Sexismus-Skandal um Ada Hegerberg

04. Dezember 2018 20:30; Akt: 04.12.2018 20:49 Print

Von ihrer Quote träumen auch Messi und Ronaldo

von Marcel Rohner - Wer ist die Weltfussballerin, die gefragt wurde, ob sie twerken könne? Eine famose Stürmerin, die in ihrer Heimat Norwegen für mehr Respekt kämpft.

Die Frage, die Ada Hegerberg mehr Berühmtheit verschaffte, als sie sich wohl gewünscht hat. Video: AP
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Idealerweise wäre Ada Hegerbergs Abend so abgelaufen: Sie wäre nach Paris geflogen, hätte den Preis als beste Spielerin der Welt abgeholt, wäre das Gesicht des Frauenfussballs gewesen, dem dank der Zeremonie vom Montagabend eine etwas höhere Aufmerksamkeit zuteil geworden wäre. Dann wäre die 23-jährige Norwegerin zurück nach Lyon gereist und hätte in den Tagen darauf das Training wieder aufgenommen.

Tatsächlich ist Hegerberg am Dienstag Thema Nummer 1, ihr Name ist öfters zu lesen als jener von Luka Modric, dem Gewinner bei den Männern. Doch das kommt dem Frauenfussball nicht unbedingt zugute. Denn der Abend von Hegerberg lief nicht so ab, wie sie es sich wohl gewünscht hatte. Als ihr der Preis überreicht wurde, wurde sie von DJ Martin Solveig gefragt, ob sie twerken könne.

Es war also diese Frage, die Hegerbergs Bekanntheitsgrad vervielfachte, es waren nicht ihre fussballerischen Leistungen. Hegerberg selbst schüttelte die zum Skandal aufgebauschte Bemerkung zwar lässig ab, doch die Worte von Solveig waren nicht mehr aufzuhalten. Push-Nachrichten, Shitstorms, Entschuldigungen – das volle Programm folgte. Sogar Tennisspieler Andy Murray schaltete sich auf Twitter ein.

Wer ist Ada Hegerberg überhaupt?

Bei diesem ganzen Tohuwabohu bleibt aber jemand auf der Strecke: Ada Hegerberg. Sie ist das Gesicht des Skandals, aber wer ist diese Frau? Hegerberg ist, das wissen wir seit Montag, die beste Fussballerin der Welt. Am 10. Juli 1995 kam sie in Sunndalsora zur Welt. Aus diesem 4030-Seelen-Dorf, eingeklemmt zwischen Hügeln und der Mündung des Flusses Driva, der in das europäische Nordmeer fliesst, schaffte sie den Weg an die Weltspitze des Fussballs.

Mit ihrer älteren Schwester Andrine spielte sich Ada Hegerberg durch die Juniorinnenligen, vor allem gegen Jungen. 2011 wechselte sie in die norwegische Toppserien, die höchste Spielklasse des Landes. Kolbotn IL war ihr Verein, da spielte zu diesem Zeitpunkt auch ihre Schwester. Mit 16 erzielte sie ihren ersten Hattrick, in der gleichen Saison war sie Torschützenkönigin. Adas Qualitäten im Sturm waren so gross, dass der nächste Karriereschritt immer sogleich erfolgte.

Mit Schwester Andrine, mittlerweile bei den Frauen von Paris Saint-Germain unter Vertrag, wechselte Ada noch zum Stabaek FK und dann nach Deutschland, zu Turbine Potsdam. Dort spielten die beiden Norwegerinnen unter anderem mit der Schweizerin Lia Wälti zusammen, die 2013 zum Verein stiess und für diesen 97 Spiele absolvierte. 2018 verliess Wälti Potsdam und wechselte zu den Frauen von Arsenal London.

Eine sagenhafte Quote in Lyon

Die Schwestern Ada und Andrine hielt es weniger lang in Deutschland. Das lag bei der heute 25-jährigen Andrine daran, dass sie sich nicht durchsetzen konnte und nach nur vier Spielen nach Dänemark wechselte. Ada hingegen schaffte 2014 den Sprung an die absolute Weltspitze im Frauenfussball. Olympique Lyon holte sie, als sie 19-jährig war.

