Hoeness-Abgang

15. November 2019 15:36; Akt: 15.11.2019 15:36 Print

Der Bayern-Macher tritt nach 40 Jahren zurück

Er ist Abteilung Attacke und Glucke, Moralprediger und Steuersünder. Er hat mit dem FC Bayern München sein Lebenswerk geschaffen und gibt nun sein Präsidentenamt ab.

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«Mit van Gaal haben wir das Double geholt und standen im Champions-League-Finale. Dass der menschlich eine Katastrophe war, steht auf einem anderen Blatt. Fachlich war er top.» (über Louis van Gaal) «Der sagt zu allem irgendwas. Stossen in Tschechien zwei Spieler mit dem Kopf zusammen, weiss er, dass das in Leverkusen 1934 auch schon passiert ist.» (über Reiner Calmund) «Fussballer, gerade auch beim FC Bayern, müssten jeden Morgen zwei Kerzen aufstellen, dass sie so einen Lebensstandard geniessen dürfen.» (über die Einstellung) «Die Spieler begreifen nichts. Sie begreifen nicht, dass Fussball aus totaler Arbeit besteht, sieben Tage lang die Woche. 30 Minuten nach der Pleite werden schon wieder Sprüche geklopft und Karten gespielt. Sie essen Scampis, ich habe eine schlaflose Nacht.» (nochmals über die Einstellung) «Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen haben, wird der bei diesem Verein nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion.» (über Lothar Matthäus) «Da haben wir für zigtausend Euro Computer gekauft. Da hat er den Profis in epischer Breite gezeigt, wie wir spielen wollen. Wohlgemerkt wollen.» (nach der Entlassung von Jürgen Klinsmann) «Jupp Heynckes hat einen Flipchart und fünf Eddingstifte. Da kostet einer 2,50 Euro. Und da malt er auf die Tafel die Aufstellung des Gegners und sagt ein paar Takte dazu. Mit Heynckes gewinnen wir Spiele für 12,50 Euro, und bei Klinsmann haben wir viel Geld ausgegeben und wenig Erfolg gehabt.» (nach der Anstellung von Jupp Heynckes) «Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicherlich nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen.» (über den Transfermarkt) «Wenn einer zwei Tore gegen Liechtenstein schiesst, dann hat das nichts zu heissen. Da würde auch unsere Drittliga-Mannschaft gut aussehen.» (über Lukas Podolski) «Der kann noch 100 Jahre spielen, der wird uns nie überholen.» (über Christoph Daum) «Ich glaube nicht, dass wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre.» «Wenn man gegen Liechtenstein spielt, kann man auch gegen den FC Tegernsee spielen!» (über WM-Qualifikationsspiele gegen «Exoten») «Ein Uli Hoeness lässt den FC Bayern nie im Stich. Und wenn irgendein Problem entsteht, würde ich zur Not hier sogar ein halbes Jahr den Platzwart machen.» (über sein Verhältnis zum FC Bayern) «Eine Biografie? Von mir? Nein. Never ever! Wenn ich die Wahrheit über das, was ich alles erlebt habe, schreiben würde, müsste man etwa zehn Bände machen – und ich müsste nach der Veröffentlichung nach Australien auswandern.» (über eine Hoeness-Biographie) «Der FC Bayern ist natürlich total modern. Karl-Heinz Rummenigge hockt den ganzen Tag vorm Computer und hat eckige Augen.» «For me, it's scheissegal» (auf auf die Frage eines englischen Reporters nach seinem Wunschgegner für den Champions-League-Final) «Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu. Ich mache mir riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch.» (über sein Steuervergehen) «Wir müssen dafür sorgen, dass nächstes Jahr wieder das Wehklagen einsetzt, wenn uns die anderen in der Tabelle mit dem Fernglas anschauen.» (über die Gegner) «Ich werde dem Verein solange dienen, bis ich nicht mehr atmen kann.»

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Uli Hoeness wollte den FC Bayern immer «durchs grosse Tor» verlassen. Und den Wunsch erfüllt ihm sein Verein. Die Münchner Olympiahalle hat der FC Bayern angemietet, um den 67-Jährigen nach 40 Jahren als Manager und Präsident auf grosser Bühne zu verabschieden.

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Kaum einer polarisiert so wie Uli Hoeness. Mir ist er ...

Es wird eine emotionale Jahreshauptversammlung werden, speziell für Hoeness, der sich intensiv auf diesen Freitag vorbereitet. «Ich habe gehört, dass die Olympiahalle auseinanderplatzen wird. Wir sind gut beraten gewesen, das dort zu machen. Es werden um die 10'000 Mitglieder erwartet», sagte Hoeness. «Da ist einiges zu erwarten!»

Ein Bauchmensch – und damit unberechenbar

Speziell von ihm. Auf die Abschiedsrede warten alle gespannt. Wie üblich will sie Hoeness – nach unruhigen Nächten davor – in freier Rede vortragen. So, wie Hoeness den Satz vor einer Woche «total euphorisiert» vom 4:0 gegen Borussia Dortmund aussprach, ist Wortgewaltiges zu erwarten. Denn Uli Hoeness war und ist ein Bauchmensch – und damit unberechenbar.


«Der FC Bayern wäre nicht das, was er heute ist, wenn Du nicht gewesen wärst»

Franz Beckenbauer über Uli Hoeness

Ein kurzes Resümee seines Schaffens gab er vorab. «Ich habe diesen Job wahnsinnig gerne gemacht. Ich habe mich immer reingehängt und alles gegeben. Und ich glaube, das Ergebnis ist so schlecht nicht.»

