Martin Palermo

26. Oktober 2009 16:46; Akt: 26.10.2009 18:09 Print

Vom Elfer-Trottel zum gefeierten Nationalhelden

von Philipp Reich - Martin Palermo ist momentan der Mann der Stunde im argentinischen Fussball: Nach seinem Kopfballtor aus 40 Metern und dem Last-Minute-Treffer in der WM-Quali gegen Peru hat der «heilige Palermo», der schon so manchen Rückschlag wegstecken musste, nun auch seine Boca Juniors vor einer Schmach im «Superclásico» gegen Stadtrivale River Plate bewahrt.

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Zehn Jahre nach seinem persönlichen Debakel gegen Kolumbien darf Martin Palermo im Herbst seiner Karriere endlich wieder jubeln. (Bild: AFP)

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Sowohl River Plate wie auch die Boca Juniors haben der «Clausura», der zweiten Meisterschaftshälfte der argentinischen Primera Division, bislang enttäuscht. Im Titelkampf wurden die beiden Traditionsvereine aus Buenos Aires schon früh arg zurückgebunden. Rekordmeister River Plate hatte vor dem «Superclásico», der am Sonntagabend zum 318. Mal über die Bühne ging, nur gerade sechs Punkte auf dem Konto und auch Boca lag vor dem «Spiel der Spiele» in Argentinien mit 14 Punkten auf dem enttäuschenden 10. Rang. Klar, dass da ein Sieg im Derby gegen den verhassten Stadtrivalen mehr als drei Punkte wert ist.

Der «Superclásico» bot den Fans dann auch alles was ein packendes Fussballspiel ausmacht. Ein verschossener Elfmeter, zwei Rote Karten und die frühe Führung für die Heimmannschaft - das Stadion explodierte. In der zweiten Halbzeit drückte River Plate mit voller Kraft auf die Entscheidung, doch das zweite Tor wollte nicht fallen. Nach einem Traumpass von Riquelme war es dann wieder einmal Martin Palermo, der den Ausgleich für die Boca Juniors besorgte und sein Team so vor der Schmach einer Niederlage im «Superclásico» bewahrte.

Die «Heiligsprechung» durch Maradona

Der 35-jährige Stürmer prägt momentan wie kein Zweiter die argentinische Fussballszene. Das 1:1 gegen River Plate war sein drittes Tor innerhalb von vier Wochen, das besondere Beachtung fand. Anfang Oktober erzielte Palermo das wohl spektakulärste Kopfballtor aller Zeiten, als ein verunglückter Befreiungsschlag von Sarsfield-Torhüter Marcelo Montoya genau seinen «Eisenschädel» traf und aus rund 40 Metern den Weg ins Tor fand. Palermo traf aber auch schon von weiter weg. 2007 erzielte der bald 36-Jährige gegen Independiente ein Wahnsinnstor von der Mittellinie.

Sein wichtigster Treffer gelang Palermo aber zweifellos beim kapitalen WM-Qualifikationsspiel gegen Peru. Im strömenden Regen von Buenos Aires drückte er den Ball in der Schlussminute zum wichtigen 2:1-Erfolg über die Linie. Damit bewahrte er die «Albiceleste» vor dem vorzeitigen Aus in der WM-Quali und sicherte gleichzeitig der «Hand Gottes» den Job als argentinischer Nationaltrainer. Diego Maradona sprach nach dem Spiel vom «heiligen Palermo», der den Agentiniern ein zweites Leben geschenkt hätte.

Die drei verschossenen Elfmeter

Weit über 250 Tore hat Martin Palermo in seiner Laufbahn schon erzielt. Seine Karriere verlief aber alles andere als geradlinig. Fünf Jahre spielte der 1,87 Meter grosse Stürmer zu Beginn seiner Karriere in seiner Heimatstadt bei Estudiantes de la Plata, ehe er 1997 zum Ligakonkurrenten Boca Juniors wechselte. Dort schlug er dank seinem ausgezeichneten Torriecher ein wie eine Bombe. 1998 wurde er in der «Apertura» Torschützenkönig mit 20 Treffern in 19 Spielen und im selben Jahr «Rey del futbol de América», Südamerikas Fussballer des Jahres.

Mit der Berufung in die Nationalmannschaft begann dann aber die grosse Pechsträhne des Martin Palermo. Im Vorrundenspiel der Copa America 1999 verschoss der Stürmer beim 0:3 gegen Kolumbien gleich drei Penaltys in einem Spiel. Dieses Kunstück brachte ihm zwar einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde, in Argentinien wurde der Elfmeter-Trottel mit Spott und Häme eingedeckt. Ein Kreuzbandriss verhinderte im Winter 1999 dann seinen Wechsel zu Lazio Rom, doch Palermo kämpfte sich zurück. Ein Jahr nach seiner schweren Verletzung erzielte er im Finale des Weltpokals gegen Real Madrid beide Tore zum 2:1-Sieg der Boca Juniors.

Der Beinbruch beim Torjubel

Im Winter 2000 erfolgte dann doch noch der langersehnte Wechsel nach Europa Bei Villarreal blieb ihm das Pech treu: Nach einem Torerfolg stieg er auf eine Mauer, die jedoch unter dem Druck der Fans umkippte. Dabei brach sich Palermoa sowohl Schien- als auch Wadenbein und fiel zwei Monate aus. Wenig später wurde er zu Betis Sevilla abeschoben, wo er sich aber nicht durchsetzen konnte.

Nach einem erfolglosen Engagement bei Deportivo Alavés kehrte der Argentinier zu den Boca Juniors zurück, wo er schnell wieder zu seiner alten Stärke zurückfand. Mittlerweile ist er der zweiterfolgreichste Torschütze der Vereinsgeschichte. Und nach seiner Reaktivierung fürs Nationalteam und den wichtigen Treffern für Klub und Land findet Martin Palermo zehn Jahre nach dem denkwürdigen Spiel gegen Kolumbien endlich wieder die Anerkennung, die er eigentlich verdient.