Auch bei Lyon war Hegerberg Teamkollegin einer Schweizerin. Die Rekordtorschützin der Nationalmannschaft, Lara Dickenmann, erlebte in Frankreich ihre bisher beste Zeit als Spielerin, 2011 und 2012 gewann sie die Champions League. Die holte später auch Hegerberg, mittlerweile schon dreimal in Folge. 2016 wurde sie mit 21 zu Europas Fussballerin des Jahres gekürt. Seit der Einführung hatten vor ihr nur deutsche Spielerinnen diesen Preis gewonnen.

Der Rücktritt aus dem Nationalteam

Bis anhin hat Hegerberg in nur 95 Spielen 120 Tore für Lyon erzielt, eine Quote, an die nicht mal Cristiano Ronaldo und Lionel Messi herankommen. In ihren jungen Jahren hat Hegerberg 66 Länderspiele bestritten, allerdings nur bis im Sommer 2017. Da beendete sie ihre Karriere in Norwegens Nationalteam vorläufig. Nach dem Ausscheiden bei der EM 2017 zeigte sie sich enttäuscht darüber, wie wenig Respekt dem Frauenfussball in ihrem Land entgegengebracht wird.

Hegerberg sagte zu ihrem Rücktritt: «Wir haben aufgehört, über Entwicklung zu sprechen und andere Länder haben uns überholt.» Fussball sei der wichtigste Sport für norwegische Mädchen, dennoch hätten Männer und Frauen nicht annähernd die gleichen Möglichkeiten. Darauf reagierte der Verband im Oktober 2017: Er verdoppelte die Prämien bei den Frauen, so dass diese jetzt gleich viel verdienen wie die Männer.

Hegerberg spielt trotzdem nicht mehr mit. Zu gross ist das Zerwürfnis mit dem Verband. Am Montag sagte sie, sie habe keine Absichten, eine Entscheidung zu überdenken, die sie traf, um ihre «Authentizität und ihre Werte als Person und Fussballerin zu wahren». Sie finde, der Respekt für sich selbst und ihre Kolleginnen fehle immer noch. Die beste Fussballerin der Welt wird bei der Weltmeisterschaft 2019 wohl fehlen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 05.12.2018 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas Scheinheilig

    Aber es sind doch genau die Medien wie Ihr, die einen solchen "Skandal" erst dermassen hochpuschen! Ihr hättet ja die Möglichkeit gehabt, die Spielerin zu würdigen ohne den Fokus auf den Skandal zu lenken. Jetzt im Nachhinein als Moralapostel auftauchen wirkt unglaubwürdig!

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  • Pedroestrich am 05.12.2018 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh man

    An Peinlichkeit nicht zu überbieten, dies als Sexismus zu bezeichnen.

  • DerInder am 04.12.2018 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komischer Vogel

    Das Ganze hat meiner Meinung nach nichts mit Sexismus zu tun und wer das behauptet zieht die ganze Debatte ins Lächerliche. Was aber auf jeden Fall unpassend war, so einen Kommentar bei einer FUSSBALLgala zu machen. Wie ist der DJ nur auf diese Idee gekommen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Launedernatur am 05.12.2018 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist nun...

    ...die so tolle Quote?

  • Don Höfi am 05.12.2018 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ada Hegerberg

    Sie ist eine super Fussballerin und liess sich vom DJ nict ins Boxhorn jagen.

  • Realist am 05.12.2018 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    alles relativ

    Messi und Ronaldo haben aber auch 1000mal mehr Konkurrenten. Die Quoten sagen also somit gar nichts. Es ist wie beim Eisstockschiessen. Es gibt weltweit eine handvoll Profis und diese sind schnell mal erfolgreich, weil es eben wenig von ihnen gibt.

  • Remo am 05.12.2018 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Unterscheiden

    Ein Musiker stellt eine "sexistische", meiner Meinung komplett unangebrachte, Frage und nun wird allgemein von den Medien ein Sexismusskandal im Sport daraus gemacht. Es sollte sich wenn die Frage über Sexismus in der Musikindustrie stellen.

  • Tony am 05.12.2018 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich und absolut daneben!!

    Ich erinnere mich aber auch an ein Interview von Steffi Buchli mit Lara Dickenmann. Der Fokus der Fragen lag dort auch eher bei Mode und Schuhen anstatt beim Sport. Mich hat das damals enttäuscht und ich fand die Fragen von Buchli fast schon sexistisch. Dickenmann ist eine eindrückliche Athletin.