Ohne Plan in die Zukunft

Zwei grosse Fragen stellen sich. Wie wird es dem FC Bayern ohne Hoeness ergehen? Und wie Hoeness ohne sein Lebenswerk? «Über meine Zukunft werde ich am Samstag nachdenken, wenn ich am Tegernsee aufwache», entgegnete Hoeness. Er hat noch keine Antwort auf die Und-nun-Frage. «Ich werde zum ersten Mal am 16. November ohne Plan sein und ohne grosse Verantwortung. Das ist eine spannende Geschichte.»

«Uli Hoeness war immer ein Bauchmensch»

Philipp Lahm, ehemaliger Bayern-Captain

Und der FC Bayern? Der deutsche Rekordmeister hat schon mal eine kurze Zeitspanne ohne den polarisierenden Frontmann erproben müssen, als Hoeness von Juni 2014 bis Februar 2016 eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung absass und dafür seine Ämter niedergelegt hatte. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge führte den Verein durch diese schwierige, aber für den Club trotzdem erfolgreiche Zeit.

«Wenn er Ratschläge braucht, wie man als Rentner sein Leben gestaltet, könnte ich ihm gerne welche geben»

Ottmar Hitzfeld, ehemaliger Bayern-Trainer

«Das wars noch nicht», lautete damals Hoeness' legendärer Satz auf einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung. Das wars immer noch nicht, könnte und müsste er eigentlich fünf Jahre später lauten. Denn ein Uli Hoeness geht niemals so ganz, auch wenn er in den vergangenen, kraftraubenden Monaten die Weichen für die Zukunft des FC Bayern ganz nach seinem Willen und seinen Vorstellungen gestellt hat.

«Der ist noch da, keine Sorge»

Hoeness geht – und geht doch nicht. Sein Mandat im Aufsichtsrat bis November 2023 will er weiter wahrnehmen, wenn auch nicht mehr als Vorsitzender des Kontrollgremiums. Diesen Posten bekommt Hainer.

«Der ist noch da, keine Sorge», antwortete Rummenigge auf die Frage, ob er Hoeness an seiner Seite vermissen werde, und zwar nicht nur bei Spielen in der Allianz Arena. Das spezielle Spannungsverhältnis zwischen Hoeness und Rummenigge hemmte und trieb den Verein in den vergangenen Jahren. «Wir werden uns noch gegenseitig ausreichend austauschen und auch Dinge entscheiden», erklärte Rummenigge. Die Trainerfrage ist die dringendste.

«Entweder man mag Dich oder man mag Dich nicht!»

Christoph Daum, ehemaliger Hoeness-Rivale

Hoeness wird sein Büro an der Säbener Strasse an seinen Nachfolger Herbert Hainer übergeben. Und Siege will er mit dem Fanschal am Hals künftig auf einem anderen Sitzplatz der Arena bejubeln. Aber den Verein will er öffentlich auch als Präsident a.D. «wie eine Glucke bewachen». Hoeness wird nicht mehr überall mitmischen, aber sich im Hintergrund weiterhin einmischen.

Er werde sicherlich «kein Golf spielender, älterer Rentner» werden, hat er angekündigt. «Mir wird schon etwas einfallen.» Wars das wirklich? Kaum vorstellbar bei Uli Hoeness.

Fussball

(dpa)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Findnicht am 15.11.2019 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mia werden ihn vermissen

    Ein Polterer und Manager, der noch sagte, was er dachte. Dabei war es ihm völlig egal, ob das nun jemanden störte oder nicht.

  • Ich am 15.11.2019 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute Uli Hoeness

    Ich wünsche Uli Hoeness alles Gute in seinem wohlverdienten Ruhestand.

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  • ULI der BESTE am 15.11.2019 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GESEHEN :-)

    750.4 Millionen Euro Umsatz und 75.3 Millionen Gewinn. Das ist BAYERN MÜNCHEN und das wichtigste SCHULDENFREI.:-)))))

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Die neusten Leser-Kommentare

  • KHF am 16.11.2019 05:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorge

    Wenn so eine große und wichtige Persönlichkeit zurück tritt befällt mich die Sorge um seine Gesundheit. Nicht, Fassanstich Ende hier die Gründe für seinen geordneten Rückzug liegen. Ich wünsche ihm noch ein langes, gesundes und erfülltes Leben.

  • Roger Campos am 16.11.2019 04:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Roger am 15.11.2019 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uli4ever!

    Uli ist top! Sagt was er denkt. Hat grosses geschaffen. Hopp Bayern!!

  • Rolf am 15.11.2019 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exknacki

    Gut, dass dieser Kriminelle endlich die Bühne räumt.

  • ULI der BESTE am 15.11.2019 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GESEHEN :-)

    750.4 Millionen Euro Umsatz und 75.3 Millionen Gewinn. Das ist BAYERN MÜNCHEN und das wichtigste SCHULDENFREI.:-)))))

    • Jovan am 16.11.2019 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ULI der BESTE

      Real Madrid ist ebenfalls Schuldenfrei und haben sogar noch einen grösseren Umsatz. Hala Madrid

    • Badener am 16.11.2019 17:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Jovan

      Gibts schon Neue Zahlen? 2018 hatte Real noch Schulden von knapp 30 Mio. Nur bis Real die Festgeldsumme des FC Bayern knackt bist du in Rente.Der Gewinn vor Steuern war 38,1Mil. Euro in 2018.Na ja!

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