Tor-Festival

12. Juni 2019 12:36; Akt: 12.06.2019 17:10 Print

USA ernten nach 13:0-Sieg viel Kritik

Die chancenlosen Gegnerinnen gedemütigt, ausgelassen gejubelt: Der Rekordsieg im WM-Gruppenspiel gegen Thailand erfreut nicht alle.

Alle sieben Minuten ein Tor: Die 13 Treffer der USA im Schnelldurchlauf. Video: BBC
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Das Tor fiel in der 92. Minute. Es war kein entscheidendes, kein besonders schönes, kein wichtiges, es war eines unter vielen. Carli Lloyd erzielte es, jubelte, es war ihr erstes an dieser WM. Ihre Teamkolleginnen hatten davor die ganze Arbeit getan und zwölf Tore erzielt, alleine Stürmerin Alex Morgan deren fünf. 13:0 schlägt die USA Thailand, zehn Treffer fielen in der zweiten Halbzeit.

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Haben die Amerikanerinnen ihre Gegnerinnen zu fest gedemütigt?

Es ist ein Spiel der Rekorde, 40-mal schossen die Titelverteidigerinnen in Richtung gegnerisches Tor. Die Hälfte aller Spielerinnen, die eingesetzt wurden, traf. Noch nie hat ein WM-Spiel mehr Tore gesehen, die letzte Torschützin Lloyd ist nun neben der Deutschen Birgit Prinz die einzige Spielerin, die an fünf WM-Endrunden in Folge traf. Und auch Morgan tritt einem kleinen Club bei: Nur Landsfrau Michelle Akers schoss einmal fünf Tore in einem WM-Spiel.

Die Gegnerinnen waren – natürlich – komplett chancenlos und brachten im gesamten Spiel zwei Schüsse aufs Tor. Die Thailänderinnen waren am Boden zerstört, verliessen den Platz unter Tränen. Das bringt den Siegerinnen Kritik ein, sie kommt aus den sozialen Medien, der Tenor: Die USA hätten zu ausgelassen gefeiert und den Gegner blossgestellt. Die Kritik kommt aber auch von ehemaligen Spielerinnen: «Sie hätten mit etwas mehr Demut und Gnade gewinnen können», findet Clare Rustad, frühere Nationalspielerin Kanadas.

Enttäuschte Thailänderinnen nach der sporthistorischen Niederlage. Bild: Keystone/Tolga Bozoglu

«Du triffst, du jubelst. Das ist ein Traum»

Kaylyn Kyle ist ebenfalls eine ehemalige Spielerin Kanadas und kommentiert zusammen mit Rustad die Spiele beim Sender TSN. Sie sagt, sie sei vom Verhalten der Spielerinnen «angeekelt», schliesslich hätten ja auch Kinder das Spiel geschaut. Sie stört sich an der Geste von Top-Torschützin Morgan, die nach ihren Toren jeweils die passende Anzahl Finger in die Luft streckte.

Die Spielerinnen auf dem Platz bekommen aber auch Rückendeckung. Abby Wambach, Rekordtorschützin der USA, schreibt auf Twitter: «Stellt euch vor, es ist euer Traum, dort zu sein, würdet ihr nicht jubeln?» Und ergänzt: «Würde man einem Männer-Team sagen, keine Tore zu schiessen und nicht zu jubeln?» Aly Wagner, einst Teamkollegin von Wambach, schreibt zudem: «Es ist eine Weltmeisterschaft. Du triffst, du jubelst. Das ist ein Traum für die Spielerinnen.»

«Jedes Tor zählt in diesem Turnier, das ist, wofür wir arbeiten», sagte die viel kritisierte und ebenso umjubelte Alex Morgan nach ihrer Show. Sie sagte es, kurz nachdem sie die bitter enttäuschte Miranda Nild, Thailands beste Spielerin, in den Arm genommen und getröstet hatte. Ihre Teamkolleginnen Carli Lloyd und Christen Press gingen nach dem Abpfiff zuerst zur bemitleidenswerten Torhüterin Sukanya Charoenying und umarmten sie. Da waren die Meinungen der Kritiker schon gemacht.

Christen Press tröstet die Torhüterin Sukanya Charoenying. Bild: Keystone/Tolga Bozoglu

Fussball

(mro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dusty am 12.06.2019 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Grännis

    Mimimimi, es war so klar, dass sowas kommt wenn heutzutage jeder eine 'participation trophy' erhält und man 'politisch korrekt' nun auch im Sport verlangt. Wer es nicht mag zu verlieren, der muss mehr trainieren. Zudem, fördert verlieren den Charakter - ist also nicht alles schlecht.

  • A.Santiago am 12.06.2019 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein bisschen sehr an den Haaren herbeigezogen

    Sport ist Sport. Soll jetzt bei einem Spiel eine Tordifferenz vorgegeben werden, damit der Gegner nicht traurig ist? Die Welt hat in der letzten Zeit wirklich grosse Probleme. Es kann nicht sein, dass bei einem Tor nicht mehr gejubelt werden darf. Im Sport geht es um Siegen oder Verlieren und nicht um Blosszustellen. Die Verliererinnen können aus einer solchen Niederlage auch wachsen.

  • René Stamer am 12.06.2019 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schneeflocken Fussball?

    Sorry, aber das ist doch wohl jetzt nicht wahr?! Nur weil die gegnerische Mannschaft schlecht spielt sollen sie aufhören Tore zu schießen? Sollen sie stattdessen planlos auf dem Platz rumspazieren? Und der Torjubel mit der Anzahl der Tore ist doch wohl völlig in Ordnung. Wenn Thailand so schlecht ist, warum treten sie dann überhaupt an?! Eine WM ist ein Wettkampf der Weltbesten und keine Spielgruppe für überempfindliche. Wenn sie heulend vom Platz laufen ist das natürlich nicht schön, aber sorry, so ist Sport halt. Manchmal gewinnt man und manchmal verliert man. Heule hilft da auch nichts!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • dt am 12.06.2019 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    janu

    ja hätte Deutschland gewonnen wäre ja alles ok oder? Aber ja nicht ein anderes Land

  • alright am 12.06.2019 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    komplette Verblödung

    Diese political Correctness bringt uns noch um und in grosse Schwierigkeiten, denn unsere Gegner (sportlich oder vor allem politisch oder religiös) kennen auch keine political Correctness. Und stellt euch das mal umgekehrt vor. Hätten die Thailäbderinnen so gefeiert, wären sie in den Medien weltweit celebriert worden mit null Kritik.

  • manu am 12.06.2019 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    hug

    Deswegen ist Frauenfussball nicht interessant bei diesem Handball resultat.

  • mgagre am 12.06.2019 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Sieben-Null ist Schneider

    ..., sprich: das Spiel wird abgebrochen und 7:0 gewertet, haben wir als Kinder gespielt. Zwar beim Tischtennis, aber hier würde es auch gehen.

  • danilo am 12.06.2019 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Beim 26:0 von Muttenz gegen Timau (2. Liga interreg.) hat sich auch niemand aufgeregt, dass Muttenz ein Goal nach dem anderen erzielte.