Ärger mit Erdogan

13. Januar 2020 10:54; Akt: 13.01.2020 15:28 Print

Türkischer Fussballheld ist jetzt Uber-Fahrer

Einst liess er mit seinen Toren die ganze Türkei jubeln, heute lebt er mittellos in den USA, fährt Taxi und verkauft Bücher. Er hat sich mit den Falschen angelegt.

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2002 führte er die Türkei sensationell zu Platz 3 an der WM in Japan und Südkorea, in 112 Länderspielen glänzte er mit 51 Toren. Er spielte in Italien, England und in der Champions League. Hakan Sükür, der «Löwe vom Bospurus», war ein gefeierter Volksheld in der Türkei – ehe er in die Politik ging und sich später mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan anlegte.

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Es kam zum offenen Streit zwischen den beiden «Partei-Freunden», Sükür zog sich aus der Politik zurück – und lebt heute in den USA, muss sich mit Uberfahren und dem Verkauf von Büchern über Wasser halten. Sein Vermögen in der Türkei ist eingefroren.

«Erdogan nahm mir alles», klagt der 48-jährige Ex-Stürmer im Interview mit der «Bild». «Mein Recht auf Freiheit, das Recht, mich zu erklären, mich zu äussern, das Recht auf Arbeit. Ich habe in der Türkei Besitz im Wert von Dutzenden Millionen Dollar. Aber es wurde alles konfisziert. Sie haben sogar meinen Vater eingesperrt.»

Vater eingesperrt, Kinder belästigt

2015 trat Sükür den Weg ins Exil in die USA an. «Die Boutique meiner Frau wurde mit Steinen beworfen, auf der Strasse wurden meine Kinder belästigt», erinnert er sich an die letzten Tage in seiner Heimat. «Nach jeder Äusserung, die ich gemacht hatte, erhielt ich Drohungen.»

Seine Eltern musste er zurücklassen, sein Vater wurde kurz darauf eingesperrt. «Er bekam im Gefängnis Krebs, seine Halsschlagader war verengt, nur deswegen wurde er entlassen. Der Prozess gegen ihn läuft weiter, er steht jetzt unter Hausarrest.» Auch seine Mutter sei an Krebs erkrankt, so Sükür weiter.

«Verräter und Terrorist»

Erdogan wirft Sükür vor, ein «Verräter und Terrorist» zu sein und beim Putsch 2016 eine Rolle gespielt zu haben. Ein Vorwurf, den der ehemalige Fussball-Held, der selbst aus seinem Club Galatasaray, für den er 13 Jahre stürmte, ausgeschlossen wurde, nicht gelten lässt: «Ich bin gegen jede Art von bewaffnetem Putsch», erklärt er.

Benutzt Erdogan den Sport für seine Politik? «Ja», ist sich Sükür sicher. «Gerade der Fussball ist in der Türkei, wie viele andere Bereiche auch, nicht frei und nicht autonom.»

Fussball

(ak/tzi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Shaky88 am 13.01.2020 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich

    Armer kerl, schade dass sowas in der heutigen zeit noch möglich ist. Hoffe das karma schlägt zurück.

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  • Martin am 13.01.2020 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Die Türkei, ein Land mit viel Know How und guter Wirtschaft aber doch sehr weit zurück geblieben. Schade eigentlich.

  • Dogan am 13.01.2020 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Bin Türke aber

    In diesem Artikel scheint es so rüber zu kommen, dass ganz Türkei gegen Hakan Sükür wäre. Dem ist aber nicht so. Viele Türken ob im In- oder Ausland teilen nicht die Ansicht von Erdogan gegenüber Hakan Sükür. Er hat aus meiner Sicht einen tollen Charakter und ich hatte das Glück in vor ein paar Jahren in einem Charity Spiel gegen die YB in Bern zu sehen. Neben dem folge ich seinem Youtube Channel wo er neutrale Analysen zu jedem Fussballspiel in der Türkischen Süper Lig postet und auch kritisch sich mit dem Türkischen Fussballverband und auch seiner Lage befasst. Ich hoffe das beste für ihn!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hell E-Barde am 14.01.2020 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein gutes Beispiel

    das klar und deutlich den Charakter und das Verhalten der Regierung aufzeigt...

  • Cavi33 am 13.01.2020 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe seine Lage

    Wenigstens einer der Mut hatte diesem Despoten Erdogan die Meinung zu sagen. Sagt eigentlich alles über das Rechtssystem der heutigen Erdogan Türkei aus.

  • Fischer am 13.01.2020 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Just saying

    Also einfach ohne Grund würde so etwas nicht geschehen...

    • Fisch am 13.01.2020 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fischer

      Es gibt ja einen Grund, er hat die Regierung kritisiert. In Unrechtsstaaten wie der Türkei reicht das bekanntlich schon...

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  • Tellobaldi am 13.01.2020 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wer muss von wem geschützt werden

    Ein weiteres Eindrückliches Beispiel warum dir "Weltgemeinschaft"das Bargeld abschaffen will und warum die Schweiz ,via volksinitiativen die die bargeldannahme zur pflicht machen muss.Unsere Volkstreter werden es nicht tun sondern via sanktionierung von cash,salamitaktik etc der cashlosigkeit vorschub leisten.Cash muss immer angenommen werden und es dürfen sich keinerlei sanktionen daraus ergeben,bei nichtbefolgen darf keine straflosigkeit bestehen ,so wie es das bestehende gesetz zulässt.

  • Dogan am 13.01.2020 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Bin Türke aber

    In diesem Artikel scheint es so rüber zu kommen, dass ganz Türkei gegen Hakan Sükür wäre. Dem ist aber nicht so. Viele Türken ob im In- oder Ausland teilen nicht die Ansicht von Erdogan gegenüber Hakan Sükür. Er hat aus meiner Sicht einen tollen Charakter und ich hatte das Glück in vor ein paar Jahren in einem Charity Spiel gegen die YB in Bern zu sehen. Neben dem folge ich seinem Youtube Channel wo er neutrale Analysen zu jedem Fussballspiel in der Türkischen Süper Lig postet und auch kritisch sich mit dem Türkischen Fussballverband und auch seiner Lage befasst. Ich hoffe das beste für ihn!