Kein Witz

18. Februar 2011 11:50; Akt: 18.02.2011 12:15 Print

US-Journalist will gegen Blatter antreten

Bei der Fifa-Präsidentschaftswahl am 1. Juni hat Sepp Blatter kaum Konkurrenz zu fürchten. Ein amerikanischer Sportjournalist will das jetzt ändern.

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Grant Wahl (r.) will Sepp Blatter den FIFA-Thron strittig machen. (Fotos: Keystone/Twitter)

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Seit 1998 besetzt Sepp Blatter den Sessel des FIFA-Präsidenten. Beim nächsten Wahltag am 1. Juni strebt der Walliser seine vierte Amtszeit an. Trotz immer lauter werdender Kritik sieht es nicht danach aus, als ob ein grosser Herausforderer den Schweizer vom Thron stürzen könnte. Bisher steht erst der Katari Mohamed Bin Hammam in den Startlöchern, der aktuelle Vorsitzende des asisatischen Verbandes AFC. Doch nun will noch ein Dritter die Wahl im Sommer aufmischen: Sportjournalist Grant Wahl aus den USA. «Ich werde als FIFA-Präsident kandidieren», vermeldete der 37-Jährige am frühen Freitagmorgen auf seinem Twitter-Profil. Und in einer Kolumne für seinen Arbeitgeber «Sports Illustrated» lieferte er gleich nach: «Nein, ich mache keinen Witz.» Blatter und Bin Hammam seien beides hartgesottene FIFA-Insider und die Wahl brauche dringend einen aussenstehenden Kandidaten. «Also stelle ich mich. Denn jemand muss das tun», so Wahl. «Es ist immer dieselbe Leier, die Fussballfans beschweren sich über Blatter und niemand versucht, eine Alternative zu stellen.» Die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nach Russland bzw. Katar sei nun der letzte Beweis gewesen, «dass die FIFA weit weg von einer sauberen Organisation» sei.

Video-Beweis und Korruptions-Bekämpfung

Wahl hat auch schon klare Vorstellungen, wofür er sich als FIFA-Präsident einsetzen möchte: für den Video-Beweis bei strittigen Torszenen, für das Engagement der besten Schiedsrichter bei Weltmeisterschaften (ohne Limitierung der Anzahl Unparteiischer pro Nation) und für die Abschaffung von «dummen Gelben Karten» wie beispielsweise denjenigen für das Ausziehen des Trikots. Ausserdem will er eine Frau als Generalsekretärin der FIFA benennen, die Leichen im Keller des Weltverbandes ausgraben, gegen die Korruption vorgehen und die Amtszeit des Präsidenten auf maximal zwei Perioden beschränken.

«Ich glaube, ich würde Blatter schlagen, wenn die Wahl von den Fussball-Fans durchgeführt würde», so der Amerikaner weiter. Da dem nicht so ist, dürften seine Chancen jedoch äusserst minim sein. Zudem muss Wahl jetzt ohnehin zuerst bis zum 1. April ein FIFA-Mitgliedsland finden, das ihn offiziell als Kandidaten aufstellt. «Das kann Papua Neuguinea sein. Oder das kann Äquatorialguinea sein.» Eine Online-Petition auf Twitter haben bis Freitagmittag bereits über 1200 Personen unterzeichnet.