EM-Qualifikation

25. März 2011 09:00; Akt: 25.03.2011 09:43 Print

Vorentscheidung für Deutschland & Co?

Zu Beginn des zweiten Drittels der EM-Quali können die verlustpunktlosen WM-Halbfinalisten Deutschland, Spanien und Holland mit einem weiteren Sieg Weichen stellen.

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Deutschland trifft auf den krassen Aussenseiter Kasachstan. (Bild: AFP)

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Die Ausdehnung der Qualifikation auf neun Gruppen verhindert Top-Spiele fast zwangsweise. In den meisten Gruppen sind auf den vorderen Plätzen klare Hierarchien gegeben. Spitzenteams treffen in der Ausscheidung nur noch in Ausnahmefällen aufeinander. In sechs von neun Gruppen ist bloss ein WM-Teilnehmer von Südafrika vertreten. Wenn sich, wie in der Gruppe C, Slowenien und Italien, zwei WM-Teilnehmer, duellieren, ist das schon fast ein «Highlight».

In Ljubljana könnten die Italiener mit einem Sieg den ersten Verfolger um sechs Punkte distanzieren und einer nach dem Fiasko in Südafrika unerwartet ruhigen Endphase der Qualifikation entgegensehen. Nach den Erfolgen gegen Estland und die Färöer, dem Remis in Nordirland sowie dem Forfaitsieg gegen Serbien steht das «neue Italien» von Coach Cesare Prandelli vor dem ersten wirklichen Test.

Dabei sieht sich der vierfache Weltmeister mit personellen Problemen konfrontiert: Innenverteidiger Andrea Ranocchia und Mittelfeldstratege Andera Pirlo sind verletzt, Daniele De Rossi und Stürmer Mario Balotelli wurden aus disziplinarischen Gründen nicht nominiert. Sie hatten sich in Spielen mit ihren Klubs zu Tätlichkeiten hinreissen lassen und verstiessen damit gegen den von allen «Azzurri» unterschriebenen «Verhaltenskodex» Prandellis.

Trotzdem reist der gefallene Riese Italien mit relativ breiter Brust zum Nachbarn. Nach einem spielerisch problematischen Herbst zeigte er im Februar beim Test in Deutschland (1:1) eine gute Leistung. Nun sehen die Italiener die Zukunft nicht mehr ganz so düster. In der Offensive liegt die Verantwortung bei den getrennten einstigen «Traum-Zwillingen» von Sampdoria Genua: Antonio Cassano und Giampaolo Pazzini.

In der letzten Saison schossen sie die Genuesen mit insgesamt 28 Toren in die Champions-League-Qualifikation, verliessen Sampdoria im Januar aber in Richtung Mailand. Cassano ging zu Milan, Pazzini zum Stadtrivalen Inter. Eine Woche vor dem grossen Derby in der Serie A sind die beiden nun in nationaler Sache unterwegs - und auf der Suche nach vorentscheidenden Toren auf dem Weg an die EM-Endrunde.

Vier Teams ohne Verlustpunkte

Vier Teams sind nach den Spielen im Herbst noch ohne Verlustpunkte. Neben Weltmeister Spanien (gegen Tschechien), WM-Finalist Holland (in Ungarn) und -Halbfinalist Deutschland (gegen Kasachstan) ist dies überraschend auch Aussenseiter Norwegen. In einer heiklen Gruppe mit Portugal und Dänemark könnten die Skandinavier in Oslo gegen die Dänen eine Vorentscheidung herbeiführen.

Bei einem Sieg würde der Vorsprung auf Portugal und Dänemark auf fünf bzw. sechs Punkte anwachsen. Die Favoriten könnten dieses Handicap in den verbleibenden vier Spielen kaum noch aufholen - zumal Norwegen noch zu Hause gegen die Aussenseiter Zypern und Island antritt. Seit der Rückkehr von Coach Egil Olsen im Januar 2009 verbesserten sich die Nordeuropäer im FIFA-Ranking von Platz 58 auf Rang 11. Nun ist die erste Qualifikation für ein Turnier seit der EM 2000 nicht mehr fern.

Spanien verteidigt in der Gruppe I die Führungsposition im Heimspiel gegen Tschechien. Nach 14 siegreichen Qualifikationsspielen in Folge seit Juni 2007 zweifelt in Spanien keiner am nächsten Erfolg des Weltmeisters. Der Fokus liegt entsprechend auf den Einzelgeschichten rund um das Spiel in Granada. Auf David Villa zum Beispiel, der mit dem 45. Tor in der «Selección» zum alleinigen Rekordtorschützen Spaniens (vor Raúl) avancieren würde. Oder auf Fernando Torres, der seit seinem Wechsel von Liverpool zu Chelsea vor knapp zwei Monaten kein Tor mehr erzielte und nun ausgerechnet gegen seinen Klubkollegen Petr Cech erfolgreich sein will.

Keine Experimente bei den Deutschen

Deutschlands Trainer Joachim Löw verzichtet im Spiel gegen den krassen Aussenseiter Kasachstan (0 Punkte, 0 Tore) auf Experimente. Fragezeichen gibt es bloss auf der linken Abwehrseite und im Sturm. In der Defensive könnte HSV-Spieler Dennis Aogo zum Einsatz gelangen, im Angriff kann Löw zwischen dem formstarken Mario Gomez (19 Saisontore) und dem 59-fachen Länderspieltorschützen Miroslav Klose auswählen. Das Hinspiel im vergangenen Oktober hatte Deutschland in Astana dank drei Toren nach der Pause 3:0 gewonnen.

Eine (sport-)politische Note erhält Frankreichs Auftritt in Luxemburg. Sportlich hat sich die Equipe unter Laurent Blanc aufgefangen und die Führung in der Gruppe D übernommen. Doch nun kommt die leidige Vergangenheit wieder hoch. Die Anführer der Revolte von Südafrika, Patrice Evra und Franck Ribéry, sind erstmals seit der blamablen WM wieder dabei.

Das brachte Blanc von höchster politischer Stelle Kritik ein und auch die Fans tragen den Personalentscheid offenbar nicht mit: In einer Umfrage der Zeitung «Le Parisien» wären 70 Prozent der Leser «schockiert», würden Ribéry und der frühere Captain Evra in Luxemburg in der Startformation stehen.

(sda)