Relegationsspiele

10. Mai 2012 16:22; Akt: 10.05.2012 16:23 Print

Totgeglaubte vor der Rückkehr

Fortuna Düsseldorf klopft an die Pforte zur Bundesliga. Ein unverwüstlicher Oldie und der «Kopfnuss-Trainer» sollen das Märchen des Traditionsklubs zu Ende führen.

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Fortuna Düsseldorf: Gelingt die Rückkehr nach 15 Jahren? (Bild: AFP/Daniel Karmann)

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An Tage wie diesen erinnert man sich ein Leben lang: Am 8. September 1995 besiegte Fortuna Düsseldorf in der zweiten Runde des DFB-Pokals Bayern München mit Jean-Pierre Papin, Jürgen Klinsmann oder Lothar Matthäus 3:1. Trainer bei den Bayern damals: Otto Rehhagel.

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Es war einer der letzten grossen Erfolge der Fortuna. Später schied man im Halbfinale gegen den KSC mit 0:2 aus. 1997 folgte der Abstieg aus der Bundesliga. Es war der vorläufige Tiefpunkt eines Abwärtstrends seit den 1980er Jahren. Was damals noch niemand ahnte: Der Europacup-Finalist von 1980 und zweifacher Pokalsieger (1979 und 1980) sollte noch viel tiefer fallen.

Abstieg in die Anonymität

Chaos in der Führung, sportlicher Niedergang und Finanzprobleme: 2002 stieg der Meister von 1933 in die Anonymität der Oberliga (vierthöchste Spielklasse) ab. Der Klub war klinisch tot. Die Toten Hosen, seit jeher grosse Fortuna-Fans, boten Hand und sponsorten den Verein von 2001 bis 2003. Sportlich auf dem Nullpunkt mussten die «Flingeraner» sich auf Provinzfussballfeldern wie in Bocholt, Freialdenhoven oder Osterfeld von Mini-Fangruppen beleidigen lassen. Der stolze Europacup-Finalist von 1980 war längst zur Lachnummer verkommen.

Doch das Glück kehrte zur Fortuna zurück. 2004 stieg der Verein als Zweitplatzierter in die Regionalliga auf, weil das erstplatzierte SSVg. Velbert keine Lizenz für die höhere Spielklasse löste. Es begann ein steter Steigerungslauf, der zurück in den Profifussball und 2009 in die zweite Bundesliga führte. Ein Jahr zuvor hatte Norbert Meier den Verein übernommen. Norbert Meier, da war doch was. Genau: 2005 provozierte er als Duisburg-Trainer nach einer Kopfnuss gegen Kölns Albert Streit mit einer schauspielerischen Darbietung die Rote Karte gegen den Fussballer (Video unten). Dieser wurde damals umgehend beurlaubt und erhielt ein dreimonatiges Berufsverbot. Jetzt bietet sich Meier die Chance, diesen Ruf zu korrigieren.

Reicht die Qualität?

Um dies zu bewerkstelligen, setzt Meier auf einen Oldie, der schon in der halben Bundesliga kickte: Sascha Rösler. Der 35-Jährige erklärte zuletzt, dass er seine Karriere mit den Relegationsspielen beenden werde. Weitere bekannte Namen sucht man im Kader der Düsseldorfer vergebens. Vorbei sind die Zeiten in denen Stars wie Alexander Ristic (Trainer), Frank Mill, Igor Dobrowolski, Rudi Bommer oder Klaus Allofs für die Fortuna aufliefen. Kaum einer der aktuellen Equipe hat Bundesliga-Erfahrung. Spieler wie Tobias Levels (Gladbach), Sascha Dum (Leverkusen) oder Ranisav Jovanovic (Mainz) waren zudem eher Ergänzungsspieler, als Stammkräfte in der obersten Liga. Mit Goalie Robert Almer (Österreich, momentan verletzt) und Robbie Kruse (Australien) figurieren immerhin zwei Nationalspieler im Kader.

Dass die Saison so gut enden werde, konnte man zum Saisonbeginn nicht erwarten. Doch in der Winterpause grüsste Düsseldorf gar als Leader. Der Druck wuchs und die Leistungen sanken. Nach 34 Runden hatten Greuther Fürth und Frankfurt die «Flingeraner» überflügelt. Immerhin ist jetzt der Druck wieder weg. Hertha gilt als Favorit, Düsseldorf könnte ein grossartige Saison mit dem Sahnehäubchen versehen. Ob das Team dann auch Bundesliga-tauglich wäre, bleibt dahingestellt. Seit dem Stadionneubau ist die Infrastruktur zwar bereit (das altehrwürdige Rheinstadion wurde 2002 gesprengt, 2004 die neue ESPRIT arena eröffnet), aber finanziell wird man keine grossen Sprünge machen. Aber Augsburg hat ja gezeigt, dass es auch mit Bescheidenheit und kleinen finanziellen Möglichkeiten geht.

Aufstiegshymne steht bereit

Die Toten Hosen werden in diesem Jahr übrigens wieder auf Tournee gehen. Mit dabei ihr neuster Hit «An Tagen wie diesen», von dem es einen Fortuna-Videoclip gibt. Es ist kein Geheimnis: Campino und Co. werden die Relegationsspiele hautnah verfolgen. Wie beim letzten grossen Tag 1995 steht beim Gegner erneut Otto Rehhagel an der Seitenlinie. Gibt es 17 Jahre nach dem letzten grossen Triumph erneut einen Jubeltag? Sicher ist: Gelingt der Aufstieg tatsächlich, hätten «die Hosen» die Aufstiegshymne bereits geliefert.


Norbert Meiers Kopfnuss und Schauspieleinlage gegen Albert Streit 2005. Quelle: YouTube)

(fox)

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