nach dem 4:0-Erfolg am Freitag erneut mit Ungarn zu tun und wird sich zuhause in Amsterdam keine Blösse geben. Welt- und Europameister Spanien hat den heiklen Gang nach Litauen vor sich.

Die Litauer glauben an eine Überraschung, obwohl die Spanier ihre letzten 15 Qualifikationsspiele gewonnen haben und im Oktober in Salamanca für die Litauer beim 1:3 im Hinspiel nichts zu holen war. «Man muss daran glauben, sonst wird man niemals gewinnen. Es treten elf gegen elf an, nicht elf gegen dreizehn. Meine Spieler muss ich nicht motivieren. Sie wissen, dass sie gegen Champions antreten», sagte Trainer Raimondas Zutautas. Zuversicht strahlen auch seine Spieler aus. «Die Entschlossenheit und der Wille könnten unser Stärken sein», meinte Marius Stankevicius, der einst für Sevilla gespielt hat, jetzt für Valencia verteidigt und Xavi, Iniesta, Villa und Co. gut kennt. Die Litauer haben am Samstag mit ihrem 2:0-Sieg im Testspiel gegen EM-Mitveranstalter Polen jedenfalls einen Warnschuss abgefeuert.

Spanien fordert Spielverschiebung

Die Spanier zeigten nicht nur wegen dieses Resultats Respekt, sondern auch wegen des Zustandes des Platzes. «Das Spielfeld erinnert mich an die schlechten Rasen, auf denen wir als Kinder gespielt haben. Aber wir entscheiden nicht, ob gespielt wird oder nicht. Das ist Sache des Schiedsrichters und der UEFA. Wenn angepfiffen wird, werden wir bereit sein. Aber es wird hart», sagte Andres Iniesta über die Begleitumstände der Partie. Nationalcoach Vicente del Bosque plädierte dafür, das Spiel wegen Unbespielbarkeit des Platzes abzusagen. «Auf diesem Terrain kann man nicht Fussball spielen.»

Polnische Hooligans

Kaunas hatte schon am Samstag aus einem betrüblichen Grund für Schlagzeilen gesorgt. Das Testspiel war von wüsten Randalen polnischer Hooligans überschattet worden. 60 festgenommene Fans, 251 demolierte Sitze und ein schwer verletzter Ordner waren die schlimme Bilanz. Im polnischen Block wurden mehrere Feuerwerkskörper gezündet, während der gesamten zweiten Hälfte lieferten sich die Fans eine Auseinandersetzung mit der litauischen Polizei. Schon vor dem Spiel hatten sich polnische Rowdys untereinander geprügelt und ein Stadiontor aufgebrochen. Für EM-Organisator Polen kommen diese Vorfälle einer Katastrophe gleich.

Schaffts Georgien auf Platz 1?

Nur eine der zehn Partien in den neun Gruppen könnte heute einen Sturz des Leaders bringen. Die in der Gruppe F drittplatzierten Georgier, die am Samstag bereits mit einem 1:0-Heimsieg über Kroatien überraschten, könnten mit einem weiteren Erfolg in Tel Aviv gegen Israel sowohl Tabellenführer Griechenland als auch Kroatien überholen.

England testet mit B-Auswahl

Neben den zehn Qualifikations-Partien stehen heute mehrere interessante Testspiele im Programm. Italien gastiert beim zweiten EM-Gastgeber Ukraine, der nächste Schweizer Qualifikationsgegner England empfängt Ghana in London. Englands Coach Fabio Capello wird dabei auf eine B-Auswahl setzen. Gleich fünf Akteure konnten nach dem 2:0-Erfolg in Wales aus Schonungsgründen die Heimreise antreten. Zudem fallen Rio Ferdinand und Steven Gerrard verletzt aus. Für den nach Hause gereisten John Terry wird Gareth Barry die Captainbinde interimsweise übernehmen.

Spiessrutenlauf für Ribéry

Einen Spiessrutenlauf erwartet Franck Ribéry im heutigen Test in Paris gegen Kroatien. «Ich glaube, es wird Pfiffe geben», sagt der Bayern-Star vor seinem ersten Auftritt vor heimischem Publikum seit zehn Monaten. Zwischen dem Länderspiel am 26. Mai 2010 in Lens gegen Costa Rica und dem heutigen Spiel lag die aus französischer Sicht desaströse WM in Südafrika. Ribéry tat sich dort als Rebell hervor und führte die Meuterei gegen den damaligen Nationaltrainer Raymond Domenech mit an. Der Mittelfeldspieler wurde daraufhin aus dem Kreise der «Bleus» verstossen. Erst am Samstag durfte er beim mühsamen 2:0-Sieg in Luxemburg zurückkehren. Zahlreiche der mitgereisten Fans pfiffen ihn und den ebenfalls begnadigten «Verräter» Patrice Evra aus.

In Paris warten nun 80 000 Fans, um den Rädelsführern des nach Meinung vieler Franzosen schändlichsten Teams, das die Grande Nation je hatte, den entsprechenden Empfang zu bereiten. «Es wird passieren», sagt Ribéry über den erwarteten Spiessrutenlauf, «aber ich muss das akzeptieren und weitermachen.» Für Ribéry wäre es das 50. Länderspiel und «etwas ganz Besonderes», wie er versichert. Im Vorfeld hat er viel getan, um die Wandlung vom Saulus zum Paulus glaubhaft zu machen. Er hat sich entschuldigt, eigene Fehler eingestanden und sich mit dem Teamkollegen Yoann Gourcuff ausgesprochen, mit dem er bei der WM heftig aneinandergeraten war.

Nicht alle Fans nehmen ihm die Umkehr ab. In den Internet-Foren der Zeitungen und Fachblätter wimmelt es von bösen Beschimpfungen gegen die Profis, «die das Trikot Frankreichs beschmutzt haben». Einige Anhänger rufen dazu auf, die Equipe Tricolore von Trainer Laurent Blanc so lange zu boykottieren, wie Ribéry und Evra dem Team angehören. In einer Umfrage der Zeitung «Le Parisien» zeigten sich 72,4 Prozent der Teilnehmer «schockiert» wegen der Rückkehr der Meuterer.

(sda)